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Möglich wird dies in der Theorie durch lückenlose Informationen über sämtliche Entscheidungsalternativen und deren Konsequenzen.

Die Analysen der klassischen Wirtschaftstheorie, die auf den Schotten Adam Smith zu Beginn des
17. Jahrhunderts zurückgeht, setzten demnach eine vollkommene Markttransparenz voraus und einen Menschen als perfekten, kalten und emotionslosen Rechenautomaten.

Dieses Modell erschien zwar schon damals so manchem unrealistisch, dennoch hat dieses vereinfachte Menschenbild bis in die Neuzeit der Wissenschaft enorme Fortschritte bei der Ausarbeitung ökonomischer Theorien ermöglicht. Hierzu zählt zum Beispiel die ‚Prospect Theory‘, die das strikt rationale Modell des Homo Oeconomicus durch ein Modell erweitert, in dem die Rationalität unter anderem durch so genannte kognitive Verzerrungen, also systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen, modifiziert wird.

Aus ‚Homo Oeconomicus‘ wird ‚Homo emotionalis‘

Weiter revolutioniert wurde die Betrachtungsweise durch moderne Forschungsansätze. Sie stellen einen Menschen in den Mittelpunkt, wie er tatsächlich ist, und nicht, wie er theoretisch sein sollte. Dazu zählen die Arbeiten des US-amerikanischen Wissenschaftlers Richard Thaler, wofür er 2017 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Er hat gezeigt, dass unter anderem begrenzte Rationalität, soziale Präferenzen und ein Mangel an Selbstbeherrschung systematisch Entscheidungen und Marktergebnisse beeinflussen. Der 73-jährige Pionier der Verhaltensökonomie belegt mit seinen langjährigen Untersuchungen, dass sich der Mensch – wie in anderen Lebensbereichen – auch bei wirtschaftlichen Fragen und der Geldanlage sehr stark von seinen Emotionen leiten lässt und weit weniger rational ist, als dies lange angenommen wurde.

Thaler unterscheidet zwischen dem „planerischen Ich“, das langfristig denkt und rationalen Beweggründen folgt, und dem „agierenden Ich“, das unstet ist, kurzfristig denkt und sich von Stimmungen und Emotionen leiten lässt. Eine Unterscheidung, die auf die verschiedensten Lebenssituationen zutrifft – zum Beispiel bei der Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, oder auch beim Konsumieren und Geldanlegen.

Thaler stellte diese Ambivalenz, also die langfristige Rigorosität und die kurzfristige Laxheit des Menschen in das Zentrum seiner Forschungen. Dafür standen unter anderem eine ganze Reihe von anthropologischen Fragestellungen im Blickpunkt: „Wie funktioniert das menschliche Gehirn?“, „Welche biochemischen Prozesse laufen dabei ab?“, „Wie treffen Menschen Entscheidungen?“ „Welchen Einfluss haben dabei psychologische Faktoren?“.

Auf Aspekten wie diesen und der Tatsache, dass regelmäßig irrationale Entscheidungen getroffen werden, basiert die Behavioral Finance. Denn Fehlentscheidungen und Herdenverhalten führen auch an den Finanzmärkten zu abweichenden Tendenzen von der Theorie des rational handelnden Homo Oeconomicus. Tatsächlich neigen Anleger in der Realität bei negativen wie auch positiven Nachrichten und Ereignissen an den Märkten zu emotionalen Übertreibungen. In der Folge entstehen Fehlbewertungen – sei es, dass einzelne Aktien übertrieben abgestraft oder übertrieben gefeiert werden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von der DPAM (Degroof Petercam Asset Management) verfasst.