Bildnachweis: ©Björn Wylezich – stock.adobe.com, Wacker Neuson.

Ja, selbst die Baubranche ist durch die Pandemie betroffen, was auch den Baumaschinenhersteller Wacker Neuson getroffen hat. Die Wachstumsziele mussten verschoben werden – Hoffnung weckt aber der Wandel der Branche hin zur Digitalisierung und zu emissionsarmen Antrieben.

Wacker wurde 1848 von Johann Christian Wacker in Dresden als Schmiede gegründet. Zug um Zug erweiterte Wacker sein Produktportfolio und zeichnete sich in den 1930er-Jahren vor allem durch Innovationen im Bereich der Beton- und Bodenverdichtung aus. Nach der Zerstörung des Produktionswerks in Dresden verlegte Wacker die Zentrale mit der Eröffnung des Firmensitzes 1951 nach München. Fortan expandierte das Unternehmen zuerst in die USA und baute seine internationale Präsenz weiter aus. Nach der Umstrukturierung 2002 in eine AG und durch diverse Akquisitionen 2005/06 wurden die Geschäftsfelder erweitert; zudem fasste Wacker im Segment der Kompaktbaumaschinen und der Landwirtschaft Fuß. 2007 ging Wacker an die Börse, um kurz darauf mit der Neuson Kramer Baumaschinen AG zu fusionieren. 2009 erfolgte schließlich die Umfirmierung in die heutige Wacker Neuson SE, an der die Familien Wacker und Neunteufel mit 58% die Mehrheitseigner bilden.

Verzweigte Unternehmensstruktur

Wacker Neuson ist weltweit mit mehr als 50 Tochterunternehmen und insgesamt 5.500 Mitarbeitern tätig und beliefert hauptsächlich Kunden aus dem Baugewerbe, dem Garten- und Landschaftsbau, der Landwirtschaft und der Recyclingbranche. Der Geschäftsbereich Baugeräte (Light Equipment) beinhaltet Produkte mit einem Gewicht von bis zu 3 Tonnen und umfasst Stampfer, Rüttler, Rüttelplatten, Hämmer und Schneidewerkzeuge. Im Bereich Kompaktbaumaschinen (Compact Equipment) bis 14 Tonnen werden Bagger, Radlader, Teleskoplader, Kompaktlader und Dumper angeboten. Das dritte Segment Dienstleistungen rundet das Portfolio ab.

Coronabeschränkungen beeinflussen Geschäftszahlen

Nachdem Wacker Neuson in den letzten drei Jahren jeweils mit ca. 12% gewachsen ist (Umsatz 2019: 1,9 Mrd. EUR), hinterlässt das aktuelle Coronajahr Spuren. So musste das Unternehmen schon das dritte Quartal in Folge Umsatzeinbußen hinnehmen. Der Gruppenumsatz betrug zuletzt 17% weniger als 2019. Der mit 80% der Umsätze wichtigste europäische Markt erwies sich dabei mit nur 8% unter 2019 noch als am stabilsten. In der DACH-Region konnte der Umsatz sogar konstant gehalten werden. In Amerika dagegen brachen die Erlöse um 43% ein, in Asien stiegen sie indes vor allem dank China minimal um 1% auf 15 Mio. EUR. Auf Neunmonatssicht ergab sich ein EBIT von 73 Mio. EUR; 2019 noch waren es 127 Mio. EUR. Da das Ende der Pandemie mit ihren nicht abschätzbaren Auswirkungen auf Absatzmärkte und Lieferketten noch nicht absehbar ist, hat der Vorstand seine im März 2018 gesetzte mittelfristige Strategieplanung 2022 um ein bis zwei Jahre verschoben. Ursprünglich sollte der Umsatz auf über 2 Mrd. EUR steigen und eine EBIT-Marge von über 11% erreicht werden.

Fokus auf Digitalisierung und Emissionsreduktion

Hoffnung macht dem Management der digitale Wandel in der Baubranche. Rund 10% der Beschäftigten arbeiten im F&E-Bereich, um sich für digitale Dienste und Vernetzung entsprechend aufzustellen. Zudem rücken umweltfreundliche Lösungen und alternative Antriebe zunehmend in den Fokus. Seit 2014 elektrifiziert Wacker Neuson seine Baumaschinen insbesondere im Bereich Light Equipment unter der Prämisse, dass sie die gleiche Leistungsfähigkeit wie die Verbrennerversion aufweisen. Die großen Geräte aus dem Compact Equipment werden zwar noch fossil bleiben – aber auch hier geht die Entwicklung hin zur Elektrifizierung oder zumindest zum Betrieb durch alternative Kraftstoffe. So wirbt das Unternehmen damit, als einziger Hersteller eine komplette Baustelle in der Stadt völlig ohne Feinstaub- und Stickoxidbelastung bearbeiten zu können, was ein Projekt im Januar 2020 in Kopenhagen auch bestätigte. Der Umsatz der emissionsfreien Baumaschinen verdoppelt sich seit 2015 jährlich.

Wechsel im Management

Neben den Belastungen durch Corona sorgte Mitte November die Meldung über einen Wechsel im Top-Management für Unruhe unter Aktionären: CEO Martin Lehner und CFO Wilfried Trepels scheiden aus. Letzterer schon am 30. November, Ersterer zum Jahresende. Beide waren die Antreiber hinter den 2017 begonnenen Strukturreformen. Lehner – Vorstandsmitglied seit 2007 – hat sich dazu nachdrücklich für die Transformation in ein Cleantechunternehmen starkgemacht. Aufsichtsratsmitglied Kurt Helletzgruber übernimmt nun mit sofortiger Wirkung die Position des CFOs und zum Jahreswechsel auch die als CEO. Dies allerdings nur vorübergehend: Eigentümer und Aufsichtsrat wollen diese – zumindest für Außenstehende – unerwartet aufgetretene Baustelle rasch wieder schließen. Der Aktienkurs brach um 11% ein, erholte sich seither aber davon.

Wertentwicklung

Da der Wachstumseinbruch sich als nicht so gravierend herausstellte wie noch bei Ausbruch der Pandemie befürchtet, hat sich die Aktie von ihrem Vieljahrestief Mitte März wieder lösen können. Dennoch befindet sich der Kurs seit Anfang 2018 im Abwärtstrend. Während 2017 für die Aktionäre noch das erfolgreichste Jahr überhaupt darstellte und ein Allzeithoch von über 33 EUR erreicht wurde, hat das 2017 ausgerufene Restrukturierungsprogramm bei Investoren im Nachhinein offenbar nicht den gewünschten Anklang gefunden. Insgesamt ist die Aktie im Zehnjahresvergleich unter Renditeaspekten sicher nicht im vordersten Feld zu finden. Der eingeschlagene Weg hin zu einem Cleantech-Baumaschinenproduzenten benötigt eben Zeit.

Autor/Autorin

Ike Nünchert

Ike Nünchert ist freier Autor für das GoingPublic Magazin sowie für GoingPublic Online.