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Er habe mit Bayer noch viel vor, so äußerste sich jüngst Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. Darauf darf man gespannt sein, ist Bayer unter der Führung des Niederländers doch zum wertvollsten deutschen Konzern überhaupt gereift. In zwei Jahren wird Dekkers sein Amt abgeben. Doch mit der Abtrennung der Chemie-Sparte von der „Innovationsperspektive Life Sciences“ ließ er seinen Worten rasche Taten folgen.

Dr. Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Dr. Marijn Dekkers, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

Was für konservative Beobachter wie eine Revolution anmutet, ist für Marijn Dekkers ein logischer Schritt. Keineswegs ging es darum, bewusst mit bewährten Traditionen zu brechen. Die Abspaltung der Chemie-Sparte (MaterialScience) erfolgte vielmehr aus rationellen Gründen. So haben sich die beiden anderen Teilkonzerne HealthCare und CropScience (Agrarwirtschaft) in den vergangenen Jahren außerordentlich gut entwickelt und besitzen nunmehr einen ähnlichen hohen Investitionsbedarf wie das traditionelle Chemie-Segment von Bayer. Um sich folglich die Zugänge zum Kapitalmarkt nicht gegenseitig zu versperren, entschied man sich für die Ausgliederung der MaterialScience. Aktuell ist geplant, den Konzernteil „Chemie“ bis Mitte 2016 an die Börse zu bringen.

F&E-Ausgaben sollen weiter steigen

In Zukunft will sich Bayer noch stärker um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze kümmern. Die Verantwortlichen sind sich bewusst, dass dies ein Mehr an Innovationen und Forschungsausgaben braucht. Das betrifft bei weitem nicht nur den Pharmabereich, sondern beispielsweise auch das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutz. Aktuell liegt das Budget für Forschung und Entwicklung in den Life-Science-Geschäften im laufenden Jahr bei 3,2 Mrd. EUR. Davon entfallen ca. 70% auf das Gesundheitsgeschäft (HealthCare) und rund 30% auf das Agrargeschäft (CropScience). Es wird damit gerechnet, dass in den kommenden Jahren die Investitionen in Forschung und Entwicklung im Verhältnis zum Umsatz insgesamt weiter steigen werden. Aktuell beschäftigt Bayer mehr als 13.000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung, davon 61% bei HealthCare und 39% bei CropScience. Seit 2010 hat der Konzern im Pharma-Bereich 25 erfolgreiche Studien der klinischen Phase III vorzuweisen, und zwischen den Jahren 2000 und 2013 bei CropScience 30 neue Wirkstoffe auf den Markt gebracht. Allein im vergangenen Jahr meldete Bayer knapp 500 Patente in den Life-Science-Bereichen an. Die Entwicklung neuer Produkte ist entscheidend für den Erfolg im Life-Science-Geschäft, so das Credo des Konzerns. Parallel wird weiterhin dahingehend investiert, die innovativen Produkte erfolgreich zu vermarkten und Marktanteile zu gewinnen. Denn unbestritten ist Bayer eines der am schnellsten wachsenden globalen Unternehmen im Pharma-Geschäft mit führenden Positionen in Schlüsselindikationen.

Prall gefüllte Pharma-Pipeline

Schon lässt eine Reihe von Pharmaprodukten aufhorchen. Etwa der Gerinnungshemmer Xarelto, der in der Lage sein soll zwei von drei Schlaganfällen zu verhindern im Vergleich zu Patienten, die keine Gerinnungshemmer einnehmen. Zu den neuen Therapien, die mit Bayer-Produkten möglich sind, gehört auch die Verbesserung der nachlassenden Sehkraft infolge einiger Augenerkrankungen, die Hemmung des Tumorwachstums bei bestimmten Krebserkrankungen oder die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit bestimmten Lungenerkrankungen. Im Rahmen der Präsentation der „Innovationsperspektive Life Science“ verwies Bayer-Vorstand Dekkers auf fünf Produkte, mit einem jährlichen Spitzenumsatzpotenzial von rund 7,5 Mrd. EUR. Überhaupt ist die Pharma-Pipeline von Bayer derzeit gut gefüllt. So befinden sich laut Konzernangaben 20 Projekte in der klinischen Phase I, 19 in Phase II und 18 in Phase III. Unter diesen Projekten seien fünf neue, vielversprechende Wirkstoffkandidaten, die bis 2015 entscheidungsreif für den Übergang in die Phase III sein sollen. Drei dieser Projekte fallen in die Therapiegebiete Kardiologie und Hämatologie und sollen die Behandlungsoptionen für renale Anämie sowie für Herzerkrankungen verbessern. Ein weiteres Projekt aus der Onkologie zeige eine vielversprechende Wirkung bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom. In der Gynäkologie erwartet Bayer darüber hinaus eine neue Behandlungsmöglichkeit für symptomatische Gebärmuttermyome.

