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Am 29. September soll CropEnergies im Amtlichen Markt debütieren. Der Biosprit-Erzeuger hat Großes vor: In den kommenden Jahren sollen die Kapazitäten annähernd verdreifacht werden. Damit möchte das erst seit Anfang 2006 profitabel arbeitende Unternehmen in Europa die Marktführerschaft übernehmen. Die Aktien können noch bis zum 28. September in einer Spanne von 8 bis 10,75 Euro gezeichnet werden.

Das Unternehmen
Lange Zeit konnte sich der Mannheimer Südzucker-Konzern auf stetig wachsende Gewinne im Kerngeschäft verlassen. Denn die europäische Zuckermarktordnung sicherte Preise und Menge für das weiße Kristall. Doch hat die MDAX-Gesellschaft früh erkannt, dass diese Abschottung des alten Kontinents gegen Zuckerrohr aus Südamerika auf Dauer nicht haltbar sein würde. So forciert Südzucker seit Jahren die Sparte „Spezialitäten“ und war somit gegen die in diesem Sommer von der EU umgesetzte Reduzierung des Mindestpreises um knapp 40 % gewappnet. Neben verschiedenen Lebensmitteln zählt die Erzeugung von Bioethanol zum zweiten Standbein. Im April 2005 nahm die Südzucker-Tochter CropEnergies in Zeitz in Sachsen-Anhalt die erste Produktionsanlage in Betrieb.

Rohstoffe für die Erzeugung des Biosprits sind zucker- und stärkehaltige Pflanzen. CropEnergies verarbeitet vor allem Weizen und Zuckerrüben. Das dabei gewonnene Bioethanol wird herkömmlichen Ottokraftstoffen beigemischt. Daneben produziert CropEnergies seit einigen Monaten eine E-85-Kraftstoffmischung. Dieser Sprit mit einem Bioethanol-Anteil von 85 % ist zum Einsatz in so genannten „Flexible Fuel Vehicles“ (FFVs) geeignet. In Brasilien und den USA sind diese Autotypen bereits weit verbreitet. So rollten in den Staaten im vergangenen Jahr 6 Mio. FFVs über die Highways. Im südamerikanischen Land tanken drei von vier neu zugelassenen Fahrzeugen E-85. In Europa gilt Schweden als Vorreiter für die Technologie. Die Skandinavier haben sich vorgenommen, bis 2020 unabhängig vom konventionellen Öl zu werden.

IPO und Wachstumspläne
CropEnergies verspricht sich viel von den FFVs und der Beimischung. Zumal die EU ihren Mitgliedsländern vorgibt, den Bioethanol-Anteil im Benzin bis 2010 von 2 auf 5,75 % zu erhöhen. Die Südzucker-Tochter sieht bis dahin in Europa ein Marktpotenzial von mehr als 4 Mrd. Euro. Mit dem IPO soll die Expansionen forciert werden. Bis 2009 hat sich der Börsenneuling vorgenommen, die jährliche Kapazität auf mehr als 750.000 Kubikmeter hochzufahren. Gegenüber der aktuell in Zeitz möglichen Menge entspräche dies nahezu einer Verdreifachung. Neben einem Ausbau der Anlage in Sachsen-Anhalt plant die Gesellschaft einen neuen Standort in Belgien und den Ausbau einer bereits laufenden Produktion in Frankreich. Der Mannheimer Konzern hat sich zu einer Haltefrist von zwölf Monaten verpflichtet. Auch danach möchte Südzucker größter Einzelaktionär bleiben.

Geschäftsentwicklung
Positiv ist zu sehen, dass CropEnergies nach Anlaufverlusten im vergangenen Jahr den Break Even schaffte. Im ersten Quartal 2006 erzielte das Unternehmen bei noch recht geringen Umsätzen von 30,8 Mio. Euro ein EBIT von 2,6 Mio. Euro. „CropEnergies ist profitabel und wächst“, freut sich Finanzchef Joachim Lutz. Konsortialführerin Deutsche Bank erwartet, dass die Gesellschaft in den kommenden Jahren in der Tat kräftig zulegen wird. In ihrer Emissionsstudie gehen die Analysten davon aus, dass CropEnergies im Jahr 2010 beim Umsatz die 500 Mio. Euro-Marke nimmt. Mit einem jährlichen Wachstum von 70 % würde der Neuling den Bioethanol-Markt damit deutlich hinter sich lassen. Gleichzeitig schätzt die Deutsche Bank, dass die Firma in vier Jahren eine EBIT-Marge von mehr als einem Fünftel erreicht.

CropEnergies AG – Geschäftsentwicklung

2005/06e

2006/07e

2007/08e

2008/09e

Umsatz

60,5

133,5

190,9

450,0

EBIT

-18,1

9,9

39,7

69,5

Jahresüberschuss

-31,7

6,4

26,2

42,5

KGV

neg.

106 – 143

26 – 35

16 – 22

Quelle: Deutsche Bank Research, eigene Recherchen; Angaben in Mio. Euro
Geschäftsjahr: 1. März bis 28. Februar

Aber auch die Risiken nicht zu verachten. Eindrucksvoller Beleg hierfür ist ein Blick auf die jüngste Entwicklung an der Wall Street. Der bisher größte Börsengang des Sektors Mitte Juni war zunächst ein voller Erfolg: Die Aktien von Verasun Energy legten beim Debüt um 30 % zu. Allerdings ging der Kurs schnell auf Talfahrt. Mittlerweile notiert die Biosprit-Aktie mehr als 40 % unter ihrem Hoch. Hintergrund: Die Aussicht auf deutliche zunehmende Kapazitäten ließ den Bioethanol-Preis in den USA einbrechen. Gleichzeitig wirkte sich die fallende Notierung für Öl als Kursbremse aus.

Fazit
Ursprünglich plante Südzucker, durch den CropEnergies-Börsengang zwischen 200 und 250 Mio. Euro erlösen zu wollen, nun werden es bis zu 300 Mio. Euro. Am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne käme CropEnergies auf eine stattliche Bewertung von über 900 Mio. Euro Marktkapitalisierung. Selbst wenn man die umfangreichen Expansionspläne sowie die Prognosen für das übernächste Geschäftsjahr (2008/09) heranzieht, bleibt ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von über 20. Das ist selbst für Deutschlands erste börsennotierte „reine Ethanol-Aktie“ üppig. Eine Zeichnung bzw. ein Ausgabekurs am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne wären unseres Erachtens noch vertretbar.

Christian Ingerl, Falko Bozicevic

CropEnergies AG – Emissionsparameter

WKN

A0LAUP

Bookbuildingspanne

8 bis 10,75 Euro

Zeichnungsfrist

25. bis 28. September

Erstnotiz

29. September

Marktsegment

Amtlicher Markt (Prime Standard)

Emiss.volumen

25 Mio. Aktien aus KE, max. 3 Mio. von Altaktionären; 224 bis 301 Mio. Euro

Marktkapitalisierung

680 bis 914 Mio. Euro

Konsortium

Deutsche Bank, Citigroup, DZ BANK (Lead), LBBW, Raiffeisen Centrobank, Sal. Oppenheim

Free Float

max. 32,9 %

Internet

www.cropenergies.de