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Während im letzten Jahr noch Begriffe wie „Klimawandel“, „E-Mobility“ und „Work-Life-Balance“ zu weiteren Entwicklungsschritten der Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit geführt hatten, trugen die täglichen Meldungen bezüglich Corona seit Anfang des Jahres und die ersten Ausgangsbeschränkungen mit allen darauf getroffenen Entscheidungen (gezwungenermaßen) zu einer noch intensiveren Beschäftigung mit dem Thema ESG bei den befragten Gesellschaften bei. Nachhaltigkeit wird nun noch ernster genommen – bei der diesjährigen Befragung konnten wir eine überdurchschnittliche Teilnehmerzahl verzeichnen, wovon inzwischen fast 70% den Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit als hoch bis sehr hoch beurteilten. Wir führen die Befragung mittels Fragebogen jährlich seit 2014 bei ca. 350 Unternehmen durch; dieses Jahr haben davon 55 teilgenommen.

Auch für Investoren wird Nachhaltigkeit/ESG immer wichtiger. Der weltweit größte Vermögensverwalter, BlackRock, bezieht klar Stellung zum Thema Nachhaltigkeit und agiert in diesem Zusammenhang als Pionier des ESG-konformen Investierens. Vorstandchef Larry Fink macht mit seinem alljährlichen Brief an die Vorstände der Unternehmen deutlich, das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund der Unternehmenspolitik zu stellen. Somit tun Unternehmen auch hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten gut daran, die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Was verstehen wir unter Nachhaltigkeit? Wir unterteilen den Begriff in die Teilbereiche der ökologischen, ethisch-sozialen sowie ökonomischen Nachhaltigkeit und orientieren uns an der Definition des Brundtland-Berichts der Vereinten Nationen von 1987: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, als gegenwärtig lebende“.

Wie sich das Thema Nachhaltigkeit aus Sicht börsennotierter Gesellschaften entwickelt, haben wir auch dieses Jahr wieder in unserer Studie von September bis Oktober 2020 analysiert. Die Ergebnisse der letzten Jahre wurden somit erneut aktualisiert.

Einfluss der Nachhaltigkeit im Unternehmen

Wir haben gefragt: „Warum verfolgt Ihr Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit?“ Zu den Hauptgründen zählen – ähnlich wie im Vorjahr – gesetzliche Vorgaben mit 60% (Vj. 53%), strategische Unternehmenspolitik/eigene Unternehmensphilosophie (71%, Vj. 73%) und ESG-Anlagekriterien der Anteilseigener (47%). Bei etwa einem Viertel der befragten Unternehmen spielt inzwischen auch der Verbraucherwunsch eine erhebliche Rolle. Erstmals haben wir gefragt, was Nachhaltigkeit für das einzelne Unternehmen bedeutet. Ressourcen einzusparen, ist mit 80% der Hauptgrund für die Befragten. Für rund zwei Drittel der Unternehmen sind auch „Engagement im sozialen Bereich“ und „Verbesserung des Umweltschutzes als Unternehmensziel“ von erheblicher Bedeutung (siehe Abb. 1).

Ökologische Nachhaltigkeit

Das Thema Umweltschutz spielt auch 2020 eine immer bedeutendere Rolle. Während noch vor drei Jahren fast 30% diesen Sektor als weniger wichtig oder gar unwichtig einstuften, ist er in diesem Jahr für nur noch lediglich 2% unwichtig. Die verbleibenden 98% teilen sich in „neutral“ (34%) und „wichtig“ (64%) auf. Eine CO2-Bilanz/Klimabilanz erstellen 38% der befragten Unternehmen und stellen diese überwiegend im Nachhaltigkeitsbericht zur Verfügung.

Auf die Frage „Welchen Beitrag leistet Ihre Gesellschaft zusätzlich für den Umweltschutz?“ finden sich die Antworten wie auch im letzten Jahr hauptsächlich in den Antworten Ökostrom und besondere Energieeffizienzsysteme. Elektroautos/E-Bikes im Fuhrpark haben inzwischen 55% der befragten Unternehmen (Vj. 31%). Über ein Viertel führt hier sogar Mitarbeiterschulungen zum Umweltschutz durch. In den Corona-Zeiten mit erhöhter Digitalisierung ist auch das „Papierlose Büro“ wieder stärker in den Fokus gerückt. (siehe Abb. 2). Lediglich 4% leisten keinen Beitrag zum Umweltschutz (Vj. 11%).

