„Alles, was ich anfasste, wurde zu Hemden“ – dieser Leitspruch von Firmengründer Walter Seidensticker zieht sich bis heute durch die Geschichte des traditionsreichen Familienunternehmens aus Bielefeld. Hemden gelten als Leidenschaft des Seidensticker-Clans. Das mittlerweile in dritter Generation geführte Textilunternehmen zählt sich nach eigenen Angaben zu den Top-drei der größten Hemdenhersteller weltweit. Dabei setzt das seit über 90 Jahren geführte Unternehmen vor allem auf Qualität, Tradition, aber auch Innovation – und die Familie steht dabei immer im Mittelpunkt. Seidensticker ist eben ein Familienunternehmen mit Leib und Seele.

Mit geliehenem Geld zum Erfolg

Alles begann im Jahr 1919 mit 5.000 geliehenen Goldmark: Damals beschloss der junge Walter Seidensticker, in der elterlichen Wohnung ein Unternehmen für die Hemdenproduktion zu gründen. Der Plan ging auf, denn innerhalb eines Jahres betrug der Umsatz schon stolze 70.000 Mark. Nach und nach entwickelte sich das kleine Unternehmen zu einer Textilfabrik, die immer größeren Bekanntheitsgrad erzielte. Mit der Einführung des ersten Taktfließbands im Jahr 1930 machte sich Seidensticker als erstes Bekleidungsunternehmen mit arbeitsteiliger Fertigung einen Namen.

Richtig los legte das Unternehmen schließlich Ende der 50er Jahre mit der Einführung des „Toplin mit dem blauen Punkt“ – dem ersten bügelfreien Markenhemd der deutschen Bekleidungsgeschichte. Der richtige Durchbruch kam 1968 mit der Einführung der Hemdenmarke „Schwarze Rose“, die sich für den stilbewussten Mann als die Trendmarke schlechthin auszeichnete. Als Hingucker diente eine aufs Hemd gestickte schwarze Rose, die bis heute als Markenzeichen der Modelinie gilt.

Werbekampagne mit Gerd Oliver Seidensticker, Unternehmensleiter Seidensticker
Werbekampagne mit Gerd Oliver Seidensticker, Unternehmensleiter Seidensticker

Expansion nach Asien

Neben dem richtigen Gespür für aktuelle Modetrends erkannte das Familienunternehmen schon früh das Potenzial der asiatischen Märkte. So expandierte Seidensticker 1974 nach Hongkong, um dort die Seidensticker Overseas zu gründen. 2005 folgte die Seidensticker-Produktionsstätte in China, in der heute jährlich 4 Mio. Hemden produziert werden. Im April 2013 wurde eine Produktionsstätte in Bangladesch und ein Sales Office in Bangkok eröffnet. „Bangkok etabliert sich neben Hongkong immer stärker als südostasiatischer Wirtschafts-Knotenpunkt. Mit unserem Sales-Office haben wir ein weiteres Seidensticker-Zentrum für unsere Kunden in einer wachsenden Metropolregion geschaffen“, betont Unternehmensleiter Frank Seidensticker in einem Interview und stellt damit die Bedeutung des asiatischen Zukunftsmarktes heraus.

Ausbau des Retail-Geschäfts

Die 2000er Jahre waren für das traditionsreiche Familienunternehmen vor allem durch den wirtschaftlichen Wachstumsausbau geprägt. 2002 erhielt Seidensticker eine Lizenz für den renommierten Herrenausstatter Camel Active, es folgten weitere mit Bogner, Baldessarini und Arrow. Die Expansion im Blick beschloss das Familienunternehmen im März 2012 schließlich, eine 7,25%-Anleihe in Höhe von 30 Mio. EUR im Handelssegment der Düsseldorfer Börse zu platzieren. Mit Erfolg: Bereits vor Handelsbeginn war die Anleihe siebenfach überzeichnet, man hätte also über 200 Mio. EUR einsammeln können.

In den letzten Jahren hat Seidensticker vor allem sein Retail-Geschäft weiter ausgebaut, um neben der Produktion auch die Nähe zum Endverbraucher, also zum Kunden zu symbolisieren. Schließlich wolle das Unternehmen  „die Wertschöpfungskette vom Stoffballen bis zur Ladentheke“ komplett abdecken. Die Strategie schien aufzugehen, da der Retailumsatz in den ersten drei Quartalen 2013 um 13% zulegte. Als Grund für den Erfolg sieht die Unternehmensgruppe vor allem die starke Fokussierung auf ihre Kernmarken, zu denen aktuell u.a. Jacques Britt, Schwarze Rose und Dornbusch zählen.

Vollblut-Familienunternehmen

Trotz des wirtschaftlichen Wachstums in den letzten Jahren hat das Unternehmen eines immer im Blick gehabt: die Familie. Der Slogan „Hinter manchen Marken stehen Investoren. Hinter Seidensticker steht Familie. Mit ihrem Namen, seit 1919“ aus einer Kampagne von 2006 betont genau dies. Im Bild zu sehen waren damals übrigens die Brüder Gerd und Walter mit den Söhnen Gerd Oliver und Frank Walter sowie Walters Enkelin Franceska. Vor zwei Jahren stand Unternehmensleiter Gerd Oliver Seidensticker für eine Imagekampagne noch einmal als Modell vor der Kamera, um zu verdeutlichen, dass die Leidenschaft für Hemden auch über Generationen hinweg im Unternehmen weitergegeben wurde. Schließlich konstatiert er wörtlich: „Wer mich etwas über Hemden fragen will, sollte viel Zeit mitbringen.“

Fazit

Das Bielefelder Familienunternehmen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Tradition, Innovation und Erfolg gemeinsam funktionieren können. Durch personalisierte Werbekampagnen beweist Seidensticker, dass es kein anonymes Unternehmen ist, sondern auf persönliche, „hautnahe“ Nähe zum Kunden setzt. Das Modeunternehmen ist eben mit „jeder Faser ein Familienunternehmen“.


Seidensticker – Anleiheübersicht

Unternehmen Laufzeit Emissionsvolumen* Kupon Rating Aktueller Kurs* Rendite p.a. bis Fälligkeit
Seidensticker 2012-18 30 7,25% BB 107% 5,1%

*BondGuide.de; in Mio. EUR

*Stand: 9.Juni 2014

 

Seidensticker – Kurzprofil

Branche Mode
Zentrale Bielefeld
Geschäftsleitung Frank-Walter Seidensticker, Gerd Oliver Seidensticker, Detlef Adler
Größte Anteilseigner

inst. Investoren (50%)private Investoren (46,2%)

Mitarbeiter (3,8%)

Exportrate 38%

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.