Im Eiltempo sprintet ein weiteres Unternehmen aus dem Beteiligungsimperium von Rocket Internet an die Börse. Westwing will bis zu 147 Mio. EUR einsammeln. Das frische Geld soll das Wachstum beschleunigen und die Schulden tilgen. Die Start-up-Schmiede hievt bereits ihre fünfte Beteiligung innerhalb weniger Monate aufs Parkett.

Börsengang

Zum Angebot gehören 4,4 Mio. neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung. 660.000 Aktien aus einem Wertpapierdarlehen von Rocket Internet könnten für eine mögliche Mehrzuteilung eingesetzt werden. Die Preisspanne liegt zwischen 23 bis 29 EUR. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 10. Oktober. Ab 11. Oktober ist die Notierungsaufnahme im Prime Standard der Frankfurter Börse geplant.

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Der Bruttoerlös wird je nach endgültigem Angebotspreis zwischen 116 und 147 Mio. EUR liegen. Mitte September war zunächst von rund 120 Mio. EUR die Rede. Der Online-Händler von Möbeln und Wohn-Accessoires wäre dann an der Börse zwischen 459 und 578 Mio. EUR wert. Kann Westwing alle Aktien platzieren und wird der Greenshoe vollständig ausgeübt, befinden sich nach dem IPO 25% der Aktien im Streubesitz.

Altaktionäre geben beim Börsengang mit Ausnahme der Überzeichnungsreserve (‚Greenshoe‘) keine Aktien ab: Der größte mit einem Anteil von 32% ist Rocket Internet. Nach Delivery Hero, HelloFresh, Home24 und Marley Spoon ist Westwing bereits das fünfte IPO aus dem eigenen Portfolio innerhalb von eineinhalb Jahren. Weitere Eigentümer sind der schwedische Venture-Capital-Investor Kinnevik, Access Industries und Tengelmann Ventures. Bei einer Finanzierungsrunde vor zwei Jahren bewerteten sie Westwing nur mit 450 Mio. EUR. Eigentlich wollte das Start-up bereits im Sommer 2015 aufs Parkett – hatte dann aber seinen Plan aufgrund anhaltend roter Zahlen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Lock-up-Periode nach dem IPO beträgt für Mitglieder des Vorstands 24 Monate. 6 Monate sind es für Altaktionäre und das Unternehmen selbst. Berenberg und Citigroup fungieren als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners.

Unternehmen

Westwing gehört zu den bekannten Marken und Plattformen im Home & Living-E-Commerce in Europa. Mit seinem „Shoppable Magazine“ bietet der Online-Händler eine kuratierte Auswahl an Artikeln rund um das Thema Wohnen an – von der Inneneinrichtung über Textilien und Möbel bis zu Leuchten und Küchenartikeln. Insgesamt umfasst das Sortiment gut 5.000 Produkte. Wie in einem „digitalen Einrichtungskatalog“ werden auf der Plattform beständig neue Produkte vorgeführt und die Bestseller schnell hergestellt. Der Umsatzanteil der Eigenprodukte soll daher langfristig von einem Fünftel auf 50% steigen. Wegen dieser Produktinszenierung hat der Online-Möbelhändler viele Stammkunden – 85% der Umsätze steuern Kunden bei, die die Webseiten und Apps durchschnittlich 100 Mal pro Jahr besuchen.

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