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Heute ist die in Stuhr bei Bremen ansässige Lerbs AG ein unabhängiger Anbieter von Industriebedarfswaren. Anfänglich setzte sich der primäre Kundenkreis aus Schiffsbauern und Reedereien zusammen, doch konnten im Laufe der Jahre zahlreiche Kunden aus den Bereichen Handel, Handwerk, Industrie und Schifffahrt hinzugewonnen werden. Der Fokus liegt vor allem auf dem Bereich des C-Teile-Managements (Schrauben, Normteile, Arbeitsschutz etc.), insbesondere für Großkunden aus unterschiedlichen Branchen. Der Begriff „C-Teile“ hat seinen Ursprung in der ABC-Analyse, die eine Klassifizierung des Beschaffungsobjekts nach Beschaffungs- bzw. Verbrauchswert vornimmt. C-Teile verursachen demnach hohe administrative Kosten, vor allem im Verhältnis zu ihrem geringen Einkaufspreis. Das Traditionsunternehmen, das auf eine 50-jährige Expertise bei der Optimierung von Prozess- und Personalkosten zurückblickt, sieht sich in einem stark fragmentierten Markt von Sortimentspezialisten.

Im Haifischbecken
Bei der laufenden Branchenkonsolidierung möchte Lerbs mit Hilfe des Emissionserlöses, der bei 4,4 bis 5,5 Mio. Euro liegen wird, mitmischen: Viele Unternehmen sind zu klein oder von einer mehr oder minder akuten Nachfolgeproblematik betroffen. Der Schritt an den Kapitalmarkt soll für Lerbs vor allem der Finanzierung dieser zusätzlichen Wachstumsoptionen dienen. Ohne Börsengang käme das Traditionsunternehmen – wie bislang – auch voran, aber eben langsamer. Das Vorhaben macht durchaus Sinn: Durch den Umsatz-Zukauf kann Lerbs sowohl bei den Lagerkapazitäten als auch im Einkauf Skaleneffekte generieren. Auch in Asien, hier in erster Linie im Bereich Schiffsbedarf, sieht Vorstandschef Dr. Axel Meyer die Möglichkeit zu relativ risikoarmen Expansionsvorhaben. Bis 2010, so die Planungen, sollen sich die Asienumsätze auf 4 bis 5 Mio. Euro verfünffachen und könnten dann ca. 7 bis 10 % der Gesamterlöse ausmachen.

Zahlen und weitere Planungen
Die Umsätze erreichten im letzten Jahr eine Höhe von 27,4 Mio. Euro. Erst ab 2008 rechnet das Unternehmen, dann mit den zusätzlichen Möglichkeiten aus dem IPO, mit einem Umsatzschub auf mindestens 40 Mio. Euro, wobei unter dem Strich 1,3 Mio. Euro übrig bleiben sollen. Auf Basis der Preisspanne von 8 bis 10 Euro ergäbe sich ein 2007er KGV von maximal 16. Hierin enthalten sind bereits die erwähnten Planungen, sowohl in diesem wie auch im nächsten Jahr jeweils einen Zukauf zu tätigen. Die Gesellschaft geht davon aus, dabei lediglich EBIT-Multiples von 3 bis 4 zahlen zu müssen – was etwas optimistisch erscheint, wenn man bedenkt, dass das positive konjunkturelle Umfeld die Übernahmepreise derzeit nicht gerade drückt.

Lerbs AG – Geschäfts- und Kennzahlen

2006

2007e

2008e

2009e

Gesamtleistung*

27,4

30,0

40,0

52,5

Nettoergebnis*

0,7

1,0

1,3

1,9

EpS

0,44

0,63

0,81

1,19

KGV max.**

22,9

16,0

12,3

8,4

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research
**) auf Basis der Preisspanne


Peergroup-Vergleich
Das am ehesten mit Lerbs vergleichbare Geschäftsmodell dürfte die seit dem Frühjahr börsennotierte Kromi Logistik aufweisen. Takkt und Klöckner & Co. sind schon deutlich weniger vergleichbar, teilweise kommen noch Thiel Logistik und Müller Lila Logistik in Frage. Auf Basis von Umsatzrelationen wie Unternehmenswert/Umsatz käme Lerbs auf einen höheren implizierten Wert, auf Basis von Profitabilitätskennzahlen wie dem KGV oder Unternehmenswert/EBITDA dagegen auf einen zum Teil deutlichen niedrigeren. Die gewählte Bewertung zum IPO dürfte sowohl den Chancen als auch den Risiken Rechnung tragen.

Fazit
Mit der Lerbs AG fährt das typische mittelständische Entry Standard-Unternehmen vor: Finanzierungsbedarf zur weiteren Expansion, niedriges Emissionsvolumen. Das Beispiel Kromi hat gezeigt, dass Logistiker nicht unbedingt einen leichten Stand an der Börse haben – wobei es Kromi an die Börse überhaupt nur nach einer Reduzierung der Angebotsbedingungen schaffte und seither auch nicht gerade durch Kursavancen glänzte. Die Emissionsbewertung wurde zwar mit Bedacht gewählt, nichtsdestotrotz dürfte der Börsengang kein Selbstläufer werden – Zeichnungsgewinne sind ebenfalls nicht zu erwarten.

Falko Bozicevic

Lerbs AG – Emissionsparameter
WKN

A0L R51

Erstnotiz

12. Oktober

Zeichnungsfrist

1. bis 9. Oktober

Bookbuildingspanne

8 bis 10 Euro

MarketCap

12,8 bis 16,0 Mio. Euro

Marktsegment

Open Market (Entry Standard)

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

ca. 0,5 Mio. Aktien, davon 0,4 Mio. aus Kap.erh.,

weitere 50.000 als Greenshoe

Emissionsvolumen 4,4 bis 5,5 Mio. Euro

Konsortium

quirin bank (Lead), Close Brothers Seydler (SA)

Free Float

max. 34,4 %

Internet

www.lerbs.de