Die Grenzen zwischen dem Creditor Relations- und dem Investor-Relations-Manager sind in den letzten Jahren immer stärker verschwommen. Wir haben mit Dr. Markus Walchshofer und Kay Bommer über die erste Creditor Relations-Tagung, die Bedeutung des Treasurys und den Stellenwert von Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung in Deutschland gesprochen.

GoingPublic: Herr Dr. Walchshofer, Herr Bommer, am 17. Januar 2019 findet die erste Creditor Relations-Tagung in Frankfurt statt. Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, solch eine Konferenz ins Leben zu rufen?

Dr. Markus Walchshofer und Kay Bommer.
Dr. Markus Walchshofer und Kay Bommer.

Walchshofer: Die Tagung im Januar 2019 ist die erste ihrer Art. Seit 2011 gibt es bereits den vom DIRK regelmäßig veranstalteten Fixed Income Roundtable, bei dem sich Experten aus den Bereichen Treasury und IR austauschen konnten. Das Interesse und die Teilnehmerzahl stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Deswegen kam uns schlussendlich die Idee, eine Tagung ins Leben zu rufen.

Bommer: Das Thema Creditor Relations hat aus zweierlei Gründen an Bedeutung gewonnen. Erstens: Im Niedrigzinsumfeld ist Fremdkapitalfinanzierung für Unter- nehmen in den letzten Jahren immer attraktiver und bedeutender geworden. Zweitens wird der Bereich Treasury lang- sam aus seinem „Elfenbeinturm“ heraus- geholt, wodurch der Creditor Relations Officer für Investoren immer wichtiger geworden ist. Demnach sind die Ansprüche der Fremdkapitalgeber auch gestiegen und die Überschneidungen zur Equity-IR werden immer größer. Wir sehen die Veranstaltung im Januar als Auftakt vieler weiterer Tagungen in den kommenden Jahren.

Können Sie uns noch ein paar Details zur Konferenz nennen, etwa Themen und Referenten?

Walchshofer: Ein großer Schwerpunkt wird die Digitalisierung sein. Dafür konnten wir erfahrene Referenten mit an Bord holen, u.a. von adidas, Lufthansa oder SAP. Gerade im Bereich Creditor Relations ist das Thema Digitalisierung zur Effizienzsteigerung sehr wichtig. Zudem wird auch die Digitalisierung des Ratingprozesses eine große Rolle am Konferenztag spielen, mit S&P als exklusivem Partner. Auf akademischer Seite freuen wir uns über Prof. Schiereck von der TU Darmstadt. Außerdem wird auch das Fintech credX am Start sein und uns spannende Einblicke in die digitale Praxis geben.

Bommer: Das Schöne an dem Format ist die Vielzahl der Themen und die breite Teilnehmerschaft, die nicht nur aus den üblichen IR-Managern besteht. Die Idee ist, eine Art Marktplatz zu schaffen, der Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen- bringt. So werden viele Teilnehmer aus dem Bereich Treasury dort sein, die immer häufiger mit den IR-Abteilungen zusammenarbeiten. Den Austausch untereinander – umrahmt vom aktuell spannenden Thema Digitalisierung – halten wir für sehr wichtig.

Gutes Stichwort – Digitalisierung ist ja ein sehr weitläufiger Begriff. Zur näheren Einschränkung: Wann und wie ist Digitalisierung in Ihrer Branche überhaupt sinn- voll?

Walchshofer: Auf Kommunikationsebene wird der persönliche Kontakt für die Investor Relations immer an erster Stelle stehen, trotz zunehmender Digitalisierung. Hier gibt es auch keinen großen Unterschied zwischen Investor- und Creditor Relations. Jedoch fällt auf, dass das Thema Digitalisierung sich im Hinblick auf Unternehmensfinanzierung besonders für die Creditor Relations eignet. Denn hier überwiegt an erster Stelle die rein rationale Entscheidung darüber, welche Finanzierungsschritte notwendig sind. Ein mathematischer Algorithmus handelt nun mal treffsicherer als ein Mensch. Ich wage die These, dass Unternehmen sich 2030 sogar ganz von alleine finanzieren können.

Ist dann aber nicht die  Gefahr  vorhanden, dass irgendwann der Job des Investor- oder Creditor Relations-Managers obsolet wird?

Walchshofer: Im Gegenteil: Der Mensch wird umso mehr dafür gebraucht, all die digitalen Tools bedienen und entwickeln zu können. Ich ziehe gerne den Vergleich zur Luftfahrt.Durch den Autopiloten ist ein Flugzeug  theoretisch in der Lage, alleine von A nach B zu fliegen – trotzdem ist der Pilot unersetzlich. In den Investor- und Creditor Relations hat es in den letzten Jahren schlichtweg an einem Autopiloten gemangelt. Digitalisierung und künstliche Intelligenz sollten hier vielmehr als intelligente Beihilfe für den CR- und IR- Manager verstanden werden. Die beiden Welten sollten demnach sinnvoll zusammen- geführt werden, da stehen wir noch ganz am Anfang. Somit werden noch einige Monde vergehen, bis der IR-Manager komplett über- flüssig wird.

Bommer: Ich stimme Herrn Walchshofer voll und ganz zu. Besonders im Bereich Fixed Income bietet die Digitalisierung enorm viel Potenzial. Das Thema Blockchain etwa ist nur eines von vielen, das grundlegende Ver- änderungen mit sich bringen wird.