Ethische und soziale Nachhaltigkeit – der Mensch im Mittelpunkt

Bei fast 90% der befragten Unternehmen steht „der Mensch“ im Mittelpunkt (Vj. 79%). Ebenfalls bilden fast 90% der befragten Mittelständler aus, um z.B. junge Menschen früh an das Unternehmen zu binden und sich den Nachwuchs in gewissen Bereichen frühzeitig zu sichern. Wie wichtig der Mensch im Unternehmen ist, spiegelt auch die Frage nach kostenfreien Trainings-/ Schulungsmöglichkeiten. 93% bieten solche an – 76% in Form von IT-Fortbildungen, 69% Sprachkurse, 49% duale Studienangebote, 31% Ausbilderscheine und 27% andere (fachliche Fortbildungen, Soft-Skill-Fortbildungen, Führungstrainings usw.) Erstmals haben wir nach der durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter gefragt, wobei 27% eine Zugehörigkeit von drei bis fünf Jahren, 42% eine Zugehörigkeit von sechs bis neun Jahren und 31% sogar eine Zugehörigkeit von über zehn Jahren angaben – insgesamt aus unserer Sicht eine sehr erfolgreiche langfristige Mitarbeiterbindung in der sich immer schneller verändernden Arbeitswelt.

Auf die Frage, ob es Maßnahmen für ein besonders nachhaltiges Arbeitsumfeld gibt, bejahten alle Gesellschaften. Insbesondere Homeoffice mit 87% (Vj. 81%), Gesundheitsangebote mit 67% (Vj. 69%) legen weiter zu oder bleiben auf hohem Niveau, und auch Teilzeitstellen für Mitarbeiter mit Kindern mit 88% liegen weiter hoch im Trend (siehe Abb. 3).

96% der befragten Unternehmen gewähren Ihren Mitarbeitern Sozialleistungen, überwiegend in Form von Altersvorsorge(n) mit 65%, VwL mit 52% und Zuschüssen zu öffentlichen Verkehrsmitteln mit 41%. Über 20% gewähren eine Treueprämie, 22% andere Vergünstigungen wie z.B. Firmenwagen, BU-Versicherungen, Diensthandys, Shopping Cards und Vergünstigungen für Sport- und Freizeitaktivitäten. Wie wichtig der Mitarbeiter ist, spiegelt sich auch beim Thema Lohngerechtigkeit wider. 84% der befragten Unternehmen erachten ihre Bezahlung als leistungsgerecht (Vj. 78%), 11% sogar als übertariflich (Vj. 12 %). Gefragt nach dem kulturellen bzw. sozialen Engagement des Unternehmens nannten ähnlich wie in den Jahren zuvor 81% der Befragten Spenden, gefolgt von Sponsoring mit 67%. Ehrenamtlich engagieren sich 48% für Initiativen (Vj. 47%) und 29% gaben ein persönliches Engagement der leitenden Angestellten an (Vj. 37%).

Ökonomische Nachhaltigkeit

Für 70% der Unternehmen ist die „Umsetzung der ökonomischen Nachhaltigkeit“ von erheblicher Bedeutung. Die Gründe, weshalb sich die Unternehmen in ökonomischer Hinsicht mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen, könnten eindeutiger nicht sein: Drei Viertel tun dies aufgrund der sozial-gesellschaftlichen Verantwortung und erhöhter Kundenanforderungen, 64% als Reaktion auf politische/rechtliche Anforderungen, 35% mit dem Hintergrund der Umsatzsteigerung und immerhin auch schon 25% aufgrund der erwarteten Reduktion der Finanzierungskosten.

