Der Goldpreis erlebt gerade ein Allzeithoch – in Euro. Ausgedrückt in seiner offiziellen Währungen US-Dollar stand Gold wiederum seit sieben Jahren nicht mehr so gut da wie heute. Robert Steininger* über Tipps von Goldspezialist Harald Seiz, Karatbars International.

Anleger, die ihr Vermögen absichern oder auch an Preissteigerungen teilhaben wollen, fragen sich unwillkürlich: Wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt, in Gold zu investieren? Geht es nach Harald Seiz, CEO und Gründer der Karatbars International GmbH, ist die Antwort einfach: „Immer!“ Bevor jetzt aber Privatinvestoren online wie offline sofort zum nächsten Goldladen laufen, um ihre Euros gegen Gold zu tauschen, geht der Unternehmer jedoch ins Detail. Hier seine Tipps:

Goldbarren. Quelle: Pixabay.
Goldbarren. Quelle: Pixabay.

„Der Goldpreis ist von unzähligen Faktoren abhängig. Niemand weiß, wie er sich entwickelt. Es wäre also vermessen, bestimmte Zeitpunkte zum Einsteigen zu nennen“, so der Karatbars-Chef. Mit den namensgebenden Karatbars bietet Seiz selbst Goldbarren von ein bis fünf Gramm an – und mit CashGold Kleinstbarren, eingearbeitet in einem eigens dafür entwickelten Produkt in den Einheiten 0,1 Gramm, 0,2 Gramm und 0,4 Gramm.

Worauf Seiz anspielt: Nicht nur folgt der Goldpreis dem klassischen Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, sondern etlichen anderen Einflüssen, nicht zuletzt auch staatlichen Interventionen und den Zentralbanken. Die Interessenlage der rund 200 Nationalbanken und Organisationen wie IWF und EZB ist dabei vielschichtig und obendrein auch durchaus widersprüchlich: Einerseits horten sie Gold und freuen sich über einen entsprechend hohen Preis. Dann wiederum sind sie ein großer Nachfrager und wünschen sich einen möglichst niedrigen Kurs. Und schließlich haben gerade die großen Länder keinerlei Interesse daran, dass der Preis besonders steigt – da sie in diesem Fall um das Vertrauen in ihre Währungen fürchten, den sogenannten Fiat-Währungen.

Schon ohne solche Kapriolen ist Gold für Seiz kein normales Anlageprodukt: „Ich empfehle Gold zur Vermögensabsicherung und um im Krisenfall auf ein weltweit akzeptiertes Tauschmittel Zugriff zu haben. Der konkrete Preis ist daher fast zweitrangig. Denn dass Gold seinen festen, unerschütterlichen Wert hat, hat das Edelmetall in mehreren Jahrtausenden bewiesen.“

Daher sei der jeweilige Kaufzeitpunkt – mit einem vermeintlichen hohen oder niedrigen Preis – tatsächlich egal. Denn für Seiz ist Gold kein herkömmliches Anlageobjekt: „Gold wirft keine Zinsen ab, sondern dient anderen Aufgaben. Sollte es also zu einer Krise kommen, in der Alternativen wie Gold gefragt sind, hat Gold automatisch einen hohen Wert – in den entsprechenden Währungen, noch mehr aber, um sich damit die wichtigen Dinge des Lebens zu kaufen.“

Eine weitere Funktion, die so den jeweiligen Goldkaufpreis ebenfalls zweitrangig macht, führt der Karatbars-CEO ebenfalls aus: „Sollte es zu einem Währungscrash kommen – wegen einer Katastrophe, einer Wirtschaftskrise oder weil die labile Euro-Konstruktion zusammenbricht –, sichert Gold das Vermögen ab. Paradoxerweise wird aber sein Wert immer in Fiat-Währungen ausgedrückt – für die Gold aber gerade eine Alternative bieten soll. Das zeigt, wie wenig aussagefähig der absolute Preis in Euro oder Dollar ist. Denn im Ernstfall ist dieser gar nicht relevant.“

Kein Wunder, dass Seiz seit Jahren zum Goldkaufen ermuntert. In nahezu prophetischer Weise hat er hierzu im Jahr 2017 ein Buch geschrieben: Die Zukunft des Geldes: Wie Gold unser Zahlungssystem revolutionieren wird“. Gerade ein Goldprofi wie Seiz betont, dass man grundsätzlich den Goldpreis nicht voraussagen kann – wie alles, was in der Zukunft liegt: „Niemand hat die berühmte Glaskugel, aber eins ist klar: Krisenzeiten befeuern in der Regel den Goldpreis. Dann also erst einzusteigen, ist naturgemäß teurer, als sich schon in Schön-Wetterphasen mit Gold einzudecken. Das aktuelle Allzeithoch bei Preisen um 1.600 EUR je Unze zeigt dieses Strickmuster: Wer sich in ruhigen, sicheren und stabilen Vor-Corana-Zeiten mit Gold bei Preisen von unter 1.150 EUR eingedeckt hat, kann sich nun über eine schöne Rendite freuen – wohlgemerkt aber nur dann, wenn er verkauft.

*) Robert Steininger ist Spezialist für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online-Strategien, Investment-Strategien und Verhaltensanalyse.