Als Garant für ein professionelles Emissionsmanagement steht die UBS Investment Bank als Lead-Manager der Gesellschaft zur Seite. Paion zählt zu den wenigen deutschen Biotechs, die von Anfang an durch ein erfahrenes Pharmamanagement geprägt wurden. Positive, klinische Daten des Lead-Produkts zusammen mit einer nicht weniger erfolgreichen Lizenzierungsstrategie sollen nun die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Erstnotiz bilden, die für den 10. Februar geplant ist. Die Bookbuilding-Spanne liegt bei 11 bis 14 Euro.

Emissionsstruktur
Plaziert werden bis zu 5 Mio. Aktien, die allesamt aus einer Kapitalerhöhung stammen. Zudem steht ein Greenshoe von bis zu 0,75 Mio. Aktien zur Verfügung, die im Falle einer Ausübung ebenfalls dem Unternehmen zufließen. Altaktionäre geben beim IPO keine Aktien ab. Bei voller Ausübung des Greenshoe beträgt der Free Float 36,5 %. Zum Konsortium gehören neben UBS (als Lead Manager) auch Dresdner Kleinwort Wasserstein und die Landesbank Baden-Württemberg. Die Sparkasse Aachen ist Selling Agent. Die WKN von Paion lautet: A0B65S, ISIN: DE000A0B65S3.

Unternehmenshintergrund
Die Trennung Scherings von der Desmoteplase-Forschung (DSPA) – benannt nach der Speicheldrüse der südamerikanischen Vampirfledermaus (Desmodus rotundus) – ermöglichte im Jahr 2000 im Zusammenspiel mit Venture Capital die Gründung der Paion. Im Focus der Aktivitäten der heute 50 Mitarbeiter zählenden Gesellschaft stehen innovative Therapeutika zur Behandlung von Schlaganfall und anderer thrombotischer Erkrankungen. Im Rahmen der Transaktion konnten auch die Rechte an zwei Wirkstoffen der Raubwanze Triatoma pallidipennis, Pallidipin und Triabin, erworben werden. Die Initiative hierfür geht auf den heutigen CEO Dr. Manfred Söhngen, seine Frau Dr. Mariola Söhngen und Dr. Wolf-Dieter Schleuning (ehem. Leiter des Instituts für Zell- und Molekularbiologie bei Schering) zurück. Zu den Kernkompetenzen von Paion zählen daher auch die klinische Entwicklung und internationale Arzneimittelzulassung.

Dritthäufigste Todesursache: Schlaganfall
Schlaganfall ist in Europa und den USA die dritthäufigste Todesursache direkt nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Parallel dazu sind die Behandlungsmöglichkeiten von akutem Schlaganfall und seinen schwerwiegenden Folgeerscheinungen bis zum heutigen Tage nur sehr unbefriedigend. Das Lead-Produkt von Paion, DSPA, verfügt aufgrund dessen über „Blockbusterpotential“. Das einzige am Markt verfüg­bare Medikament, das gentechnisch hergestellte menschliche Enzym t-PA, muß binnen drei Stunden nach Auftreten verabreicht werden. Somit ist die Anzahl der Betroffenen, die von der schnellen und sicheren Auflösung des Gerinnsels und der wieder einsetzenden Durchblutung des betroffenen Gehirnareals profitieren könnten, stark eingeschränkt.

