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Nach umfangreichen Umstrukturierungen im Inland und Expansion im Ausland sind freie Anteilseigner wieder willkommen, sich (erneut) an Deutschlands zweitgrößter Baumarktkette zu beteiligen. So werden privaten und institutionellen Investoren im Rahmen des drittgrößten IPOs des Jahres bis zu 34,5 Mio. Aktien in einer Preisrange zwischen 16 und 19 Euro zur Zeichnung angeboten. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 17. November, einen Tag später soll die Erstnotiz erfolgen.

Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG – Emissionsparameter

WKN: A0F6MD
Zeichnungsfrist: 7. bis 17. November
Bookbuilding-Spanne: 16,00 bis 19,00 Euro
Erstnotiz: 18. November
MarketCap: 928 bis 1.102 Mio. Euro
Marktsegment: Amtlicher Markt (Prime Standard)
Volumen: bis zu 34,5 Mio. Aktien, inkl. 4,5 Mio. Aktien Greenshoe; davon bis zu 8 Mio. Aktien aus KE
Konsortium: J.P. Morgan, ABN Amro, Deutsche Bank (Joint Lead), Dresdner Kleinwort Wasserstein, HSBC Trinkaus & Burkhardt (Co-Lead), HVB, Commerzbank (Co-Manager)
Free Float: bis zu 59,5 %
Internet: www.praktiker.de
Nur zweitbeste Lösung für Metro
Die endgültige Entscheidung, sich im Rahmen eines Börsengangs von der Tochter zu trennen, ist bei Metro erst Ende Oktober gefallen. Bis zu diesem Zeitpunkt stand als Option auch der Verkauf an einen Investor im Raum. Dabei sollen die gebotenen Preise Informationen aus Finanzkreisen zufolge bei bis zu 800 Mio. Euro gelegen haben, wobei insbesondere die britische Permira nachhaltiges Interesse gezeigt habe. Einen Schnaps mehr erhoffte sich die Mutter nun wohl durch das Going Public. So markieren die genannten 800 Mio. Euro die untere Grenze der Bookbuilding-Spanne, während eine Zuteilung bei 19 Euro ohne Berücksichtigung der im Zusammenhang mit dem IPO durchgeführten Kapitalerhöhung einem Wert von 950 Mio. Euro entspräche.

Breite Bewertungsspanne
Inwiefern die festgelegte Bookbuilding-Spanne tatsächlich als angemessen zu bezeichnen ist, darüber scheiden sich die Geister. Während Fondsmanager – zumindest in der Öffentlichkeit – signalisierten, keineswegs mehr als 16 Euro zahlen zu wollen, nennen die Konsortialbanken einen signifikant höheren Wert als fairen Preis, wobei allerdings auch hier gewisse Unterschiede zu erkennen sind. So ermittelt JPMorgan unter Berücksichtigung der Kapitalerhöhung einen Unternehmenswert zwischen 1,12 und 1,27 Mrd. Euro. Bei insgesamt 58 Mio. Aktien nach dem IPO ergibt sich somit ein fairer Aktienkurs zwischen 19,29 und 21,81 Euro.

Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt kommen dagegen nur auf eine Range von 0,82 bis 1,1 Mrd. Euro, allerdings vor der Kapitalmaßnahme, weshalb sich die entsprechenden Beträge nur auf 50 Mio. Aktien verteilen. Dennoch fällt das Ergebnis mit 16,38 und 22,04 Euro im Mittel deutlich niedriger aus. In einer ähnlichen Größenordnung liegen auch die Vorstellungen der Deutschen Bank, die bei ihrer Bewertung insbesondere auf Konkurrenten wie Hornbach Baumarkt, Hornbach Holding und Kingfisher eingeht.

Kennzahlen Praktiker 2004 / 2005e / 2006e
Umsätze in Mrd. Euro:              2,93 / 3,03 / 3,17
EBIT in Mio.
Euro:                    80,4 / 93,0 / 107,7
Netto-Ergebnis in Mio. Euro:      
– / 73,9 / 82,1
Ergebnis je Aktie in Euro*:         – / 1,27 / 1,42
KGV*:                                 – / 12,6-15,0 / 11,3-13,4

Quelle: J.P. Morgan; *eigene Schätzungen und Berechnungen auf Basis von 58 Mio. Aktien

Schwieriges Marktumfeld im Inland
Dabei sind die von manch einer Konsortialbank prognostizierten Erträge keineswegs vorprogrammiert. Insbesondere die deutsche Baumarktbranche durchläuft momentan nämlich keineswegs rosige Zeiten, und Besserung ist ebenfalls nicht in Sicht. Zwar konnte im Jahr 2004 ein leichtes Umsatzwachstum von ca. 1 % auf 17,44 Mrd. Euro verzeichnet werden, erzielt wurde dies allerdings vor allem durch die Eröffnung zusätzlicher Baumärkte sowie durch Rabattaktionen. Angesichts hoher Fixkosten und ineffizienter Kostenstruktur kann sich die Branche nach Einschätzung von Marktbeobachtern weitere Preisreduktionen allerdings nicht leisten. Dies gilt um so mehr, als das zu erwartende weitere Flächenwachstum den Druck auf die Margen noch verstärken wird. Lag der Umsatz pro Quadratmeter 1985 beispielsweise noch bei 2.250 Euro, ist er seitdem mehr oder weniger kontinuierlich gefallen und beträgt heute im Durchschnitt nur noch 1.542 Euro.

