Ihrer Zeit voraus zu sein und auf der grünen Wiese radikal neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, das ist das Erfolgsgeheimnis der GAFA-Konzerne: Google, Amazon, Facebook und Apple. Dass auch Banken immer stärker nach Innovation und Agilität streben, ist nur folgerichtig: Nachdem Google und Apple bereits Bitcoin, Ethereum & Co. in ihren App Stores anbieten, will sich nun auch Facebook mit der eigenen Kryptowährung – Libra – sein Stück vom Finanzkuchen sichern. Von Karl im Brahm

Um GAFA nicht das Feld zu überlassen, denkt sogar schon die Unionsfraktion darüber nach, einen digitalen Euro einzuführen – mit dem Ziel, einen Teil der bestehenden Geldmenge zu digitalisieren. Banken und Vermögensverwalter sind heute immer öfter mit dem Wunsch ihrer Kunden konfrontiert, digitale Assets in ihr Anlageportfolio zu integrieren. Die Devise muss lauten, sich den neuen Marktbedingungen anzupassen.

Krypto-Assets werden sich durchsetzen

www.libra.org
www.libra.org

In der Biologie gilt, dass nur diejenigen Vertreter einer Spezies überleben, die an ihren Lebensraum am besten angepasst sind. Übertragen auf Finanzinstitute bedeutet das: Anstatt über GAFA zu klagen, sind Banken gefordert, den Kampf mit den Bigtechs aufzunehmen. Denn ohne Gegenwehr könnten GAFA auch die Finanzdienstleistungsbranche in schwindelerregendem Tempo erobern. Banken und Wealth Manager haben gar keine andere Wahl, als ihr Leitungsportfolio um Kryptowährungen bzw. Krypto-Assets zu erweitern. Selbst wenn der Bitcoin-Hype vorbei sein mag, schreitet die technologische Weiterentwicklung doch rasant voran – zumal Tokenisierung ebenfalls auf Blockchain-Technologie beruht. Auch die BaFin stellt sich der technologischen Entwicklung und bezeichnet den Token bereits als eigene Wertpapiergattung[1].

Kryptografietechnologie nur schwer zu verstehen

Viele Investoren zögern noch, sich mit den neuen Krypto-Assets auseinanderzusetzen, sehen aber auch keine Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Auch Banken und Wealth Manager haben Bedenken gegenüber der disruptiven Technologie – ist sie doch sehr komplex und schwer verständlich. Wie steht es um Compliance-Konformität und Marktliquidität? Wie lassen sich digitale Assets überhaupt in das Portfolio aufnehmen? Entsprechend fragen sich auch die Anleger, wie Kryptographie funktioniert, wie sicher sie ist und wie sie Anbieter identifizieren können, die vertrauenswürdig und liquide sind.

One-Stop-Shop für alle Geldanlagen

Finanzinstitute, die den Trend heute nicht aufgreifen, werden die entstehenden Lücken später nicht mehr schließen können – und von der Marktentwicklung abgehängt. Ein Ansatz für einen zügigen Markteintritt besteht darin, Teile der Krypto-Wertschöpfungskette an spezialisierte Anbieter, konkret an Kryptodienstleister, auszulagern. Im Idealfall positionieren sich Banken und Vermögensverwalter aber sogar selbst als Kryptotreuhänder der digitalen Assets ihrer Kunden. Der große Vorteil: Wenn sie Krypto-Assets nahtlos in ihre bestehende Kernbankenlösung einbinden und den gesamten Prozess auf derselben Plattform abbilden, bieten sie einen One-Stop-Shop für alle Finanzanlagen – Kunden können bei ihnen dann genauso in traditionelle wie in Kryptoanlagen investieren. So haben Finanzinstitute weiterhin die Hoheit über die Daten ihrer Kunden und die Sicherheit ihrer Portfolios. Auf diese Weise bauen sie ihre Rolle als vertrauenswürdiger und innovativer Finanzpartner aus, behalten die Kontrolle über sämtliche Vermögenswerte sowie Cashflows und erfüllen die Bedürfnisse ihrer Kunden auch in der neuen Krypto-Asset-Welt.

Detaillierte Informationen, Statistiken und Lösungsansätze zu Krypto-Assets und Tokenisierung finden Sie im Whitepaper „Digital Assets hit the wealth management main stream“ von Avaloq .

[1] BaFin Fachartikel: Tokenisierung, 15. April 2019, https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2019/fa_bj_1904_Tokenisierung.html

 

Über den Autor

Karl im Brahm

Karl im Brahm ist CEO der Avaloq Sourcing (Europe) AG und verantwortet als Head of Germany der Avaloq in Deutschland die Aktivitäten der Avaloq Gruppe im deutschen Markt. Er war unter anderem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Deutschen Postbank sowie Mitglied des Vorstands bei der S Broker AG und der Deutschen WertpapierService Bank AG. Bevor er 2018 als Vorstandsvorsitzender zu Avaloq wechselte, hatte er als CEO einer Beratungsgesellschaft diverse Mandate für Digitalisierungs- und Vertriebsprojekte bei verschiedenen deutschen Großbanken inne.