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Auf dem diesjährigen Netzwerkevent der GoingPublic MediaAG in der Destino Tapasbar in Frankfurt-Bornheim ging es – wie kann es anders sein – um die Zukunft des Kapitalmarktes. Unter dem Motto „Quo vadis Kapitalmarkt?“ diskutierten rund 40 Teilnehmer über die Herausforderungen und Chancen für den Kapitalmarkt. Dabei sahen die meisten der Anwesenden trotz eines generell eher kapitalmarktkritischen Medienechos, der zunehmenden Zahl an Delistings und einer überbordender EU-Regulierung mit Zuversicht in die Zukunft.

In gemütlicher Runde: Netzwerkevent 2014
In gemütlicher Runde: Netzwerkevent 2014

Markus Rieger, Gründer und Vorstand der GoingPublic Media AG, führte zu Beginn im Schnelldurchlauf durch die bewegte Geschichte des Verlages. Michael Rieß, der Leiter Kapitalmarktmedien bei GoingPublic Media, zeigte anhand einiger Statistiken die divergierende Entwicklung der großen internationalen Börsen in Bezug auf Listings und IPOs auf: So haben sowohl die Frankfurter, als auch die Londoner Börse über die letzten zehn Jahre durch Delistings mehr Unternehmen verloren, als durch Börsengänge gewonnen. Alleine hierzulande ist zwischen 2008 und 2014 die Zahl der börsennotierten Unternehmen in den regulierten Märkten  von 800 auf rund 500 zurückgegangen.

Der Aktienmarkt wächst – nach Marktkapitalisierung

Professor Dr. Christoph Kaserer, der empirisch an der TU München zu Unternehmensfinanzierung, Kapitalmarkt und Finanzintermediation forscht, hält dem entgegen, dass die Märkte nicht am Schrumpfen sondern de facto am Wachsen sind: Zwar habe die Anzahl der gelisteten Unternehmen abgenommen, allerdings sei die Gesamtkapitalisierung des Aktienmarktes in allen Ländern, auch in Deutschland, stark gestiegen. „In den 90ern, die eine sehr positive Dekade für Aktien war, war der Kapitalmarkt wesentlich kleiner als heute,“ so Kaserer.

Professor Dr. Christoph Kaserer: Der Aktienmarkt wächst
Professor Dr. Christoph Kaserer: Der Aktienmarkt wächst

„Wenn wir als Maß die Börsenkapitalisierung nehmen, dann hatten wir in den 1990er Jahren als Durchschnitt 30% des BIPs. Wir sind in den 2000er Jahren bei einem Durchschnitt von 50%. Das ist auch die Größenordnung, die wir im Moment haben. Ein ganz deutliches Wachstum also,“ erklärte der Kapitalmarktexperte. Laut Kaserer ein Zeichen dafür, dass Kapitalmärkte letztlich doch gut funktionieren, wenn es darum geht den Unternehmen Kapital zu Verfügung zu stellen.Und: „Wenn die immer falsch liegen würden, dann gebe es keine ökonomische Rechtfertigung, dass diese Märkte wachsen.“

Bismarck ist schuld

Seit nun schon über hundert Jahren wurden die großen Risiken Krankheit und Alter vom Staat übernommen, das heißt seit über drei bis vier Generationen. Schuld ist der Vater unseres Sozialversicherungssystemes, Bismarck, so Kaserer. Daher hätte sich keine richtige Aktienkultur bilden, bzw. durchsetzen können. „Man sollte nicht vergessen, dass um 1900 Berlin die größte Börse der Welt war.“

Deutschland unterscheide sich aber insofern von anderen wachsenden Märkten, als  dass die Anleihemärkte stärker als die Aktienmärkte wachsen würden, was mit der Abstrafung der Aktie durch Besteuerung von Eigenkapital zu tun habe. Auch die Lebensversicherungen würden dafür sorgen, dass der Aktienmarkt hierzulande langsamer als der Anleihemarkt wachsen, weil Privatanleger so keine Anreize erhielten in Aktien zu investieren, die Lebensversicherungen wiederum traditionell vor allem in Anleihen investieren würden.

Deutsche Börse in der Kritik

Im Anschluss gab es noch eine angeregte Diskussion unter den Teilnehmern zur Frage warum es hierzulande keine zufriedenstellende Aktienkultur gibt und woran es mangelt. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass es trotz Bemühungen diverser Akteure, vor allem an der Bildung in den Schulen und an den Universitäten fehle. Auch eine eher kapitalmarktkritische Haltung deutscher Medien trage ihren Teil zu dieser Kultur bei. Viel Kritik gab es auch an der Deutschen Börse, die nach Meinung vieler Teilnehmer das Engagement für den Kassamarkt massiv zurückgefahren habe. „Die Deutsche Börse hat schon seit Jahren ihre Vision für den Primärmarkt verloren“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Mit Tapas und Wein versorgt saßen die Teilnehmer und das GoingPublic Media Team in gemütlicher Runde noch bis nach Mitternacht zusammen – zu vielfältigen Themen, wie dem bevorstehenden Eigenkapitalforum, Skulpturen und regionalen Dialekten.

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