Viele deutsche Brauereien haben eine lange Tradition – ein Grund mehr, sich einmal mit einer der vielen regionalen Brauereien auseinanderzusetzen, die am Kapitalmarkt sind. Die Brauerei Jacob Stauder hat solch eine Tradition und ist jetzt schon mit ihrer zweiten Anleihe am Bondmarkt präsent. Die Wurzeln liegen wie bei so vielen Brauereien auch bei dieser in Bayern. Theodor Stauder, ein aus Bayern stammender Bierbrauergeselle und Fassbinder, pachtete 1867 die Hausbrauerei Schlicker in dem damals noch kleinen Landstädtchen Essen und gründete die Brautradition des Unternehmens.

Jacob Stauder erkannte, dass eigener Grund und Boden die wichtigste Voraussetzung für kontinuierliches Wachstum sind. So verlagerte er die Brauerei einige Jahre später nach Altenessen, das mit der Zeit mit Essen zusammengewachsen ist und ließ 1888 die neue Brauerei unter seinem Namen in das Königlich Preußische Firmenregister eintragen

Caspar Stauder trat sein Erbe im Kriegswinter 1916/17 an und steuerte die Brauerei durch die letzten Kriegsjahre und die Turbulenzen der Nachkriegszeit, sowie die Weltwirtschaftskrise. Mittlerweile wird das Familienunternehmen in der sechsten Generation und von Dr. Thomas Stauder und Dipl. Brau-Ing. Axel Stauder geleitet. Laut der Brauerei ist die Unternehmensphilosophie „Kleiner, aber feiner!“ als  bewusster Verzicht auf Massenproduktion zu verstehen.

Zwischen Pott und Adlon

Zu den wesentlichen Kunden der Stauder-Gruppe gehören Einzelhändler, Getränkeabholmärkte, Tankstellen und Kioske in Nordrhein-Westfalen, insbesondere im zentralen Ruhrgebiet, darunter Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Bottrop, Gladbeck, Gelsenkirchen und Bochum sowie Gastronomiebetriebe in Nordrhein-Westfalen. Das Bier ist aber auch in ausgewählten Hotels der Hauptstadt der Republik, wie dem Adlon und dem Hotel de Rome erhältlich.

Die Geschäftstätigkeit der Stauder-Gruppe hat zwei Geschäftsbereiche: den Hauptgeschäftsbereich Biere und alkoholfreie Getränke und den Geschäftsbereich Brauleistungen. Im Geschäftsbereich Biere und alkoholfreie Getränke entwickelt, produziert und vermarktet die Stauder-Gruppe verschiedene klassische Biersorten unter verschiedenen Marken und verschiedene alkoholische und alkoholfreie Biersorten und Biermixgetränke. Des Weiteren produziert und vermarktet die Stauder-Gruppe verschiedene alkoholfreie Erfrischungsgetränke wie z. B. die in diesem Jahr eingeführte „Stauder Fassbrause“.

Kapitalmarktfreundlich: Zweite Anleihe

Nachdem die Brauerei schon im Herbst 2012 eine bis 2017 laufende Anleihe mit einem Kupon von 7,5% begeben hatte, legte sie erst Anfang Juni mit einer erneuten Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 10 Mio. EUR nach. Bei der Privatplatzierung an institutionelle Investoren betrug der Kupon nur noch 6,5% p.a. Der Handelsstart des bis Juni 2022 laufenden Bonds war der 8. Juni 2015. Der Nettoemissionserlös soll zum einen der teilweisen Refinanzierung der im November 2012 ausgegebenen alten Anleihe dienen. Zum anderen soll ein Teil des Erlöses für Investitionen in das Markenwachstum sowie für technische Neuerungen verwendet werden. Über die noch laufende Anleihe von 2012 hieß es, dass der Nettoemissionserlös unter anderem für die Ablösung der bestehenden Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 5 Mio. EUR, die Finanzierung der Intensivierung des Ausbaus bestehender Markenkonzepte für rund 2,5 Mio. EUR und die Finanzierung der Abfindung von Pensionsansprüchen sowie die Finanzierung technischer Investitionen verwendet werde. Zur Zeit notiert diese Anleihe im positiven Bereich bei um die 107 Punkte, was sie doch von einigen Mittelstandsanleihen abhebt.

Die Umsatzentwicklung der Brauerei kann sich blicken lassen, obwohl viele Brauereien kämpfen müssen. So hat Jacob Stauder die Zeichen der Zeit erkannt und setzt mittlerweile neben Bier und Biermischgetränken eben auch auf alkoholfreie Getränke, die verstärkt nachgefragt werden. Was den Umsatz betrifft, so hat sich der im letzten Jahr positiv entwickelt und liegt mittlerweile bei 21,9 Mio. EUR versus 20,4 Mio. EUR im Vorjahr. Allerdings hat sich der Jahresüberschuss stark reduziert von 2,5 Mio. EUR auf knapp 370.000, was jedoch an einer außerordentlichen Aufwendung liegt: einem Darlehen in Höhe von 2,6 Mio. EUR, das in der Gewinn&Pauschalrechnung fürs Jahr 2014 pauschal dotiert wurde.

Fazit

Angesichts einer Bierflaute in der deutschen Bevölkerung entspricht der Umsatz einem gesunden Plus von 7%. Stauder ist somit gut positioniert zwischen Kiosk und Luxushotel, zwischen Ruhrpott und Berlin und zwischen Tradition und Moderne. Und aufgrund einer breiten Palette an Bier und Biermischangeboten, die vom Premium Pils über das neue Ruhrtyp Hell bis zur Fassbrause Apfel-Rhabarber reichen, ist die Brauerei gut positioniert – auch bei einem weiteren Rückgang des heimischen Bierkonsums. Immerhin sollen 2014 die Bierabsätze der deutschen Brauindustrie sogar leicht um 1% auf 95,6 Mio. Hektorliter gestiegen sein. Und auch das spricht für das Familienunternehmen: Als Stauder im Jahr 1967 100jähriges Jubiläum feierte, gab es noch 40 unabhängige Brauereien. Heute sind es nur noch zwei – Stauder ist eine davon.

Kurzprofil Privatbrauerei Jacob Stauder GmbH & Co. KG

Branche: Bierbrauer
Zentrale: Essen
Anteilseigner:  Familie

Privatbrauerei Jacob Stauder GmbH & Co. KG –
Geschäfts- und Kennzahlen

                                    2014       2013

Umsatz                      21,89      20,4
Konzernergebnis      0,37       2,53

Der Beitrag erschien zuerst im GoingPublic Magazin 7/8.

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