Gelungener Turnaround
An dieser Stelle muß Praktiker bzw. seinem Management allerdings zugute gehalten werden, daß das Unternehmen in den letzten Jahren einen beeindruckenden Gesundungsprozeß durchlaufen hat, in dessen Rahmen das inländische „Portfolio“ an Baumärkten nachhaltig bereinigt wurde. So wurden zwischen 2000 und 2004 insgesamt 45 Filialen geschlossen und die Verkaufsfläche um fast 160.000 qm reduziert. Der Umsatz pro Mitarbeiter konnte auf diese Weise von 196.000 Euro im Jahr 2002 auf 226.000 Euro im Jahr 2004 gesteigert werden. Auch zukünftig soll durch selektive Standortschließungen unprofitabler Märkte das Standortkonzept weiter optimiert werden. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren das Sortiment deutlich verkleinert und die logistischen Prozesse verbessert. Auch aus diesen Gründen kann Praktiker in Deutschland als Kostenführern auftrete. Nochmals verstärkt werden könnte diese Entwicklung durch das „Easy-to-shop“-Konzept. Nach dem Vorbild von Discountläden im Lebensmittelhandel sollen dabei ab 2006 bei verkleinertem und deutlich übersichtlicher gestaltetem Produktsortiment immer mehr Märkte auf reine Selbstbedienung umgestellt werden. Viele Analysten messen der erfolgreichen Umsetzung des neuen Konzepts hohe Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Baumarktkette bei.

Wachstumsmärkte vor der Haustür
Mangels hinreichendem Potential im Inland soll zukünftiges Wachstum insbesondere über die Auslandsaktivitäten generiert werden. So ist Praktiker bereits heute Marktführer in Griechenland, Ungarn, der Türkei, Rumänien und Luxemburg. In Bulgarien nimmt der Baumarktriese den zweiten und in Polen den vierten Rang ein. Dabei sieht die Strategie des Managements vor, die jeweiligen Märkte entsprechend ihrer spezifischen Dynamik im Do it Yourself (DIY)-Einzelhandel weiterzuentwickeln. So sollen in Luxemburg und Griechenland die Marktführerschaft gefestigt werden. In Ungarn, Polen und der Türkei ist dagegen geplant, die Expansion – unter anderem auch durch Preisaktionen – kontrolliert voranzutreiben. In den hochdynamischen Wachstumsmärkten Rumänien und Bulgarien soll aggressiv weiterexpandiert werden, was auch mit der Schaffung neuer Standorte einhergeht. Zudem ist für kommendes Jahr die Eröffnung des ersten Praktiker-Marktes in der Ukraine vorgesehen, in Rußland wird ein Markteinstieg im Rahmen einer Machbarkeitsstudie derzeit geprüft. Aufgrund der relativ hohen Margen entfielen im Jahr 2004 bei einem Umsatzanteil von lediglich 23,4 % rund 56 % des EBITA auf die Auslandsmärkte. Seitdem sind im Ausland acht Filialen hinzugekommen. Mittelfristig soll der Auslandsumsatz gar auf bis zu 40 % gesteigert werden.

Fazit:
Selbst am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne von 16 Euro mutet die Bewertung der Praktiker-Aktie nicht günstig an. Von einem attraktiven Zeichnungsabschlag kann zumindest nicht die Rede sein. So ist es durchaus denkbar, daß die Papiere nach Einstellung möglicher Kurspflegeaktivitäten der Konsortialbanken noch einmal günstiger zu haben sind. Zudem könnte sich mittelfristig auch der noch von Metro gehaltene Anteil als Bremsklotz erweisen. Hätte die Mutter bei einem Verkauf an einen Finanzinvestor sämtliche Anteile abgegeben, sollten im Rahmen des IPOs zunächst bis zu 75 % an der Börse plaziert werden. Nach Reduzierung des Emissionsvolumens beträgt der Free Float nun maximal 59,5 %, so daß nach Ablaufen der Lock-up-Periode in sechs Monaten weitere Abgaben durch die Mutter zu erwarten sind. Andererseits versprechen die avisierte Ausdehnung im Ausland sowie das neue Easy-to-shop-Konzept – eine erfolgreiche Implementierung vorausgesetzt – durchaus Ertragspotential. Schon aus diesem Grund lohnt es sich – unabhängig von einem Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt – die zukünftigen Geschäftszahlen wie auch die Aktienkursentwicklung im Auge zu behalten. Eine Zeichnung drängt sich insgesamt jedoch nicht auf.