Es bleibt nebulös in Sachen Vorstandsvergütungen bei Deutschlands größten börsennotierten Unternehmen: Rund die Hälfte der im DAX engagierten Top-Investoren veröffentlichen keine oder nur unzureichende Anforderungen zur Gestaltung und Kommunikation von Vorstandsvergütungen.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen werden die entsprechenden Abstimmungsrichtlinien, auch Proxy Guidelines genannt, häufig selbst Mindestansprüchen nicht gerecht. Dies sind die Ergebnisse eine aktuellen Studie, die der DIRK gemeinsam mit der Unternehmensberatung hkp group und der Universität Göttingen erhoben hat.

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Abbildung 1: Entwicklung des durch-schnittlichen Say-on-Pay in DAX- Unternehmen 2010-2018, Quelle: hkp/// group Analysen
Entwicklung des durchschnittlichen Say-on-Pay in DAX-Unternehmen 2010-2018, Quelle: hkp/// group Analysen

Die Krux an der Sache: Die Studienergebnisse stehen im Kontrast zu der in den letzten Jahren massiv erhöhten Kritik von Investoren und Stimmrechtsberatern an der Vorstandsvergütung börsennotierter Unternehmen in Deutschland. Im deutlichen Gegensatz zu den gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben bleiben die Anforderungen von Investoren an die Vorstandsvergütung allerdings weitgehend nebulös. Laut Studie mangelt es 70% der Abstimmungsrichtlinien an konkreten, detaillierten und handlungsleitenden Angaben zur Ausgestaltung von Vorstandsvergütung.

Wird Vorstandsvergütung zur Lotterie?

Folglich können börsennotierte Unternehmen sich oftmals nur schwer auf die Wünsche und Anforderungen von Investoren einstellen – fehlt es doch mehrheitlich an hinreichend detaillierten, konsistenten und verständlichen Abstimmungsrichtlinien zur Ausgestaltung von Vergütungssystemen.

„Machen Investoren ihre Anforderungen nur unzureichend transparent und wollen diese dennoch gegenüber Unternehmen durchsetzen, wird die Gestaltung von Vorstandsvergütung zur Lotterie – mit einer im schlechtesten Fall unerfreulichen öffentlichen Auseinandersetzung auf der Hauptversammlung“, betont DIRK-Geschäftsführer Kay Bommer.

Äußerst kritisch dürfte es in dem Zusammenhang ab Juni 2019 werden: Dann tritt die europäische Aktionärsrichtlinie (ARUG II)  in Kraft und wird die  Machtverhältnisse in deutschen Aktiengesellschaften in Sachen Vorstandsvergütung hin zu Investoren und zur Hauptversammlung verschieben. Die Studie zeigt deutlich, dass das Gros der Investoren darauf nicht vorbereitet ist.

Als professionell bezeichnet die Studie die Vorgaben des US-Pensionsfonds CALPers: Diese seien nicht nur in puncto Transparenz und Kommunikation vorbildlich, sondern würden zudem eine detaillierte und verständliche Anleitung, wie Vorstandsvergütungssysteme sowie deren Ausweis gestaltet sein sollten, bieten. Von den deutschen Investoren erzielten DWS und Allianz Global Investors die besten Bewertungen.

Aus Sicht der Studienautoren sind es einige wenige und einfache Vorgaben, die die Leitplanken verantwortlichen Investierens in Deutschland ausmachen sollten:

› Investoren sollen ihre Abstimmungsrichtlinien öffentlich machen. Dies ermöglicht überhaupt erst die Beurteilung durch Geldgeber hinsichtlich verantwortlichen Investierens und verhindert erpresserische Willkür im Stimmverhalten den Unternehmen gegenüber.
›Investoren sollen ihre Regeln für den Austausch mit Unternehmen definieren (Rules of Engagement) und transparent machen sowie eine Ansprechperson zur Kontaktaufnahme benennen.
› Darüber hinaus sollen Investoren ihre Abstimmungen öffentlich machen.

Zur vollständigen Studie geht’s hier.

 

 

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