Einen Tech-Boom an den europäischen Börsen konnte man 2016 wohl kaum beobachten: Einer Analyse der Investmentbank Bryan Garnier zufolge sank die Zahl der europaweiten Tech-IPOs (Technologie inkl. MedTech, Medien, Telekom) im vergangenen Jahr von 59 auf 52.

IPO_vs_Privatplatzierungen. Quelle: Bryan Garnier
IPO vs. Privatplatzierungen. Quelle: Bryan Garnier

Das in diesem Rahmen eingesammelte Kapital verringerte sich im Vergleich zu 2015 um 37% von 10,7 Mrd. auf 6,7 Mrd. EUR.  Auffällig jedoch: Die Zahl der Privatplatzierungen im Tech-Bereich stieg 2016 von 217 auf 255  – das damit einhergehende Transaktionsvolumen wuchs von 8,1 auf 8,3 Mrd. EUR heran. Damit sammelten Tech-Unternehmen 2016 zum ersten Mal seit 2012 mehr Kapital im Rahmen von Privatplatzierungen als über die Börse ein.

Die Zahl der Privatplatzierungen hat sich seit 2012 von 122 auf 255 verdoppelt, das Volumen stieg in diesen fünf Jahren sogar um 160% auf 8,3 Mrd. Euro.

Größte Privatfinanzierung in Deutschland

Die größte private Finanzierungsrunde ging in Deutschland über die Bühne: Im April 2016 schloss die Global Fashion Group (GFG) eine Finanzierungsrunde in Höhe von 330 Mio. EUR ab. Am aktivsten erwies sich aber Frankreich mit gleich vier großen Privatplatzierungen in Größenordnungen zwischen 100 und 250 Mio. EUR, gefolgt von Großbritannien.

Mit Scout 24 und Trivago schafften es 2016 immerhin zwei deutsche Unternehmen unter die europäischen Top Ten Börsengänge im Tech-Bereich, wobei Trivago hierfür die Nasdaq statt der Deutschen Börse wählte. Am besten vertreten unter den Top Ten IPO-Börsenplätzen war Großbritannien mit drei Börsengängen (AutoTrader, Microfocus und Playtech), gefolgt von Frankreich mit zwei IPOs (ASML und Moneysupermarket). Größtes europäisches Tech-IPO mit einem Emissionsvolumen von 2,1 Mrd. Euro war im September der Börsengang des dänischen Anbieters von Zahlungslösungen Nets A/S.

Auch in den USA schwächelte der Markt für Tech-IPOs, stattdessen wurden große Börsengänge wie der von AppDynamics in letzter Minute  durch strategische Käufer vereitelt – das Unternehmen wurde zu einer Premiumbewertung von Cisco übernommen.

Positive Aussichten für Techs

Für 2017 erwartet Bryan Garnier wieder eine steigende Zahl von Börsengängen und verweist beispielsweise auf die gut gefüllte Pipeline an der Nasdaq – nach dem erfolgreichen Debut von Snap stehen in Kürze vermutlich IPOs von bekannten Techs wie Spotify und Dropbox an. „Diese Börsengänge könnten als Eisbrecher fungieren, nachdem das IPO von Snapchat eine gemischte Erfolgsbilanz aufweist, die Aktie aber immerhin noch über Ausgabepreis notiert,“ so Greg Revenu, Mitgründer von Bryan Garnier. „Mit sechs bis 12 Monaten Verzögerung dürfte sich dieser Aufschwung dann auch in Europa bemerkbar machen.“

Besonders gefragt in Sachen Privatplatzierungen bei institutionellen und strategischen Investoren seien im laufenden Jahr Technologieunternehmen im Automotive-Bereich, etwa Anbieter von Lösungen für die Elektromobilität oder das autonome Fahren, so die Analysten von Bryan Garnier. Auch die Themen Augmented Reality und Künstliche Intelligenz stehen aktuell hoch im Kurs. Zudem gelten Anbieter von SaaS-Lösungen (Software as a Service) mit starken wiederkehrenden Umsätzen als besonders attraktiv.

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