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 Wo liegen überhaupt die Unterschiede zwischen einem klassischen IPO und einem Security Token Sale?

Ruben Bach (links) und Christopher May debattieren darüber, ob die neue und alte Welt nebeneinander existieren können.
Ruben Bach (links) und Christopher May debattieren darüber, ob die neue und alte Welt nebeneinander existieren können.

Bach: Der Unterschied zum IPO ist, dass Aktien im Rahmen eines Börsengangs in der Regel einem überschaubaren, eingeschränkten Kreis von Investoren angeboten werden. STOs ermöglichen hingegen eine stärkere, globale Verbreitung an Investoren, vergleichbar mit einem Crowdfunding-Investment. Crowdfunding 2.0, wenn Sie so wollen. Spannend ist ein STO vor allem auch für technologieaffine, auch börsennotierte Mittelständler, die zwischen 5 Mio. und 15 Mio. EUR für Technologie- oder Projektfinanzierungen benötigen, aber keine geeigneten Investoren finden. Durch ein STO kann eine neue und viel breitere, risikobereite, technologiebegeisterte Investorengruppe angesprochen werden. Zudem rücken die Entwicklung der Vertriebsstrategie und das Branding in den Vordergrund. Beides gibt es beim STO sozusagen umsonst dazu.

Dr. Riethmüller: Die zentrale Herausforderung beim Token Sale in Abgrenzung zu klassischen Finanzierungsmethoden besteht nach wie vor in der rechtlichen Handhabe. Die spannende Frage in Deutschland ist momentan, welche rechtlichen Strukturen es ohne vorherigen Eingriff des Gesetzgebers heute schon zulassen, Eigentum auf der Blockchain zu übertragen. Diese Frage stellt sich etwa sowohl in Bezug auf Immobilieneigentum als auch in Bezug auf Wertpapiere. In beiden Bereichen beruhen die rechtlichen Regelungen, die heute gültig sind, auf historischen Entwicklungen, die die Digitalisierung noch nicht berücksichtigen konnten. Deswegen suchen viele Marktteilnehmer nach Ausweichmöglichkeiten. Ein Beispiel ist die virtuelle Beteiligung, die in einem Token verbrieft werden soll. Qualitativ, das heißt von der Rechtsstellung des Investors her gedacht, ist der Erwerb einer virtuellen Beteiligung aber definitiv etwas anderes als der Erwerb einer Aktie. Es gibt aktuell Bemühungen seitens des Gesetzgebers, einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für Transaktionen zu schaffen, durch die „echtes“ Eigentum übertragen werden kann. Ich weiß außerdem von der Emission eines ersten Security Token, die in Deutschland im bestehenden Rechtsrahmen realisiert worden ist. Diese wird demnächst öffentlich werden.

Michael Duttlinger (ganz link) und Heiko Frantzen während des Gesprächskreis.
Michael Duttlinger (ganz link) und Heiko C. Frantzen während des Gesprächskreis.

Duttlinger: Durch Automatisierung und Standardisierung kann man die Kosten eines Token Sale im Vergleich zum IPO außerdem noch deutlich senken. Wenn die Prozesse eines STOs künftig noch stärker digitalisiert werden, kann auch das Fundraising effizienter werden als bei einem klassischen IPO. Jedoch sollte man einen STO eher als digitale Alternative zu einem klassischen IPO betrachten. Ich sehe diese beiden Finanzierungsformen demnach eher als Ergänzung und nicht als Gegensätze an. Es gibt verschiedene Vermögenswerte, die man mit einem Security Token abbilden kann. Welcher Zielmarkt sich letztlich herauskristallisiert, wird sich in der Zukunft noch zeigen müssen – deswegen sehe ich den Token Sale auch nicht als Konkurrenz zum IPO.