Für DSPA konnten im Februar 2004 positive Ergebnisse einer Phase II-Studie (DIAS – Desmoteplase in Acute Ischaemic Stroke) belegen, daß Schlaganfallpatienten bis zu neun Stunden nach Einsetzen der Symptome geholfen werden kann. Der entscheidende Vorteil des Medikamentenkandidaten ist in der hohen Fibrins­pezifizität zu vermuten, wodurch Blutgerinnsel ohne Beeinträchtigung des Blutgerinnungssystems lokal aufgelöst werden können. Das Risiko von intrakraniellen Blutungen (ein typisches Begleitrisiko bei Gabe von blutgerinnsellösenden Mitteln) kann dadurch im Vergleich zu weniger fibrinspezifischen Präparaten reduziert werden. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA erteilte Mitte Juni 2004 daraufhin den Fast-Track-Status, wodurch die Voraussetzung geschaffen wurde, bereits 2007 einen Zulassungsantrag vorzulegen. Dieser Erfolg blieb auch bei der Pharma-Industrie nicht unbeachtet. Im Juli 2004 erwarb die US-amerikanische Forest Laboratories, Inc. die US-Vertriebsrechte für DSPA für eine Front-up-Zahlung von 22 Mio. US-$ zuzüglich erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen von bis zu 47,5 Mio. US-$ sowie einer Umsatzbeteiligung. Die Vereinbarung sichert die Entwicklung von DSPA bis zur Zulassung.

Weitere Produkte in der Pipeline
Neben DSPA, das u.a. auch noch auf seine Wirksamkeit bei Lungenembolien getestet wird, konnte Paion eine vielversprechende Entwicklungspipeline zur Behandlung von Schlaganfall und anderen thrombotischen Erkrankungen aufbauen. Jüngst ergänzte Paion das Portfolio um das Neuroprotektivum Enecadin durch den Erwerb einer Lizenz zur weltweiten Entwicklung und Vermarktung von Nippon Shinyaku. Darüber hinaus befindet sich ein weiterer gerinnungshemmender Stoff, Solulin, zur Behandlung von thrombotischen Erkrankungen in der späten Präklinik, der bereits 2005 in einer­ klinischen Phase II getestet und später in der Schlaganfalltherapie in Kombination mit DSPA zum Einsatz kommen soll.

Unternehmensbewertung
Aufgrund der Unternehmensgröße sehen wir Biotech-Unternehmen mit Focus auf die Entwicklung innovativer Therapien gegen Schlaganfall und thrombotische Erkrankungen mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 300 Mio. Euro als relevante Vergleichsgruppe an. Eine mögliche Peer Group könnte sich daher aus den US-Unternehmen Pharmos Corp., Renovis, Curis, Corgentech, Guilford Pharmaceuticals sowie Indevus Pharmaceuticals zusammensetzen. Diese Unternehmen kommen auf Kurs-/Umsatz-Verhältnisse zwischen 4 (Guilford) und 53 (Renovis). Paion hätte am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne ein geschätztes 2005er KUV von 10 bis 11, liegt allerdings in Bezug auf die Zulassungsrealisierung seines Hauptwirkstoffs einen Schritt hinter den Bemühungen der vorgenannten Peer Group-Unternehmen.

Emissionsparameter Paion

WKN A0B 65S
Zeichnungsfrist 25.1. bis 7.2.
Erstnotiz 10.2.2005
BB-Spanne 11 bis 14 Euro
Em.volumen 63,25 bis max. 80,50 Mio. Euro
Konsortium UBS (Lead), DKW, LBBW, SK Aachen
Free Float max. 36,5 %


Fazit:
Mit einem Mittelzufluß von 63 bis maximal 80 Mio. Euro (inkl. Greenshoe) wird Paion zum Start mit einer Marktkapitalisierung von 172 bis 220 Mio. Euro bewertet. Für spekulative Investoren, die mit den besonderen Risiken von Biotechnologie-Investments vertraut sind – so ist das Erreichen der Profitabilität nicht vor 2008 oder 2009 zu erwarten –, erscheint das Pricing attraktiv. Die Equity Story könnte jedenfalls den richtigen Biß am Puls der Investoren haben.

Ausführliche Informationen zum Unternehmen sowie ein Interview mit dem CEO Dr. Wolfgang Söhngen sind auch im GoingPublic Magazin 2/2005 zu finden, das am 29.01.2005 erschienen ist.

 

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