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Die Ares Venture Capital AG in Dorsten dürfte nur einem kleinen Kreis überwiegend unglücklicher Anleger ein Begriff sein. Im vergangenen Dezember berichtete die Börsentrend AG mit Sitz in Klink an der Müritz stolz, sie habe die Mehrheit der Aktien der Ares AG erworben. Dies geschah durch ein freiwilliges Kaufangebot, bei dem als Gegenleistung Aktien der Future Holding AG, ebenfalls mit Sitz in Klink an der Müritz, verteilt wurden. Für je 20 Stamm- oder Vorzugsaktien gab es eine Future Holding-Aktie, für jeden Ares-Wandelgenußschein 20 Future Holding-Aktien (letzter Kurs bei Valora Effektenhandel: 0,39 Euro Briefkurs). Besonders nett liest sich der Hinweis im Kaufangebot, daß nicht-Abgabewillige „vorerst“ (unterstrichen!) Aktionäre der Ares AG blieben und ein Squeeze-out das erklärte Ziel des Käufers sei.

Der Vorstand der Zielgesellschaft betont sogar in seiner Stellungnahme ausdrücklich, daß der Vorstand derzeit dienstunfähig sei (!) und eine baldige Insolvenz nicht ausgeschlossen werden könne. Am 16. April soll die HV, wie kürzlich im elektronischen Bundesanzeiger zu lesen war, nicht nur den Jahresabschluß feststellen und trotz Insolvenzreife der Verwaltung mit ihrer Entlastung die symbolische Absolution erteilen, sondern auch exotischerweise über das „sofortige Ruhen, die Stellung eines Insolvenzantrages“ und „die Liquidation“ der Gesellschaft befinden. Die Kapitalherabsetzung 50:1, Aufsichtsrat-Neuwahl und die Sitzverlegung – man ahnt es bereits: nach Klink an der Müritz – sind da fast schon wieder langweilig.

Weiter erfährt der erstaunte Leser in einer gesonderten Bekanntmachung, daß der AR-Vorsitzende verstorben sei. Die Inhaber von Ares-Wandelgenußscheinen mögen bitte die Wandlung in Vorzugsaktien erklären, ihre Wandelgenußscheine in eine 5 %-Anleihe der Ares AG umtauschen oder pro 100 DM Nennwert Wandelgenüsse fünf Aktien der Life und Art AG (Third Market München, letzter Kurs 0,34 Euro) eintauschen. Werden nicht mindestens 95 % umgetauscht, „wird wohl die Insolvenz im April angemeldet werden“. Sollten nicht eben noch die Aktionäre über dergleichen befinden?

Abschließend gibt es noch ein Hauruck-Kaufangebot über 0,01 Euro je Ares-Aktie und 1 Euro je Wandelgenußschein – vom Vorstand persönlich. War derselbe nicht eben noch dienstunfähig? Natürlich kann man Rückfragen an die Gesellschaft loswerden. Sowohl eine Postfachadresse als auch zwei Telefon- und Faxnummern sind angegeben. Die eine (01907-) kostet beachtliche 1,21 Euro pro Minute, die andere (01212-51) nur 12,4 Cents pro Minute. Eine lokalisierbare Festnetznummer oder zustellungsfähige Anschrift sucht man vergebens.

Angehenden Aktienrechtlern und Freunden gesellschaftsrechtlicher Realsatire sei der Kauf einer Ares-Aktie und der Besuch der HV nahegelegt.

Die GoingPublic Kolumne Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.