…da meldet sich der Börsendachs aus den Winterferien zurück und verlangt schlagartig und ohne Gnade wache Augen und einen klaren Kopf. Wer entfesselt plötzliche solche Nachfrage nach Aktien? Neues Jahr – neues Glück? Kann es wirklich nur noch besser werden?

Gestatten Sie, daß wir erst einmal nicht in den Kanon der Hurra-Apostel mit einstimmen. Der Kursaufschwung hat mit seinem Blitzstart noch keine Nachhaltigkeit bewiesen. Sieben Prozent Veränderung, das war in den Prä-Bubble-Jahren ein respektables Monatsergebnis. Als Tagesbewegung verheißt es wenig Gutes. Hohe Volatilitäten implizieren hohes Risiko. Viele Leute machen sich plötzlich Gedanken über den wahren Wert der Aktien und scheinen innerhalb von Stunden in eine Kaufpanik zu verfallen. Hat die Gesamtwirtschaft von gestern auf heute wirklich eine so massive Verbesserung erfahren?

Wollten wir nicht froh sein, panikartige Reaktionen und Übertreibungen hinter uns gelassen zu haben? Und nun fängt das neue Jahr genau mit solchen an – Prost Mahlzeit statt Prost Neujahr. Die Zeichen für einen echten „Rebound“ (Entschuldigung für die neudeutsche Ausdrucksweise, aber wir sind doch weltoffen, oder?) stehen nicht gut, denn es dürften noch genügend Aktienbesitzer auf geringfügig bessere Kurse warten, um das herzugeben, was sie schon jahrelang besitzen oder was sie seit Oktober 2002 billig erstanden haben. Auf der anderen Seite wartet Liquidität auf breiter Front auf ein definitives Ende der Talfahrt – und das schon geduldig seit vielen Monaten. Sollte der 2. Januar der Einstiegstag gewesen sein?

Eine mögliche Prognose wäre die folgende: Zum Jahresende 2003 werden sich sowohl Osama bin L. als auch Saddam H. bester Gesundheit erfreuen. Gerhard S. wird noch immer regieren und aufgrund Hans E.“s Wehklagen über fehlende Steuereinnahmen mittels einer weiteren Kommission einen Strauß neuer Steuergesetze zimmern, wozu aus jeder Lobbyisteneinflüsterung mindestens genauso viele Ausnahmeregelungen erblühen. Die Verdi-Gewerkschaft wird den innovativen Vorschlag ablehnen, die Bezüge ihrer Klientel an das Gewerbesteueraufkommen der Kommunen zu koppeln. Es wird eine deutsche Großbank weniger am Markt geben. Unter diesem Szenario wird der Dax nicht höher notieren als zu Jahresbeginn.

Jede Veränderung, die auch nur eine erhöhte Planungssicherheit nach sich zieht, dürfte als Wende zum Besseren empfunden werden. Sei sei uns herzlich willkommen.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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