Quelle: OeNB, EZB

Ungünstiges Kapitalmarktumfeld

Österreichs Leitindex ATX blieb im Juli zwar konstant, liegt im Jahresvergleich aber noch hinter dem Höchststand von 2011 zurück. So ist es trotz eines zwischenzeitlichen Aufschwungs zu Beginn des Jahres 2012 kein Wunder, dass der Weg für IPOs weiterhin versperrt scheint. Potenzielle Kandidaten unter Österreichs Unternehmen gäbe es zwar zur Genüge, doch lassen sich aktuell aufgrund des Kapitalmarktumfelds –  wie in ganz Europa – wohl keine fairen Bewertungen erzielen.

*) Ausgewertete Aktiengesellschaften, ausgenommen Banken und Versicherungsgesellschaften. Quelle: Statistik Austria, 10.08.2012

Abwartende Finanzinvestoren

Einige potenzielle IPO-Kandidaten befinden sich derzeit in Private-Equity-Besitz. So ergab eine Umfrage, die der österreichische Private-Equity- und Venture-Capital-Verband AVCO im Auftrag des Aktienforums durchführte, dass die befragten Finanzinvestoren derzeit zwölf Exits über die Börse vorbereiten. Für die übrigen vier Kandidaten wurden keine Zeitangaben gemacht. Ob die IPOs dann wirklich kommen, hängt natürlich von mehreren Faktoren wie dem Bewertungsniveau und dem Interesse institutioneller Investoren ab. Zudem sind neben österreichischen auch deutsche und polnische Unternehmen unter den zwölf Börsenkandidaten. Drei von ihnen wollen an der Wiener Börse den Schritt aufs Parkett wagen.Nach den Erkenntnissen der AVCO-Studie zieht es natürlich vornehmlich österreichische Portfolio-Unternehmen an die Wiener Börse. Sie wollen in ihrem Heimatmarkt gelistet sein, wo regionale Netzwerke die Kommunikation mit Investoren und Stakeholdern erleichtern. Das führe in der Regel auch zu höheren Bewertungen. Weniger positiv sind aus Sicht der Unternehmen und Private-Equity-Investoren die vergleichsweise geringen Handelsvolumina und eine unattraktive Investorenbasis am Heimatmarkt. Privatanleger sind zudem mit der im April 2012 eingeführten Wertpapier-KESt konfrontiert. Anleger in Österreich müssen seitdem 25% der Gewinne aus Wertpapieren als Kapitalertragssteuer abführen. Zuvor waren Kursgewinne nur dann steuerpflichtig, wenn die Papiere kürzer als ein Jahr gehalten worden sind.

Quelle: East Capital Macro Monitor August 2012

Konstante Direktinvestitionen

Für ausländische Direktinvestitionen ist Österreich nach wie vor ein interessantes Land. Auch die Schuldenkrise habe bisher keine negativen Auswirkungen, wie Bernhard Bachleitner, Direktor bei ABA – Invest in Austria, im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erklärt. „Die Direktinvestitionen nach Österreich bleiben konstant.“ Der Mammutanteil der Investitionen kommt erwartungsgemäß aus Deutschland. Dahinter folgen die Schweiz, Italien und zunehmend osteuropäische Länder. Da die südeuropäischen Krisenländer nur eine kleine Rolle bei den Direktinvestitionen spielen, blickt Bachleitner trotz der momentanen Unsicherheit gelassen in die Zukunft: „Die Krise ist unangenehm, doch wir können entspannt mit der Situation umgehen, weil wir nach wie vor mit starkem Interesse aus Deutschland rechnen.“Schließlich hängen die Investitionen nicht nur von der aktuellen wirtschaftlichen Lage ab. Gerade die Nähe zu Osteuropa sei für viele deutsche oder auch Schweizer Unternehmen ein strategischer Grund, in Österreich zu investieren. „Das Tor zu Osteuropa zu sein, ist Österreichs USP“, kommentiert Bachleitner, der bei ABA den süddeutschen Raum verantwortet.

Quelle: Zephyr-Datenbank, Bureau van Dijk

Rückläufige M&A-Zahlen

Während Österreich als Standort für Tochtergesellschaften und Niederlassungen ausländischer Unternehmen also weiterhin attraktiv bleibt, hat das Interesse von strategischen und Finanzinvestoren nachgelassen. Anzahl und Volumen von M&A-Deals mit österreichischen Zielunternehmen sind seit 2009 kontinuierlich rückläufig (siehe Abb.7).

Stand: Januar 2012; Quelle: Wiener Börse AG

Fazit und Ausblick

Als vergleichsweise kleines exportorientiertes Land kann Österreich seine wirtschaftliche Entwicklung nur bedingt selbst beeinflussen. Wirtschaftlich könnte es inmitten der Schuldenkrise kaum besser laufen. Am Kapitalmarkt ist dagegen durchaus Potenzial für Verbesserungen – sei es in der Steuergesetzgebung oder in einem allgemein investitionsfreundlicheren Klima.

Foto: Wiener Börse AG
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