Für Emittenten, die den Sprung an die Börse wagen wollen, eröffnen sich immer größere Möglichkeiten. Sie können mittlerweile zwischen einer Vielzahl an Börsenplätzen mit unterschiedlichen und zum Teil speziell zugeschnittenen Segmenten wählen, und dies sowohl im In- als auch im Ausland. Von Peter Scherer und Moritz Gerstmayr

Peter Scherer und Moritz Gerstmayer.
Peter Scherer und Moritz Gerstmayer.

Das bietet insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) Chancen, wenn sie sich für ein Listing entscheiden. Denn durch ein IPO setzt das Unternehmen ein klares Zeichen für Transparenz und erhöht das Vertrauen und den Bekanntheitsgrad bei Investoren.

Deutsche Börse – ein Jahr Scale

Gut ein Jahr nach dem Start am 1. März 2017 hat die Deutsche Börse AG ein positives Zwischenfazit ihres neuen KMU-Segmentes gezogen. Trotz des herausfordernden Marktumfeldes stieg die Zahl der dort gelisteten Aktien von 38 auf immerhin knapp 50, wovon fünf Unternehmen über einen Börsengang neu in das Segment aufgenommen wurden. Auch die Liquidität der in Scale notierten Unternehmen hat sich 2017 im Durchschnitt um 130% erhöht.

Als Segment des Freiverkehrs (Open Market) ist Scale eine Alternative zu den von der EU regulierten Segmenten General Standard und Prime Standard. Zur Entwicklung beigetragen haben dabei sicherlich auch Angebote wie Research-Reports für Investoren, Anleger und Emittenten sowie die Zeichnungsmöglichkeit von Aktien vor dem Börsengang des Emittenten. Hinzu kommt ein spezielles Investor-Targeting-Programm, um einzelne Scale-Unternehmen im Rahmen internationaler Investorenveranstaltungen gezielt mit Investoren zusammenzubringen.

Im Markt verbreitete anfängliche Bedenken, dass die für das Segment geltenden besonderen Einbeziehungsanforderungen (u.a. eine voraussichtliche Marktkapitalisierung von 30 Mio. EUR zum Zeitpunkt der Handelsaufnahme) oder die im Vergleich zum früheren Entry Standard erhöhten Kosten und Verpflichtungen interessierte Emittenten fernhalten könnten, schlugen somit nicht vollständig durch. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die zunehmenden regulatorischen Anforderungen für gelistete Unternehmen Emittenten vor immer größere Herausforderungen stellen. Hier ist die insbesondere vom EU-Gesetzgeber regelmäßig angekündigte Überprüfung des aufsichtsrechtlichen Rahmens dringend geboten.

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