Locations-Angebot wächst

Ansonsten setzen die Emittenten aus dem Ländle eher auf „klassische“ Locations wie Tagungs- und Konferenzzentren, Arenen und Stadthallen. Das Angebot in diesem Bereich ist in der gesamten Region sehr groß und wächst weiter. So hat etwa die Stadthalle Reutlingen erst im Jahr 2013 eröffnet. Außer auf moderne Ausstattung setzt das Haus auf „grüne und ganzheitliche Business-Veranstaltungskonzepte“. Dazu gehören eine klimaneutrale Anreise der Besucher, Bio-Catering und eine eigene E-Tankstelle. Bis zu 2.000 Besucher reicht die Kapazität der Stadthalle bei Großveranstaltungen wie Hauptversammlungen.

Mit dem Bodenseeforum erhält auch Konstanz eine neue Location. Die Eröffnung ist für den Herbst 2016 geplant. Im Gebäude des Bodenseeforums war ursprünglich das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Centrotherm Photovoltaics untergebracht. Ob dort viele Hauptversammlungen stattfinden werden, ist jedoch fraglich. Denn börsennotierte Unternehmen in der Bodenseeregion sind rar gesät. Das gilt auch für das Wirtschaftszentrum Friedrichshafen, das mit dem großen Messegelände und der benachbarten Zeppelinhalle durchaus passende und repräsentative HV-Locations zu bieten hätte.

Besonderes nur selten gefragt

Etwas ausgefallenere Locations werden nur von wenigen baden-württembergischen Emittenten für ihre Hauptversammlungen gewählt. So lädt die Schweizer Electronic AG aus Schramberg zu ihrer HV regelmäßig ins Kraftwerk im benachbarten Rottweil ein. In dem Industriedenkmal finden insgesamt bis zu 2.000 Personen Platz. Eine industriegeschichtliche Bedeutung anderer Art hat die Abfüllhalle auf dem Sudhausberg in Karlsruhe, wo etwa die Sinner AG ihre HV veranstaltet. Die ehemalige Flaschenfüllerei der Brauerei Moninger ist inzwischen mit Bühne, Bar und Theke ausgestattet. Bei Veranstaltungen fasst die Halle bis zu 1.500 Menschen.

Sollten künftig noch mehr Unternehmen auf außergewöhnliche HV-Locations setzen wollen, hat Baden-Württemberg in dieser Hinsicht eine durchaus illustre Auswahl zu bieten, wie sich auf der Locations-Messe für die Region Stuttgart zeigte. Für kleine und mittelgroße Veranstaltungen bietet sich etwa das Goldbergwerk in Fellbach an. In dem zur Eventlocation umgestalteten alten Backsteingebäude einer ehemaligen Gießerei finden im Erdgeschoss bis zu 500, im Obergeschoss bis zu 650 Personen Platz.

Genauso viele Menschen passen bei Bestuhlung in die Legendenhalle in der Motorworld in Böblingen. Die 2009 eröffnete Eventlocation verspricht neben moderner Medientechnik ein museales Umfeld mit Reminiszenzen an Automobillegenden. Auf eine längere Geschichte blickt der Europa-Park in Rust zurück. 1975 öffnete der Themen- und Freizeitpark nahe der französischen Grenze seine Tore. Weniger bekannt als die zahlreichen Attraktionen ist das umfangreiche Angebot an Tagungsmöglichkeiten. Insgesamt stehen 13.000 qm Veranstaltungsfläche zur Verfügung, aufgeteilt in 30 Räume zwischen 26 und 2.600 qm, in denen zwischen 10 und 2.000 Personen Platz finden.

Fazit

Eigentlich ist das Angebot sowohl an professionellen als auch an ausgefallenen Locations in Baden-Württemberg also sehr groß. Deutlich größer jedenfalls als die Nachfrage börsennotierter Unternehmen, zumindest aus dem regulierten Markt, im mittelständisch geprägten Baden-Württemberg. Die meisten Emittenten setzen auf klassische Locations mit entsprechender HV-Erfahrung. Eng wird es offensichtlich – wie im Fall von Daimler – nur, wenn es um besonders große und aufwendige Hauptversammlungen geht.

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