Die von Impreglon patentierte Technologie zur Beschichtung und Veredelung von Bauteilen und Maschinen findet in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen ihre Abnehmer. Egal ob Schraube, Zahnrad oder Turbinenschaufel, sie alle benötigen eine spezielle Oberflächenbehandlung. Impreglons Geschäftsmodell sieht neben der Generierung laufender Erträge aus der operativen Tätigkeit zusätzliche Einnahmen aus Lizenzzahlungen und einem eigenen Franchisesystem vor. Mittels einer Kapitalerhöhung sollen der Ausbau der Produktionskapazitäten sowie Investitionen in neue Technologien finanziert werden. Begleitet wird das IPO im Open Market (Entry Standard) der Frankfurter Börse von der Baader Wertpapierhandelsbank.

Tätigkeitsbereich und Wettbewerbsumfeld
Als mittelständisch strukturiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Lüneburg und über 200 Mitarbeitern an elf internationalen Produktionsstätten verfügt Impreglon im Bereich der Oberflächentechnik über verschiedene patentierte Beschichtungsverfahren aus Kunststoff, Keramik und Metall, welche weltweit unter dem eigenen Markennamen vertrieben werden. Die 1983 vom Vorstandsvorsitzenden Henning Claassen noch unter dem Namen ChemCoat gegründete Gesellschaft unterhält heute Kundenbeziehungen zu über 500 Unternehmen. Größter Kunde mit einem Umsatzanteil von 10 % ist, historisch bedingt, die Firma Meltex, aus der Impreglon einst hervorging. Die Abnehmer müssen sich auf eine hohe Beschichtungsqualität ihrer Anlagen und Maschinen verlassen können, da nur so ein möglichst störungsfreier und kosteneffizienter Einsatz gewährleistet ist. Das setzt Impreglon unter einen ständigen Qualitätsdruck und dies um so mehr, als der Wettbewerb auch in dieser Nische hart geführt wird.

Der stark fragmentierte Markt für Oberflächenbeschichtung kennt nur wenige große Spieler. Hierzu zählen die Schweizer Sulzer und die an der NYSE gelistete Praxair. Für beide Konzerne machen die Beschichtungsaktivitäten aber lediglich einen Teil ihrer Gesamterlöse aus. Als Zulieferer von Maschinen für Impreglon stehen die Unternehmen auch in einem freundlichen Verhältnis zu den Niedersachsen.

Lizenz- und Franchisemodell
Die Internationalisierung des Geschäftsmodells forcierte die Gesellschaft in den letzten zehn Jahren über Mehrheits- oder Minderheitsbeteilungen an Partnerunternehmen in Europa und den USA. Diese entrichten für die Nutzung der Technologie Lizenzzahlungen in Höhe von 5 % ihrer Umsatzerlöse. Im Gegenzug übernimmt Impreglon zentral den Materialeinkauf, F&E, Marketing und die Schulung der Mitarbeiter. Da im Lebenszyklus einer Anlage in der Regel alle zwei bis drei Jahre eine neue Beschichtung aufgetragen werden muß, können die Partner relativ verläßlich mit wiederkehrenden Umsätzen und Erträgen kalkulieren. Mit den Niederlassungen in Japan und Italien existieren darüber hinaus Franchiseverträge.

Wachstumsperspektiven
Aus der Kombination von Lizenzzahlungen und operativen Erträgen gelang es Impreglon, in der Vergangenheit doppelt so stark wie die Branche zu wachsen. Die Umsätze zogen in den letzten beiden Geschäftsjahren u.a. aufgrund der Konsolidierung des US-Geschäfts und größerer OEM-Aufträge um 28 bzw. 36 % an. Die 2005 erzielte EBIT-Marge von 14 % sieht Vorstandschef Henning Claassen als ausbaufähig an. Wie er im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erläuterte, soll mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung das Expansionstempo erhöht werden. Beteiligungsaufstockungen sowie kleinere Akquisitionen sind fest eingeplant. Das organische Wachstum dürfte von Erweiterungsinvestitionen, so werden die Kapazitäten in Frankreich derzeit verdoppelt, und der Einführung neuer umweltfreundlicher Beschichtungsverfahren profitieren.

Emissionsparameter
Impreglon wird im Rahmen des IPOs bis zu 1,095 Mio. Aktien zu einem Festpreis von 6,50 Euro zur Zeichnung anbieten. Davon stammen 1 Mio. Stücke aus einer Kapitalerhöhung, die restlichen Anteile stellt Vorstandschef Claassen zur Verfügung. Damit fließt nahezu der komplette Emissionserlös in das Unternehmen. Mit den bereits gewandelten Aktien aus einer im vergangenen Jahr durchgeführten Genußscheinemission erreicht der Streubesitz einen Anteil von 47,5 %. Die übrigen 52,5 % befinden sich direkt oder über eine Holding im Besitz des Gründers und Vorstandsvorsitzenden Henning Claassen.

Fazit und Bewertung
Impreglon läßt sich als innovatives, wachstumsstarkes Unternehmen mit einem langjährigen Track Record beschreiben. Die patentierte Technologie und das international aufgebaute Lizenzsystem gehören zu den wichtigen Assets der Gesellschaft. Der Emissionspreis von 6,50 Euro entspricht einem Discount von 14 % auf den von Independent Research mit 7,57 Euro ermittelten Fair Value (DCF und Peer Group-Vergleich). Auf Basis der Analystenschätzungen ergibt sich für die Jahre 2006 und 2007 ein KGV von 18,6 respektive 14,7. Damit erscheint das Papier fair bewertet. Während der Emissions-Pressekonferenz bezeichnete CEO Claassen die Prognosen von Independent Research jedoch als zu konservativ. Aufgrund der attraktiven Dividendenrendite von 4,6 % (zahlbar erstmals für das Geschäftsjahr 2006) erscheint die Aktie für konservative Investoren interessant, hohe Zeichnungsgewinne sind angesichts des zuletzt schwachen Gesamtmarktes allerdings nicht zu erwarten.

Marcus Wessel, Christian Schiffmacher

Tab. 1: Impreglon AG – Geschäftsentwicklung

2005

2006e

2007e

Umsatz 16,5 18,3 20,0
EBIT 2,3 3,5 3,1
Jahresüberschuß 0,7 1,3* 1,7
EpS 0,20 0,35* 0,44
Dividende 0 0,30 0,30

Angaben in Mio. Euro, EpS in Euro, *) bereinigt um außerordentliche Erträge aus dem Verkauf der AST Automotive GmbH; Quelle: Independent Research

Impreglon AG – Emissionsparameter
WKN                                                   A0BLCV
Emissions-Pressekonferenz                  16. Mai
Zeichnungsfrist                                     17. bis 24. Mai
Erstnotiz                                              31. Mai
Bookbuilding-Spanne                            6,50 Euro (Festpreis)
MarketCap                                           24,8 Mio. Euro
Marktsegment                                      Open Market (Entry Standard)
Volumen                                              Bis zu 1,095 Mio. Aktien, inkl. 95.000 Aktien Greenshoe, davon 1 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung, 95.000 aus Altaktionärsbesitz
Konsortium                                          Baader (Konsortialführer), Zeichnungsaufträge nimmt die jeweilige Hausbank entgegen, in jedem Fall aber DAB Bank, comdirect und S-Broker
Free Float                                            47,5 % (nach Greenshoe)

 

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