Wir fragten auch: „Welche Bedeutung hat der Bereich Forschung und Entwicklung bzw. Zukunftsinvestitionen in Ihrem Unternehmen?“ Ähnlich wie in den letzten Umfrageergebnissen stufen 71% diesen Bereich als wichtig ein, nur 2% als unwichtig. Dabei tätigen 98% aller Gesellschaften Investitionen für kommende Zeiten, um ihr Unternehmen nachhaltig zu entwickeln (Vj. 93%) – überwiegend in Mitarbeiter 89% (Vj. 90%) und neue Technologien 89% (Vj. 80%), gefolgt von Investitionen in die Verbesserung der Produktionsprozesse 64% (Vj. 67%) und Investitionen in Energieeffizienz 56% (Vj. 50%). 45% der Betriebe ermitteln ihre Kundenzufriedenheit (Vj. 60%) – das ist zwar ein erneuter Rückgang um 15 Prozentpunkte, doch verzeichnen alle eine Kundenzufriedenheit von mindestens 70%. Kunden werden bei 56% zwischen vier und neun Jahren an das Unternehmen gebunden, 37% binden ihre Kunden sogar erfolgreich länger als zehn Jahre an das Unternehmen (Vj. 40%).

Nachhaltigkeitsberichte und deren Bedeutung

Laut unserer Umfrage erstellen mittlerweile ähnlich zum Vorjahr fast 70% einen CSR-/Nachhaltigkeitsbericht, mit 47% überwiegend nach GRI-Standards, 38% nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, davon über ein Drittel bereits seit drei bis fünf Jahren. Mittlerweile glauben nur noch 20% der Befragten, Nachhaltigkeitsberichte haben derzeit keinen oder wenig Einfluss auf die Attraktivität ihres Unternehmens (Vj. 30%). 64% der Unternehmen sind inzwischen der Meinung, dass diese künftig auch wichtig für Anleger sein werden (Vj. 43%) – ein deutlicher Sprung. Wir haben außerdem nach der Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen gefragt und diese einschätzen lassen (siehe Abb. 4). So geben sich die Unternehmen auch hier wieder zunehmend bessere Noten.

Nachhaltigkeitsinvestoren zeigen weiterhin Interesse am Mittelstand

In diesem Jahr hat uns erneut interessiert, ob es in der Vergangenheit bereits Interesse am Unternehmen seitens Nachhaltigkeitsinvestoren (z.B. von Stiftungen) gegeben hat. 50% der Befragten bejahten dies, was eine erneute Steigerung bedeutet (Vj. 40%). Hier zeigt sich die weiter steigende Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit bei institutionellen Investoren. In der Zukunft wird es besonders spannend, denn wir erwarten hier einen steilen Anstieg.

Fazit

Der deutsche Mittelstand hat das Thema Nachhaltigkeit deutlich im Fokus und nimmt sowohl die Teilbereiche ökologische, ethische und soziale sowie natürlich auch die ökonomische Nachhaltigkeit sehr ernst. Die Corona-Krise ist hier ebenfalls ein weiterer Katalysator für die steigende Bedeutung. So steht der „Mensch“ als Mitarbeiter besonders im Mittelpunkt und ist für den Mittelstand besonders wichtig. Der Nachhaltigkeitsbericht als Instrument und Dokument für Investoren hat sich mittlerweile fest etabliert, und seine Bedeutung steigt in Zukunft weiter. Zudem erstellen inzwischen über 70% der befragten Unternehmen einen solchen Bericht, um sich transparent zu zeigen. Mittlerweile hat die Hälfte der Unternehmen bereits Interesse von Nachhaltigkeitsinvestoren erfahren. Vor dem Hintergrund der erwartungsgemäß stark steigenden Bedeutung des Themas ESG für alle Investoren ist der Mittelstand aus dieser Sicht somit gut gerüstet, um als „nachhaltiges Investment“ attraktiv zu sein.

Über die Autoren:
Manuel Hoelzle ist Chefanalyst und Marita Conzelmann Konferenzmanagerin bei der GBC AG. Das Unternehmen mit Sitz in Augsburg ist eines der führenden bankenunabhängigen Investmenthäuser in Deutschland und erfahrener Emissionsexperte für den deutschen Mittelstand.