In Kürze findet in den USA die Präsidentenwahl statt. Aber ob wir am Vormittag des 4. November auch das Ergebnis kennen, ist ungewiss. Die Auszählung vor allem der Briefwahlunterlagen könnte sich hinziehen – und eine Hängepartie befördern. Doch vor allem die Kapitalmärkte und Investoren mögen keine Unsicherheit. Gleichzeitig stellen sich Anleger längst die Frage, auf welche Papiere sie in Hinblick auf den Wahlsieger setzen sollten? Was sind Trump-Papiere? Wo sind Biden-Aktien? Ein Kommentar von Manuel HeydenMitgründer und CEO von nextmarkets

Hinter dieser Frage steht zunächst die entsprechende Politik: Welche Branchen werden bevorzugt (Trump: Öl), welche benachteiligt (Biden: Öl), welche Effekte ergeben sich durch Steuer-, Ausgaben-, und Infrastrukturpolitik? Und wie wirkt sich Corona aus? Deutsche und europäische Aktien wiederum sind von der Handelspolitik abhängig, dort etwa von Restriktionen oder Strafzöllen, aber auch der Währungspolitik.

Bessere Atmosphäre

Unter einem US-Präsidenten Biden würde sich der Umgangston verbessern. Allerdings wird auch er seiner Nation und seinen Wählern verpflichtet sein: „America first“ würde inoffiziell fortgesetzt. Auch Biden würde die USA vor ausländischer Konkurrenz schützen. Protektionismus ist sogar noch stärker die Domäne der Demokraten. Die Steuersenkungen Trumps würde er wiederum revidieren – und damit das Investitionsklima eintrüben. Insofern unterscheidet sich zwar die Wirtschaftspolitik der „beiden Kandidaten teils fundamental“, wie es das IW formuliert. Doch ob dies für die Gesamtheit der europäischen und deutschen Firmen nennenswerte Effekte hat, kann bezweifelt werden.

Dabei sind die US-Geschäfte für deutsche Unternehmen in den drei Jahren vor Corona gut gelaufen. Trumps Steuerreform hat gerade die Investitionsbereitschaft der US-Firmen befeuert – und damit den Export deutscher Maschinen in die USA von 2016 und 2019 um fast 20%. Naturgemäß sind fast alle DAX30-Unternehmen international und entsprechend in den USA engagiert. Manche, wie Bayer oder Deutsche Telekom, mit starken US-Töchtern und/oder Megafusionen (Bayer/Monsanto; Telekom/Sprint). Sie sind daher zwar besonders von der US-Politik abhängig. Sie haben aber zumindest keine hohen Zölle oder Handelskonflikte zu befürchten, wie Hersteller von Stahl- und Aluminiumprodukten mit bis zu 352%. Die Autofirmen VW, Mercedes und BMW sind ebenfalls vor Ort mit Produktionsstätten vertreten, exportieren jedoch zusätzlich enorm. Letztere müssen sich immer wieder vor Trumps Strafzölle sorgen.

Kaum Effekte für deutsche Firmen

Unabhängig dürften sich Aktien wie Adidas oder Allianz entwickeln. Die beiden Wohnungsunternehmen Vonovia und Deutsche Wohnen sind gar ausschließlich auf den europäischen Markt und da besonders Deutschland fokussiert. Etwas internationaler sind die Versorger E.ON und RWE. RWE etwa hat knapp 40% seiner Windkraft- und Solaranlagen in den USA – ein Segment, das bei einem Biden-Sieg wachsen wird. Industrie- und Chemiebetriebe wie Linde, Siemens, MTU dürften eher vom Trump-Investitionsboom profitiert haben. Tendenziell könnten es unter Biden deutsche Autobauer, Stahl- und Aluminiumhersteller leichter haben.

US-Aktien lassen sich eindeutiger zuordnen: Ein Trump-Portfolio könnte durch Rüstungsaktien übergewichtet sein, etwa Raytheon oder Boeing. Republikaner geben traditionell mehr für die Verteidigung aus. Zudem könnten Urgesteine wie Caterpillar oder GE profitieren sowie andere US-Unternehmen, die Trump gern lobt. Interessanterweise dürften die großen Tech-Unternehmen wie Amazon, Google oder Facebook eher Nutznießer einer weiteren Trump-Präsidentschaft sein. Unter den Demokraten nämlich wäre die oft geforderte Zerschlagung – wegen deren teils monopolartiger Marktmacht – wahrscheinlicher. Hingegen würde man in ein Biden-Portfolio Firmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien aufnehmen. Dazu gehören etwa Entwickler von Windparks oder Solaranlagen wie First Solar Inc. oder Brookfield Renewable Partners LP.

Manuel Heyden, nextmarkets

Schon jetzt jedoch schwanken die Kurse erheblich, was nach der Wahl zunehmen dürfte, zumal bei langem Warten auf das Endergebnis. Daher ist es wichtig, sein Portfolio in puncto Risiko zu bewerten und abzusichern.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)