Mit dem IPO will der Anlagenbauer für metallbasierten 3D-Druck sein starkes Wachstum finanzieren. Die Aktien des jungen High-Tech-Unternehmens aus Lübeck sollen ab Anfang Mai im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notieren. Durch das IPO will die Gesellschaft selbst rund 75 Mio. EUR frische Mittel über eine Kapitalerhöhung einnehmen (Lesen Sie hier mehr dazu). Im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erläutern CEO Dr. Markus Rechlin und CFO Uwe Bögershausen ihre Wachstumspläne und welche Chancen der Börsengang bietet.

GoingPublic: Meine Herren, IPOs sind derzeit nicht gerade in Mode. Warum haben Sie sich trotzdem dazu entschieden?

Rechlin: Für uns könnte das Timing nicht viel besser sein. SLM Solutions ist ein Technologieführer im Markt für metallbasierten 3D-Druck. Diesen Markt sehen wir heute vor dem Wendepunkt: Das Verfahren des sogenannten selektiven Laserschmelzens ist nicht ganz neu, wurde in der Vergangenheit aber vor allem in der Fertigung von Prototypen eingesetzt. Nun sind aber die großen Industriekunden bereit, die weiterentwickelte Technologie für eine komplexere industrielle Fertigung mit größeren Produktionsvolumina einzusetzen. Wir erwarten, dass dieser Sektor in den kommenden Jahren signifikant wachsen wird. Wir wollen schneller wachsen als der Markt. Um das zu erreichen, möchten wir etwa 75 Mio. Euro Wachstumskapital über die Börse aufnehmen.

GoingPublic: Sie setzen auf die zukunftsträchtige 3D-Drucktechnik. Wie sieht Ihr Geschäftsmodell konkret aus?

Rechlin: Wir sind ein führender Anbieter von metallbasierten additiven Fertigungstechnologien und verkaufen überwiegend Fertigungsanlagen. Diese Anlagen können Bauteile aus einer Vielzahl von Metallpulvern direkt herstellen. In unserem wichtigsten Segment, dem Selective Laser Melting oder SLM, montieren und vermarkten wir metallbasierte additive Fertigungsanlagen und Zubehör, erbringen dazu Dienstleistungen und verkaufen Verbrauchsmaterialien für diese Anlagen. Unsere Kunden kommen aus der Industrie, besonders aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Energie, Gesundheit und Automobilbau.

GoingPublic: Wie haben sich Ihre Umsätze und Erträge in den vergangenen Jahren entwickelt – sind Sie schon profitabel?

Bögershausen: Während der vergangenen drei Jahre haben wir signifikantes Wachstum erzielen können. Der Umsatz verbesserte sich pro Jahr im Schnitt um 35% auf zuletzt 21,6 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2013. In den vergangenen Jahren haben wir bereits profitabel gearbeitet, unser bereinigtes EBITDA betrug 2,5 Mio. EUR im Jahr 2013. Die EBITDA-Marge lag bei 11,5%. Im SLM-Segment, das mit einem Umsatzanteil von 77% unser Hauptgeschäftsfeld ist, haben wir den Umsatz seit 2011 pro Jahr sogar fast verdoppelt und 2012 und 2013 eine EBITDA-Marge im zweistelligen Bereich erzielt.

GoingPublic: Welche Ziele wollen Sie mittelfristig erreichen?

Rechlin: Wir haben eine gut gefüllte Vertriebspipeline – in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2014 haben wir Aufträge für sieben Anlagen erhalten, während es im Vergleichszeitraum des Vorjahres erst drei Anlagen waren. Dieser Wachstumspfad soll mit einem Fokus auf drei Initiativen fortgesetzt werden: Dem Ausbau unseres Vertriebs- und Servicenetzwerks, um die internationale Nachfrage optimal zu bedienen, die Entwicklung der Metallpulver sowie weitere Investitionen in die Technologie und den Bereich Forschung & Entwicklung. Branchenexperten taxieren das Marktwachstum für metallbasierten 3D-Druck auf jährlich 25% bis zum Jahr 2021. Mit den Maßnahmen wollen wir uns als einer der Technologieführer im Markt etablieren und am Wachstumspotenzial entsprechend partizipieren.

GoingPublic: Welche Wettbewerber sind bereits an Börsen gelistet?

Rechlin: Einige Unternehmen aus dem Bereich 3D-Druck sind börsennotiert. Hier ist allerdings zu beachten, dass die Geschäftsmodelle teilweise deutlich voneinander abweichen. Der ähnlichste Wettbewerber unter den börsennotierten Anbietern ist aus unserer Sicht das schwedische Unternehmen Arcam, das sich ebenfalls ausschließlich auf metallbasierte Verfahren konzentriert und ähnliche Kundengruppen anspricht. Allerdings setzen die Anlagen von Arcam auf eine etwas andere Technologie des Metallschmelzens, die statt Laserstrahlen auf Elektronenstrahlen beruht und mit 15% nur einen kleineren Teil des Marktes abdeckt.

GoingPublic: Herr Dr. Rechlin und Herr Bögershausen, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Thomas Müncher.

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