Bezahlfernsehen hat es in Deutschland schwerer als anderswo, das ist bekannt. Die viel gescholtenen öffentlich-rechtlichen Sender leisten einerseits eine Grundversorgung, die als so hinreichend angesehen wird, daß sich die ganz überwiegende Mehrheit nicht bemüßigt fühlt, ein Abo des Bezahlsenders zu kaufen. Und als Medium für pornografische Inhalte, die gerade in südlichen, mit einer restriktiven, überwiegend katholischen Morallehre behafteten Ländern das Wachstum des Pay-TV in den Anfangsjahren befeuerten, hat sich im DSL-Zeitalter das Internet durchgesetzt.

Bei der Suche nach Exklusivität liegt ein Engagement im Sport nahe. Doch das Ziel, mit dem Erwerb der Champions League-Rechte etwa 150.000 neue Abonnenten zu werben, wie vom Unternehmen angegeben, scheint zu ambitioniert. Die einschlägige Klientel ist mit Bundesliga und Formel 1 sowie weiteren europäischen Fußball-Ligen und den amerikanischen Major Leagues bereits erschlossen. Es wird zudem ständig auf das Premiere-Image drücken, wenn statt Bayern München oder Werder Bremen im Free TV so prickelnde Spiele wie FC Thun gegen Galatasaray Istanbul gezeigt werden. Da kennt die Zeitung mit den vier großen Buchstaben keine Gnade, sich zum Sprachrohr der Entrechteten zu machen. Auch wenn in der Vergangenheit viele Matches es tatsächlich nicht verdient hatten, live und unverschlüsselt ausgestrahlt zu werden.

Statt eines Aufbruchs in eine neue Dimension zeigt der Deal nur, daß es für Premiere sehr schwer ist, überhaupt noch exklusive Inhalte zu akzeptablen Preisen, die tatsächlich refinanziert werden können, zu akquirieren. Auch die Clubs selber werden schnell merken: Der Rechteverkauf durch die UEFA ist eine klassische Wasserträger-Rechnung. Die 10 bis 15 Millionen Zuschauer einer Free-TV-Übertragung interessieren die großen Sponsoren. Ohne diese Kontakte werden die Preise für das Sponsoring tendenziell sinken.

Alles in allem ist dieser Rechtekauf mit mehr Risiken als Chancen behaftet, der den ohnehin schwachen Ausblick von Premiere weiter belastet.

Stefan Preuß

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