Zweites Standbein Agrarwirtschaft

Ähnlich erfolgreich verhält es sich im Agrarbereich: Hier steht die Sparte CropScience im Pflanzenschutz weltweit auf Platz zwei. Das Saatgutgeschäft liegt derzeit auf Rang sieben und soll künftig weiter ausgebaut werden. Vor dem Hintergrund einer ständig wachsenden Weltbevölkerung setzt Bayer auf neue und bessere Methoden, um landwirtschaftliche Erträge zu steigern und in der Zukunft eine adäquate Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. So ermöglicht das Fungizid Luna eine sichere Bekämpfung von Pilzinfektionen bei verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, zum Beispiel Mehltau und Lagerfäule. Und Adengo, ein Herbizid für Mais, bekämpft zahlreiche Gräser und Unkräuter. Folglich sollen in den kommenden Jahren auch die Forschungs- und Entwicklungspipelines der Bereiche „Crop Protection“ und „Seeds & Traits“ weitere Marktinnovationen hervorbringen. Abhängig von den behördlichen Zulassungen nennt Bayer ein jährliches Spitzenumsatzpotenzial von insgesamt mindestens 4 Mrd. EUR für Produkte mit Markteinführung zwischen 2011 und 2016.

Innovationsgrundlagen schaffen

Ein wichtiger Baustein der Bayer-Innovationsaktivitäten sind externe Partnerschaften mit Instituten, Universitäten und Start-ups. Aktuell bestehen rund 850 Kooperationen bei HealthCare- und CropScience-Projekten. Generell sollen neue strategische Venture-Capital-Investitionen den Zugang zu Start-ups und zukunftsweisenden Technologien fördern. Durch eine Investition in den Healthcare-Fonds Versant Ventures beteiligt sich Bayer HealthCare an richtungsweisenden Biopharmazeutika, Medizinprodukten und anderen jungen Unternehmen aus dem Life-Science-Bereich. Zudem engagiert sich die Bayer-Sparte beim deutschen Hightech Gründerfonds II zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, der KfW-Bankengruppe und anderen Unternehmen an der Finanzierung vielversprechender junger Start-ups in den Bereichen Life Sciences und Healthcare.

Fazit

Längst ist Bayer das wertvollste Unternehmen im Leitindex DAX. Seit 2012 hat sich der Aktienwert mehr als verdoppelt. Die Bekanntgabe der Trennung von der Chemie-Sparte sorgte für weitere Kurssprünge. Aktuell tendiert die Aktie um 120 EUR, doch werden gemeinhin auch Kursziele von 135 EUR genannt. Experten gehen davon aus, dass die Marktkapitalisierung von Bayer die magische 100-Milliarden-Euro-Hürde demnächst reißen wird. Noch immer empfiehlt die Mehrheit der Börsenanalysten die Bayer-Aktie zum Kauf. Die Trennung von der traditionellen Chemie-Sparte dürfte sich schon bald als wichtiger Schritt nach vorne erweisen. Künftig wird sich Bayer ganz auf das Life Science-Geschäft konzentrieren – mit einem eindeutigen Bekenntnis für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, der konsequenten Pflege strategischer Kooperationen und Partnerschaften und schließlich der Bereitschaft, innovative Start-ups auch mit Risikokapital zu unterstützen. Die Saat scheint aufzugehen.

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