Der Gesundheitssektor basiert noch immer stark auf einheitlichen Ansätzen; eine individuelle, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Versorgung findet selten statt. Temedica, ein Münchner Digital-Health-Unternehmen, will das mit dem ­Einsatz hochmoderner Patienten-Apps in Kombination mit neuartiger Datenanalyse ändern. Von Elizabeth Jacyshyn-Owen

Seit 2016 entwickelt Temedica digitale Gesundheits-Apps. Diese Anwendun­gen unterstützen Patienten in ihrem Alltag und erheben dadurch Real-World-Daten über individuelle Krankheitsverläufe, Therapieerfolge und Einflussfaktoren. All diese Daten werden – das Patienteneinverständnis vorausgesetzt – anonymisiert und anschließend mit unterschiedlichsten anderen Informationen und Daten kombiniert. Dadurch generiert Temedica Erkennt­nisse, die es bisher so im Markt noch nicht gab. Von diesem neuen Wissen profitieren nicht nur die App-Nutzer selbst, sondern auch Pharma- und Biotechunternehmen, beispielsweise bei der Entwicklung von Therapien.

Individuelle Begleitung für chronische und schwer kranke Patienten

Auf Basis seiner App-Plattform hat Temedica in den vergangenen Jahren eine Reihe von Patienten-Apps für unterschiedliche Erkrankungsbereiche, wie Multiple Sklerose, Morbus Bechterew und Psoriasis, entwickelt. Durch die Nutzung der Apps lernen Patienten, im Alltag besser mit ihrer ­Erkrankung umzugehen, und erhalten Strategien, die ihnen helfen, ihre Symptome besser zu verstehen und zu bewältigen. ­Indem Patienten regelmäßig über Fragebögen ihren Gesundheitszustand erfassen und ihre Wearables anbinden, erhalten sie wertvolle Analysen über ihren Krankheitsverlauf und dessen relevante Einfluss­faktoren. Für diese Analysen hat Temedica kürzlich die Datenanalyseplattform Permea neu eingeführt.

Permea verknüpft Daten und Patientenerfahrungen zu neuen Erkenntnissen

Der Gesundheitssektor ist heute stellenweise nur unzureichend an realen Patienten­erfahrungen ausgerichtet. Wenn Pharma­unternehmen wissen, welche Erfahrungen Patienten mit bestimmten Therapien ­machen, können sie diese Erkenntnisse für Verbesserungen in Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung nutzen.

Bei Permea handelt es sich um eine Plattform, die unterschiedliche Daten­typen und -arten zusammenfügt und intelligent miteinander verknüpft. Damit ­ermöglicht sie wissenschaftlich fundierte Analysen und Erkenntnisse zu unterschiedlichen Fragestellungen im Gesundheitsmarkt. Permea zeichnet sich durch die erstmalige Kombination von patientengenerierten Real-World-Daten mit einer Vielzahl von unterschiedlichen wissenschaftlichen und kommerziellen Datenquellen aus. So kann Permea neue ­Erkenntnisse über Therapien und deren Auswirkungen unter realen Bedingungen liefern. Forschungs- und Entwicklungs­teams in Pharma-, Biotech- und Medizintechnikunternehmen können dadurch ihre klinischen Studien besser planen, Market-Access-Fragestellungen durch die Real-World Daten besser unterstützt sowie Marketing- und Kommunikationsstrategien an die echten Bedürfnisse der Ärzte und ihrer Patienten angepasst werden.

Verantwortungsvolle Datenanalyse als Chance

In unserer digitalisierten Welt existiert durch unser Verhalten ohnehin bereits eine Fülle an Gesundheitsdaten. Diese zu ignorieren hieße, die einmalige Chance ungenutzt zu lassen, das Leben unzähliger Menschen mit schweren Erkrankungen und begrenzten Behandlungsoptionen signifikant zu verbessern – denn Daten sind die Grundlage für medizinischen Fortschritt. Der Anspruch, passende Therapien für Patienten zu entwickeln, kann aber nur dann erfüllt werden, wenn die Datenbasis ausreichend groß ist, die einbezogenen Daten in hoher Qualität vorliegen und die Datensicherheit wie auch der Schutz der Patientendaten gewährleistet werden.

Permea ist so konzipiert, dass sie nicht nur auf selbstgenerierte Daten von Temedica zurückgreift, sondern zudem eine Vielzahl weiterer Datenquellen einbezieht und die Datenpunkte mithilfe innovativer Technologien untereinander verknüpft. Damit die Erkenntnisse aus Permea auch im Kontext von Studienplanung und ­Market Access eingesetzt werden können, validiert das Unternehmen kontinuierlich die Art und Weise der Datenerhebung ­sowie die Datenqualität mithilfe eigener wissenschaftlicher Studien. Zur Erfüllung des Datenschutzes sind zudem alle Daten, die in Permea genutzt werden, vollständig anonymisiert. Es ist dadurch technisch unmöglich, aus den Erkenntnissen, die Permea liefert, Rückschlüsse auf einzelne Patienten zu ziehen.

Fazit

Mit seinem Ansatz möchte Temedica weg davon, personalisierte Medizin ausschließlich in einem Eins-zu-eins-Verhältnis mit dem Patienten umzusetzen, und vielmehr individuelle Patientenversorgung in einem skalierenden System ermöglichen. So fungiert die Unternehmensvision ­„Crafting the future of personal health“ als Kompass für alle Aktivitäten.

Autor/Autorin

Elizabeth Jacyshyn-Owen
Content Writer at Temedica

Elizabeth Jacyshyn-Owen ist Übersetzerin, Autorin und Redakteurin mit Fokus auf Medizinthemen. Seit Mai 2021 ist sie Content Writer bei Temedica, wo sie Datenanalyse als zentrales Instrument zur Gewinnung neuer Erkenntnisse positioniert.