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Die Volatilität wird den Märkten noch lange erhalten bleiben. Laut Quant.Capital Management, einem Asset Manager für Risikobewertung und Risikomanagement, liege dies vor allem daran, dass zwei widerstreitende Tendenzen zu beobachten sind: Einerseits die Staaten, die Geld in die Märkte pumpen und andereseits die Realwirtschaft, die durch die aktuelle Corona-Pandemie massiv gelähmt wird.

„Auf der einen Seite leisten Staaten massive Hilfe, fluten Geld ins System“, sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH. „Auf der anderen Seite entwickelt sich eine realwirtschaftliche Abwärtsspirale, je länger der Lockdown dauert.“ Die Realwirtschaft führe demnach einen Kampf gegen die Geld- und Finanzpolitik, ohne das bislang ein Sieger feststehe.

Die Notenbanken weltweit haben bereits massive Lockerungsmaßnahmen vollzogen, Staaten bereiten massive fiskalpolitische Stimuli vor oder haben solche bereits eingeführt. „Dazu werden noch weitergehende Maßnahmen der Notenbanken diskutiert, die den Unternehmen direkt zugutekommen sollen“, betont Mlinaric. „Dazu gehört etwa der Ankauf von Unternehmensanleihen oder von ETFs, wie dies die japanische Notenbank bereits umsetzt.“ Die meisten dieser Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Unternehmen zu stabilisieren, und wirken stützend auf die Bewertungen an den Kapitalmärkten.

Lockdown birgt Risikopotenzial

„Auf der anderen Seite haben wir eine Krise, die in ihrer Breite ein enormes Ausmaß erreicht hat“, sagt Mlinaric. „Insbesondere der komplette Stillstand als Reaktion auf die Ausbreitung der Pandemie birgt ein nur schwer zu fassendes Risikopotenzial.“ In China zeigte sich, dass die Wirtschaft nach zwei Monaten Stillstand binnen drei bis vier Wochen wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren konnte. „Über diesen Zeitraum lassen sich die schlimmsten Auswirkungen auf die Unternehmen mit staatlicher Hilfe abfedern, die wichtigsten wirtschaftlichen Strukturen wie Arbeitsplätze, Lieferbeziehungen und Infrastruktur bleiben erhalten“, so Mlinaric.

Während für China jetzt Zahlen vorliegen, ist die Lage für Europa und die USA noch unklar: „Wir wissen momentan nicht, ob ein Zeitraum von zwei Monaten ausreichen wird, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen“, so Mlinaric. Je länger der komplette Stillstand anhält, desto höher ist die Gefahr, dass wesentliche wirtschaftliche Strukturen zerfallen, Unternehmen pleitegehen, Arbeitsplätze verloren gehen und letztlich der Kapitalstock vernichtet wird. „Dies ist der realwirtschaftliche Druck, gegen den Geld- und Fiskalpolitik anarbeiten“, sagt Mlinaric.

Für Anleger bedeutet dies, dass kurzfristige Chancen und die berechtigte Hoffnung auf eine Rückkehr der Wirtschaft in eine gewisse Normalität innerhalb weniger Monate dem Risiko langfristiger, massiver Schäden für die Realwirtschaft gegenüberstehen. „Die Spannungen an den Kapitalmärkten, gemessen an der Volatilität, werden hoch bleiben“, sagt Mlinaric. „Die Chancen, günstig in eine kommende Erholung zu investieren, steigen mit der Höhe der staatlichen Maßnahmen.“ Je länger die aktuelle Situation anhält, desto höher steigen asymmetrisch aber auch die Risiken. Umso wertvoller wird ein dynamisches Risikomanagement.