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GoingPublic: Herr Thieß, ‚Media Monetization Services‘, Vermarktungsrechte für Streaming- und Download-Plattformen – das müssten Sie bitte einmal greifbar in eigenen Worten formulieren.
Thieß: Ich gebe zu, dass das möglicherweise etwas gestelzt klingen mag. Es ist davon abgeleitet, dass SendR die gesamte Bandbreite an Leistungen erbringt, die eben für die Monetarisierung von Lizenzen im Internet benötigt werden. Dabei ist es unerheblich, ob es die üblichen Downloadshops oder eben  mehr oder weniger neue Auswertungsformen wie Monetarisierung auf YouTube oder Spotify betrifft. SendR übernimmt also für unabhängige Musik-Labels Online-Vermarktungsrechte auf Streaming- und Download-Plattformen. Die Lizenzrechte liegen bei der SendR-Gruppe und die Einnahmen aus diesen Lizenzen werden an die Lizenzgeber ausschüttet. SendR vereinnahmt für sich dabei eine übliche Gebührenmarge.

Henning Thieß, SendR
Henning Thieß, SendR

GoingPublic: Wie sieht der Markt aktuell aus, speziell Europa?
Thieß: Der ist stark oligopolistisch geprägt – wobei wir aus einer annähernd monopolistischen Situation heraus kommen. Der Unterschied zu den USA, aber z.B. auch den skandinavischen Ländern, ist wie so oft auf unterschiedliche Mentalitäten zurückzuführen. Ein Kulturunterschied: In den USA werden heute bereits rund 70% der Musiknutzungen digital abgewickelt, in Europa erst 30%. In Skandinavien ist die Situation wiederum ähnlich den USA.

GoingPublic: Wieso das?
Thieß: Begründet ist das in Skandinavien anscheinend durch die höheren Infrastrukturkosten im physischen Bereich. Plastisch beschrieben: Die Wege zum nächsten Musikladen sind zu weit. Vielleicht sind die Skandinavier aber auch nur eine Spur experimentierfreudiger. Man könnte also sagen, dass Kerneuropa insofern internationalen Gepflogenheiten ein Stück hinterher hinkt. Damit ist das Aufholpotential hier in Europa, dem Fokus von SendR, sehr groß. Das wird sich sicherlich als ein deutlicher Wachstumstreiber für SendR in den nächsten Jahren beweisen können – denn hier sehen wir noch großes Potenzial, das gewissermaßen überreif am Baum hängt.

GoingPublic: Mit der kürzlichen Übernahme von Phonofile verdoppelt SendR seinen Umsatz auf einen Schlag – wie kann es zu solch einem Deal kommen, ist die Branche denn in Bewegung?

SendR Grafik by SpheneThieß: Absolut, die Branche ist aktuell sehr stark in Bewegung. Derzeit werden Marktanteile vergeben – und eines der probatesten Mittel dazu war schon immer, sich mit anderen, passenden Playern zusammenzutun. Der Deal mit Phonofile ist meiner Ansicht nach richtungsweisend, handelt es sich doch um eine Größenordnung, wo sonst normalerweise stets ein Major oder Private-Equity-Geber mitbeteiligt gewesen wäre. Beides war bei unserer Übernahme von Phonofile nicht der Fall. Daher möchte ich behaupten, dass SendR hierbei ein schönes Signal für ein zukünftiges Agglomerationszentrum für die Branche gesetzt hat.

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