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Auto, Kühlschrank, Personal-Computer – mit dem Platzen der Blase kam der Durchbruch

Nehmen wir das Beispiel Auto: Im Jahr 1886 präsentierte Gottlieb Daimler den ersten Daimler-Wagen (eine Kutsche mit Motor). Doch die Menschen vertrauten erst mal weiterhin Pferden. In den USA versuchten sich hunderte Unternehmen daran, der Masse das Automobil schmackhaft zu machen. Das gelang erst Henry Ford 1914, indem er die Fließbandfertigung im Automobilbau anwendete. Die Anzahl der Automobilfirmen nahm danach rasant ab und seitdem wird der Markt von einer Handvoll Firmen (noch) beherrscht.

Dieser Mechanismus lässt sich nicht nur beim Automobil beobachten, sondern eigentlich bei jeder neuen Technologie. Ob Eisenbahn, Radio, TV, Kühlschrank oder PC – anfangs gibt es viele Player, die mit neuen Technologien experimentieren. Doch nur einige wenige finden den “richtigen Dreh”. Ist der allerdings gefunden, steigt die Anzahl der Nutzer in kurzer Zeit rasant an, während die große Masse an Firmen untergeht oder übernommen wird. Die verbleibenden Player dominieren den neu geschaffenen Markt und machen die alte Technologie (z. B. Kutschen oder Schreibmaschinen) irrelevant.

Bei der Dotcom-Blase war es nicht anders: Als die Blase platzte, explodierte die Anzahl der Internet-Nutzer. Die heute global dominierenden Internetfirmen (z.B. Google, Alibaba, PayPal, Netflix, Salesforce, Priceline, Tencent, Baidu, VMware, etc.) wurden alle während der Blase gegründet.

Blinder Aktionismus keine gute Idee
Ich halte es also für falsch, die Relevanz von FinTech aufgrund der Blase in Frage zu stellen. Die FinTech-Blase ist der Vorbote einer Disruption, die die Welt mit Sicherheit verändern wird. Zwar wird eine Menge Geld verbrannt werden (deswegen heißt es Risikokapital) und es werden viele Startups auf der Strecke bleiben (das tun die meisten) doch mit Sicherheit werden FinTech-Services ein gutes Stück einfacher, smarter, transparenter, kostengünstiger, bequemer und zugänglicher sein als heutige Bank-Dienstleistungen. Die entsprechen nämlich nicht den Ansprüchen der Digital Natives: Bei den Millennials ist sogar der Zahnarztbesuch beliebter als Bankangelegenheiten.

In Zeiten des Wandels ist blinder Aktionismus jedoch das falsche Rezept. Wer – getrieben von Buzzwords wie „Digitalisierung“ oder „Digitale Transformation“ – einfach nur bestehende Geschäftsmodelle digitalisiert und Technologie zum Selbstzweck einsetzt, der wird in der Finanzwelt von morgen vermutlich keinen Platz mehr haben. Denn Technologie ist nur das Mittel zum Zweck. Die beste Technologie nützt nichts, wenn sie an den Bedürfnissen der Kunden vorbeizielt.

Mit einer Vision zur Disruptionhttp://www.break-through.ventures
Disruption resultiert nicht automatisch aus dem Einsatz neuer Technologien. Das Potenzial für Disruptionen im Finanzbereich besteht vielmehr aus zwei Faktoren: Erstens dem Effizienzsteigerungspotenzial durch Digitalisierung und zweitens durch die wahrgenommene Qualität und Convenience des Kundenerlebnisses. Je höher die Erstere und je tiefer das Letztere desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Disruptor den Markt grundlegend verändert.

Erfolgreiche Digitalisierung beginnt also mit einem fundierten Verständnis der zukünftigen Kundenbedürfnisse und – daraus abgeleitet – einer eigene Vision der digitalen Zukunft. Diese Vision zu entwickeln, ist der Schlüssel zum Erfolg und die wichtigste strategische Herausforderung für alle Player im Finanzmarkt.

Reto Schnyder ist Gründer und Geschäftsführer von BREAK / THROUGH Ventures, einem der führenden Innovationsdienstleistern in Europa.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.

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