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Dämmstoffe jenseits der Glasfaserwolle
Bekannt geworden ist der Börsenaspirant durch sein „umweltfreundliches Dämmsystem aus natürlichen Holzfasern“. Mit ihm ist die Steico-Gruppe, die inzwischen über 800 Mitarbeiter beschäftigt, in den vergangenen Jahren zu Europas größtem Dämmplattenhersteller aufgestiegen. Der Hauptsitz und der technische Vertrieb sind in Feldkirchen bei München angesiedelt, während die gesamte Produktion in Polen erfolgt. Ein weiterer Vertriebsstandort wurde 2006 in England gegründet. Durch die Kombination von Dämmstoffen mit selbst produzierten Stegträgern, also tragenden Bauteilen, die optisch klassischen Doppel-T-Trägern ähneln, gelang dem Unternehmen im vergangenen Jahr zudem der Schritt zum Systemanbieter.

 

Nachhaltigkeit schafft Shareholder Value
Als erster Holzfaserdämmplattenproduzent überhaupt wurde Steico für die gesamte Produktpalette „FCS“ und „natureplus“ zertifiziert. FSC (Forest Stewardship Council) steht für den Erhalt naturnah bewirtschafteter Wälder, die eine nachhaltige und umweltorientierte Nutzung des Holzes gewährleisten. Natureplus fördert den Umwelt- und Gesundheitsschutz im Bauwesen und bescheinigt zertifizierten Produkten einen außerordentlich hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen sowie geringen Energieverbrauch und Emissionsarmut in der Herstellung. Für jeden verkauften Kubikmeter Hanfdämmstoff spendet das Unternehmen 1,50 Euro an den World Wide Fund For Nature (WWF). Ließen sich von derartigen Aspekten noch vor wenigen Jahren nur ausgewiesene Ökofans beeindrucken, rückt der Nachhaltigkeitsaspekt neuerdings auch immer stärker in den Blickpunkt der Aktionäre. Ablesen lässt sich dies unter anderem an der Kursentwicklung des DJ EuroStoxx Sustainability Index, der den EuroStoxx-50 zuletzt deutlich outperformt hat.

 

Mittelaufnahme zur Wachstumsfinanzierung
Die seit langem profitabel arbeitende Steico konnte in den vergangenen Jahren durchgängig mit Wachstumsraten oberhalb von 10 % glänzen. Allein 2006 ist der Umsatz von zuvor 70,2 Mio. Euro um über 20 % gesteigert worden. Zur weiteren Forcierung des Unternehmenswachstums will sich die Gesellschaft, deren Anteile pre-IPO noch vollständig beim Vorstandsvorsitzenden Udo Schramek liegen, einem breiten Aktionärspublikum öffnen. Auf Basis der Bookbuilding-Spanne von 14,50 bis 17,50 Euro ergibt sich ein Erlös von maximal 73,5 Mio. Euro, wobei dieser gesamtumfänglich dem Unternehmen zufließt. Selbst der Greenshoe – was relativ selten ist – wird aus einer Kapitalerhöhung zur Verfügung gestellt.

Geschäftszahlen Steico

2006

2007e

2008e

2009e

Umsatz*

86,1

110,0

150,0

200,0

Nettoergebnis*

4,8

7,2

11,0

15,5

EpS

0,37

0,56

0,86

1,21

KGV min.**

38,7

25,8

16,9

12,0

KGV max.**

46,7

31,1

20,4

14,5

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research
**) auf Basis der Bookbuilding-Spanne


Peer Group und Bewertung
In der von Steico besetzten Nische gibt es nicht überreichlich viele Unternehmen, einige davon auch nicht einmal börsennotiert. Unter Einschränkungen bieten sich Pfleiderer, Centrotec (beide Deutschland), Rockwool (Dänemark) und Kingspan (Irland) an. Hier ergeben sich EV/EBITDA-Ratios von durchschnittlich 8,8 auf 2008er und 7,8 auf 2009er Basis. Steico läge (in der Mitte der Preisspanne) auf 2008er bei 7,3 und auf 2009er Basis bei 5,6, weil hier die mit beim Börsengang eingenommenen Finanzmittel das Wachstum von Steico beschleunigen. Geplant sind der Ausbau des Vertriebs, neue Produktionsstandorte sowie sinnvolle Zukäufe – wo für einen Marktführer möglich. Selbst am oberen Ende der Spanne käme Steico auf einen Wert von 6,2, womit ein Discount zur Peer Group klar gegeben ist. Eine höhere Kapazitätsauslastung benötigt das Unternehmen allerdings auch, um entsprechende Margen zu realisieren. Sollte die Nachfrage aufgrund konjunktureller Schwankungen unerwartet stark zurückgehen, wären die angepeilten EBIT(DA)-Ziele nicht mehr realisierbar. Nicht zu vergessen auch, dass Steico gegenüber den Preisen für Rohmaterialien entsprechend exponiert ist. Holz allein summiert sich auf über 30 % der Materialkosten, weitere 30 % steuern Energiekosten bei. Aufgrund eines Biomasse-Kraftwerks könnte Steico ab 2008 aufwärts signifikant auf der Energieseite Kosten einsparen – dies ist ein klarer Margentreiber. Rund 30 % der Erträge sollen künftig als Dividende ausgeschüttet werden.

 

Fazit
War Steico bisher insbesondere ökologisch und gesundheitsbewussten Bauherren ein Begriff, wird sich dies mit dem geplanten Börsengang ändern. Dies gilt umso mehr, als sich nachhaltige Investments bei Anlegern kontinuierlich wachsender Beliebtheit erfreuen. Aufgrund der technologischen Führerschaft von Steico – 35 % Marktanteil innerhalb Europas – bei einem zukunftsträchtigen Umweltthema und gleichzeitig passabler Bewertung raten wir zur Zeichnung bis 16 Euro. Dies sollte eine haltbare Ausgangsbasis für künftige Kursavancen bilden.

Dr. Martin Ahlers, Falko Bozicevic

 

Steico – Emissionsparameter
WKN

A0L R93

Erstnotiz

25.6.

Zeichnungsfrist

bis 22.6.

Bookbuildingspanne

14,50 bis 17,50 Euro

MarketCap

185,6 bis 224,1 Mio. Euro

Marktsegment

Open Market (Entry Standard)

Emissionsvolumen

3,65 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,

zzgl. 0,55 Mio. Aktien Greenshoe (aus KE)

Emissionsvolumen 60,9 bis 73,5 Mio. Euro

Konsortium

HSCB, Baader Wertpapierhandelsbank

Free Float

max. 28,5%

Internet

www.steico.de