Unternehmensfinanzierung sieht sich zunehmend in großem Maße Finanzinnovationen ausgesetzt. Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die klassische Unternehmensfinanzierung und das traditionelle Wertpapiergeschäft auf den Kopf zu stellen. Verantwortlich dafür sind sogenannte Security Token – aktuell das meistdiskutierte Thema in der Kryptowelt. Viele Experten sehen in ihnen die nächste Disruption. Von Prof. Dr. Philipp Sandner, Jonas Groß, Christoph Impekoven und Christian Labetzsch

Security Token werden in sogenannten Security Token Offerings (STOs) emittiert und sind mit wertpapierähnlichen Eigenschaften ausgestattet. In Form von Security Token können real existierende Vermögensgegenstände digital dargestellt werden („Tokenization“). Auf diese Art und Weise ist es möglich, handelbare Finanzierungsinstrumente wie Aktien oder Genussscheine in digitale Vermögensgegenstände auf der Blockchain „entmaterialisiert“ – also ohne Urkunde oder Handelsregister – notieren zu lassen. Auch Zahlungen an die Wertpapierbesitzer wie Dividenden können über Security Token abgebildet werden. Somit stellen sie eine Weiterentwicklung zu klassischen Wertpapieren wie Aktien oder Genussscheinen dar. Zudem haben STOs das Potenzial, Aktienemissionen, wie wir sie bisher kennen, herauszufordern.

Geringere Kosten als bei Aktienemissionen

Die Blockchain-Technologie gilt bislang als extrem sicher.
Die Blockchain-Technologie gilt bislang als extrem sicher.

Doch worin genau liegt der Vorteil von Security Token im Vergleich zu klassischen Wertpapieren? Typischerweise können vor allem KMU Aktienemissionen aufgrund der hohen Kosten nicht als Finanzierungsinstrument nutzen. Allerdings könnten Emissionskosten bei STOs erheblich geringer ausfallen, da Ausgaben in Bezug auf die Umsetzung der Platzierung überflüssig wären. Darüber hinaus können die „digitalen Wertpapiere“ in Zukunft jederzeit und unter geringeren Gebühren gehandelt werden. Auch das ist ein signifikanter Vorteil im Vergleich zum traditionellen Wertpapiergeschäft. Zudem wird das „Geldeinsammeln“ internationaler, sodass Geldgeber aus dem Ausland sich einfacher an den Emissionen beteiligen können.

STOs sind aus den sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs) hervorgegangen. Weit mehr als 10 Mrd. USD wurden 2017 und 2018 via ICOs in Start-ups investiert. Im Rahmen von ICOs wurden bis dato typischerweise Utility Token herausgegeben. Durch sie wird dem Käufer ein Recht auf zukünftige Dienstleistungen oder Ansprüche auf Produkte gewährt. Im Rahmen der großen ICO-Welle 2017 und 2018 gerieten auch betrügerische Emissionen in die Schlagzeilen. Allerdings ist nun der erste ICO-Hype vorüber, was sich am stark rückläufigen ICO-Volumen zeigt. Das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Utility- und Security Token ist, dass bei letzteren ein rechtlich anerkanntes Kapitalmarktkonstrukt mit den Zahlungen auf der Blockchain gekoppelt werden.

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