Die Medikura Digital Health GmbH hat eine hohe sechsstellige Summe von Privatinvestoren eingesammelt und erhält zusätzlich Fördergelder der Europäischen Union für die Weiterentwicklung des Online-Services Nebenwirkungen.de. Partner wie die Krankenkasse IKK BB sorgen für die Verbreitung des Services.

Nebenwirkungen von Arzneimitteln sind ein gesellschaftliches Problem. Denn bislang werden pro Jahr nur rund 28.000 Fälle von Nebenwirkungen in Deutschland gemeldet, geschätzt leiden jedoch sechs Mio. Menschen darunter. Durch diese Diskrepanz werden die Unverträglichkeiten häufig gar nicht oder mit zu wenigen belastbaren Daten erfasst. Bei jedem dritten Medikament werden sogar noch bis zu zwölf Jahre nach Marktzulassung schwerwiegende Nebenwirkungen aufgedeckt.

Da die Meldung von Nebenwirkungen einen wichtigen Bestandteil der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) darstellt, hat die Medikura Digital Health GmbH in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkreisen, Patientenorganisationen und Vertretern der Pharmaindustrie ein Meldesystem für Nebenwirkungen entwickelt. Über die Online-Plattform sowie Gesundheit-Apps können Arzneimittelunverträglichkeiten durch den Patienten erfasst und von seinem Arzt oder Apotheker überprüft werden.

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Förderung im Rahmen des Horizon-2020-Programms

Für die Lösung haben die Geschäftsführer Dr. Friderike Bruchmann und Dr. Philipp Nägelein nun eine Finanzierung im hohen sechsstelligen Bereich von Privatinvestoren erhalten. Darüber hinaus wird Medikura durch die Europäische Union im Rahmen des Horizon-2020-Programms sowie durch die Bundesregierung und den Freistaat Bayern finanziell gefördert. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer eigenen Benutzeroberfläche für Ärzte und Apotheker, die ab Mitte Dezember 2018 auf Nebenwirkungen.de zur Verfügung steht.

Neues Meldesystem für Ärzte und Apotheker

Medikura verfolgt das Ziel, mit Nebenwirkungen.de eine reibungslose, digitale und sichere Kommunikation zwischen Arzneimittelherstellern, Ärzten, Apothekern und Patienten zu ermöglichen, um die Arzneimittelsicherheit zu verbessern. Um sich weiter im Gesundheitssystem zu etablieren, setzt Medikura außerdem auf Kooperationen mit Krankenkassen, Gesundheitsplattformen und Patientenorganisationen. Die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin (IKK BB) zum Beispiel ist einer der ersten Gesundheitspartner, welche den Meldeservice von Nebenwirkungen.de ihren Kunden zur Verfügung stellen. Der Online-Service für Nebenwirkungen wird von der Krankenkasse auf deren Webauftritt zugänglich gemacht. Geplant ist auch die Einbindung in die IKK BB-App für Versicherte, denn neben Medikationsplan und Wechselwirkungschecker ist die Meldung von Nebenwirkungen ein bedeutender Grundpfeiler für eine funktionierende AMTS. Weitere Kooperationen mit Partnern aus den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens sind in Planung.

Zuspruch durch Privatinvestoren und Politik

Die Idee für einen digitalen Meldeprozess von Nebenwirkungen kam Gründerin Bruchmann, als sie selbst unter starken Nebenwirkungen eines Antibiotikums litt und den Meldeprozess als kompliziert, analog und langwierig empfand. Nach einem Jahr intensiver Marktrecherche trieb sie zusammen mit Tobias Nendel und Philipp Nägelein das Konzept für die Plattform voran. Bereits Ende 2017 erhielten sie dafür eine Förderung durch die Bundesregierung und den Europäischen Sozialfonds. Neben der erfolgreich abgeschlossenen Finanzierungsrunde mit privaten Investoren, konnte sich Medikura beim Horizon-2020-Programm der Europäischen Union durchsetzen, bei dem in der ersten Phase nur 13 andere Unternehmen aus Deutschland aufgenommen wurden. Kurz zuvor wurden sie mit dem Gründerpreis des Bundeswirtschaftsministeriums sowie dem Bayerischen Innovationspreis Gesundheitstelematik ausgezeichnet.

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