Das Unternehmen
Das 1995 vom Vorstandsvorsitzenden Heinz Roth noch unter dem Namen AZS Datentechnik
gegründete Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt soft- und hardwarebasierte Systeme für die sensiblen Bereiche der Zeiterfassung, Sicherheitstechnik und der Zutrittskontrolle. Der Schwerpunkt liegt dabei auf letzterem. Mit Ausnahme des weltweiten Einkaufs bestimmter Grundkomponenten zeichnen die mittlerweile über 230 Beschäftigten für alle Schritte der Produktion und Entwicklung verantwortlich. Im Segment der Zeiterfassung stellt primion mit dem Programm „Visual Time“ seinen Kunden die Möglichkeit zur Verfügung, per Internetbrowser die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter einzusehen und zu verwalten. Diese können wiederum über eine vertraute Browseroberfläche ihren Urlaub beantragen oder den Stand ihrer geleisteten Überstunden einsehen. Im zentralen Geschäftsfeld der Zutrittskontrolle bieten die Schwaben neben den entsprechenden Terminals eine vergleichbare leicht zu bedienende webbasierte Applikation mit dem Namen „Visual Access“ an. Gerade bei den Zutrittskontrollsystemen verlief die Entwicklung in den letzten Jahren rasant. Neue mechatronische und biometrische Verfahren müssen fortlaufend in bestehende Systeme integriert werden. So werden beispielsweise die kostengünstige Installation von elektronischen Beschlägen und der spätere Zugang mittels wiederbeschreibbarer Smartcards sehr stark nachgefragt.

Zum Kundenkreis von primion gehören u.a. Deutsche Telekom, für die primion bereits seit 1997 Projekte im Volumen von über 20 Mio. Euro realisiert hat, die FIFA, VW und die Bundeswehr. Für die Bundesagentur für Arbeit und ihre über 100.000 Mitarbeiter installierte primion in den vergangenen Jahren mehr als 2.500 Leser für Zeiterfassung und Zugangskontrolle.

Akquisitionen
Kurz vor dem Börsengang erwarb primion den Geschäftsbereich „Zeiterfassung und Zugangskontrolle“ der Dr. Städtler GmbH (Kaufvertrag vom 29.11.2005 mit Wirkung zum 01.10.2005) sowie die spanische Digitek (Kaufvertrag vom 16.12.2005 mit Wirkung zum 19.12.2005). Beide Gesellschaften zusammen erwirtschafteten bei Umsätzen von rund 13 Mio. Euro ein EBIT von 1 Mio. Euro. Wie das Unternehmen bekanntgab, sei damit der Übergang vom mittelständisch geprägten Betrieb zu einem wichtigen Anbieter auf dem europäischen Markt vollzogen worden. Die zufließenden Mittel aus dem IPO sollen größtenteils in das weitere Wachstum investiert werden.
 
Transaktionsstruktur
Bei der Transaktion fällt in erster Linie die hohe Abgabe von Altaktionären, insbesondere des CEO Heinz Roth auf. Dieser hält vor dem Börsengang direkt 3,41 % sowie die primion Verwaltungsgesellschaft GbR (primion GbR) 94,9 % an der primion Technology AG. Größter Gesellschafter der primion GbR ist mittelbar (über eine GmbH) sowie unmittelbar wiederum Heinz Roth. Durchgerechnet hält dieser vor dem Börsengang 66,19 % an der AG. Beim IPO verkauft die primion GbR ca. 1,35 Mio. Aktien und CEO Roth nochmals knapp 50.000 Aktien.

Bewertung
Konsortialführer equinet errechnet auf Basis einer Multiple-Vergleichs sowie einer DCF-Bewertung einen Fair Value von 77 bis 90 Mio. Euro. Mit einer Emissionsbewertung von 74,9 bis 80,5 Mio. Euro kann aus unserer Sicht kaum von einem IPO-Discount gesprochen werden. Als Peer Group definiert equinet dabei Atoos Software, Agfa Record (Schweiz), Assa Abloy (Schweden), Cenit, Gunnebo (Schweden), Kaba Holding (Schweiz), Napco Security Systems (USA) und Nedap (Niederlande). Diese sind im Durchschnitt mit einem erwarteten KGV von 14,7 für 2007 bewertet, wo Primion am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne bewertet wäre.

Fazit:
Für das Unternehmen sprechen die Profitabilität und Dividendenfähigkeit, dagegen die ambitionierte Bewertung sowie die außerordentlich hohe Abgabe des CEO. Ein Investment drängt sich daher nicht auf.

Christian Schiffmacher

Primion Technology AG – Emissionsparameter
WKN: 511 700
Zeichnungsfrist: 3. bis 10. Februar
Bookbuilding-Spanne: 13,50 bis 14,50 Euro
Erstnotiz: 13. Februar
MarketCap: 74,9 bis 80,5 Mio. euro
Marktsegment: Amtlicher Markt (Prime Standard)
volumen: bis zu 2,8 Mio. Aktien, davon 1,4 Mio. aus einer Kapitalerhöhung, 1,04 Mio. von Altaktionären sowie 0,36 Mio. ebenfalls von Altaktionären
Konsortium: equinet (Lead), Bankhaus Reuschel, Comdirect Bank (Selling Agent)
Free Float: 50,5 %
Internet:
www.primion.de

Primion Technology AG – Geschäftsentwicklung
Zahlenreihen: Geschäftsjahre 2003/04; 2004/05 (2004/05 pro forma); 2005/06e ; 2006/07e
Umsatz (Mio.
Euro): 15,8 / 22,1 (35,4) / 41,9 / 45,9
EBIT (Mio.
Euro): 2,9 / 3,0 (3,4) / 7,3 / 9,0
Jahresüberschuß (Mio. Euro): 1,7 / 1,7 (1,6) / 4,4 / 5,5
Ergebnis je Aktie (Euro): 0,31 / 0,42 (0,35) / 0,79 / 0,99
KGV 06/07e: 13,6 bis 14,6
Geschäftsjahresende: 30.9.
Quelle: equinet Institutional Services

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