Laut einer aktuellen Studie von Euler Hermes Rating weisen kleine und mittelständischen Unternehmen (KMU) und Mid-Caps in Italien mit 2,05% eine durchschnittlich geringere 2-jährige Ausfallrate als ihren deutsche (2,59%), französische (3,05%) oder gar spanische (3,67%) Mittelständler auf. Bei den Finanzprofilen haben immerhin deutsche KMUs die Nase vorn: Die Deutschen weisen mit 32,4% den höchsten Anteil an „Investmentgrade-Finanzprofilen“ (von BBB bis AA und höher) in den vier betrachteten Ländern auf.

Das Interesse für Kreditvergaben europäischer Unternehmen scheint demnach hoch zu sein „Im Niedrigzinsumfeld wächst das Interesse von institutionellen Investoren an alternativen Investmentfonds rasant. Im Zuge dessen boomt die direkte Kreditvergabe privater Investoren in Europa“, erklärt Kai Gerdes, Direktor Kreditrisiko bei TRIB Rating, dem Rating-Service von Euler Hermes Rating. Zwar seine gerade KMUs für Investoren attraktiv – jedoch bergen sie wesentlich höhere und komplexere Kreditrisiken als multinationale Unternehmen. „Dass italienische Mittelständler zum Beispiel durchschnittlich weniger riskant sind als ihre deutschen Pendants, die den Ruf haben, besonders solide zu sein, mag für den einen oder anderen eine kleine Überraschung sein“, so Gerdes weiter.

Eine mögliche Erklärung für die geringeren Ausfallraten sieht die Studie in der Tatsache, dass die Sektoren Herstellung von Rohstoffen und Groß- und Einzelhandel in Italien relativ geringe Ausfallraten aufweisen und diese einen vergleichsweise hohen Anteil der betrachteten Unternehmen ausmachen. Die Ursachen für die vergleichsweise hohen Ausfallraten in Spanien liegen in der Folge der internationalen Finanzkrise, durch die zahlreiche Unternehmen ins Straucheln gerieten. Insolvenzen stiegen landesweit an. Besonders hart traf es die dortige Immobilien- und Baubranche. Nach einem jahrelangen Bauboom platzte 2008 im Zuge der globalen Finanzkrise die Immobilienblase in Spanien und ließ Ausfallraten in diesen Branchen besonders stark in die Höhe schnellen.

Vielseitige Aspekte bei Analyse berücksichtigen

Gerdes warnt des Weiteren vor vorschnellen Pauschalisierungen: „Die adäquate Analyse und Risikobewertung europäischer Kreditrisiken erfordert die Berücksichtigung vielschichtiger und komplexer Aspekte: Die landesweite, sektorübergreifende Auswertung ist das eine – die branchen- und unternehmensspezifische Analyse das andere. Pauschal über den Daumen peilen funktioniert dabei nicht beziehungsweise würde schnell nach hinten losgehen“, so der Rating-Spezialist.

Es gäbe zwar in einzelnen europäischen Ländern einige Parallelen, aber auch gravierende Unterschiede. In Deutschland weisen – ähnlich wie in Frankreich – das Baugewerbe, die verarbeitende Industrie und der Maschinen- und Anlagenbau überdurchschnittliche Ausfallraten auf. In Italien hingegen ist Landwirtschaft und Bergbau besonders riskant und in Spanien wackeln Mittelständler in den Sektoren Immobilien und Vermietung sowie im Baugewerbe besonders häufig. Betrachtet man den Groß- und Einzelhandel ist die Ausfallrate in den vier Ländern im Vergleich zu anderen Sektoren zwar leicht unterdurchschnittlich. Allerdings ist sie in Spanien mit 2,82% mehr als doppelt so hoch als in Italien (1,38%) – wobei das Risiko in dieser Branche auch stark von den gehandelten Produkten abhängt.

„Viele Risiken lassen sich durch eine detaillierte Analyse beherrschen“, sagt Gerdes. „Aber trotzdem bleiben bei alternativen Investitionen Gefahren – eine Glaskugel hat keiner. Sämtliche Märkte unterliegen einem permanenten Wandel, den man für die zukünftige Betrachtung im Auge behalten muss. Allerdings lassen sich insbesondere Entwicklungen, die auf eine Kumulation verschiedener Risiken zurückzuführen sind, nur schwer in die Zukunft übertragen.“

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de