Eine vom börsennotierten Prozessfinanzierer Foris AG und der Online-Plattform AdvoAssist durchgeführte Legal-Tech-Studie zeigt, dass sich der digitale Wandel bei den Rechtsanwaltskanzleien in Deutschland bisher noch nicht voll durchgesetzt hat.

So werde das Internet von Anwältinnen und Anwälten in erster Linie als Nachschlage- und Informationstool genutzt: 65% der gesamten Internetzeit wird laut Studie für entsprechende Anwendungen aufgewandt. Mit weitem Abstand folgen auf Rang zwei mit einem Anteil von 9% professionelle Plattformen für Terminsvertretung. Gerade einmal 2% der Zeit wird dem Besuch von Recruiting-Seiten gewidmet.

Qualität statt Quantität

Auffällig ist zudem  die länge der Zeit, die Anwälte pro Tag im Internet verbringen: Rund 133 Minuten sind Juristen täglich im Netz unterwegs. Das sind 5% mehr als 2016 und liegt knapp 21% über dem im Jahr 2014 für das Internet verbrauchten Zeitbudget. „Das Problem ist nicht die Nutzungsdauer, sondern die Nutzungsart“, betont Hanns-Ferdinand Müller, Vorstand der Foris AG.

Quelle: Foris AG/ AdvoAssist
Quelle: Foris AG/ AdvoAssist

Da verwundert es nicht, so die Foris-Studie, dass die Mandantenakquise nach wie  vor  eher  traditionell vonstatten geht: 95% der Befragten bezeichnen die traditionelle „Weiterempfehlung durch Mandanten“ als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ für die Gewinnung neuer Mandanten. Immerhin 64%  sagen das auch von der Kanzleiwebseite, die damit im Vergleich der digitalen Kanäle deutlich führt. Auf Platz drei der Liste folgt die Kooperation mit anderen Anwälten und Kanzleien, die 37 Prozent der Befragten als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ einordnen. Auf den hinteren Rängen rangieren eigene Veröffentlichungen (18%) und der eigene Blog (13%).

Andere digitale Kanäle wie Rechtsanwaltsverzeichnisse und Bewertungsportale (29%) oder Anzeigen im Internet (26%) finden sich im Mittelfeld wieder. „Es erstaunt schon, dass von den vielen nutzbaren digitalen Kanälen lediglich die Webseite es geschafft hat, sich als Instrument zur Mandantenakquise nachhaltig zu etablieren“,erklärt  Jan Simon Raue, Partner bei AdvoAssist.

„Wer heute noch die Webseite als sein wichtigsten Online-Tool bezeichnet, ist zumindest nicht gerade an der Spitze der Digitalisierungsbewegung“, ergänzt Müller.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de