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Photovoltaik-Anlage in einer chinesischen Stadt; Foto: Wing, Wikimedia Commons

 

Von Dr. Gebhard Zemke, Partner and Head of China Desk (Hamburg), und Tim Sichting, Audit Senior Manager, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Ende 2011 hat der IWF die erwarteten Wachstumsraten für asiatische Entwicklungsländer von 8% auf 7,3% gesenkt. Hauptgrund dafür sei ein schwächeres Exportwachstum, insbesondere in Europa. Für China fiel die IWF Wachstumsprognose für 2012 von 9% auf 8,2%. Chinas industrielles Wachstum hat in den letzten Monaten abgenommen, wenngleich die industrielle Produktion immer noch leicht zunimmt.

Auch Chinas Exportwachstum hat in der vergangenen Zeit abgenommen, zum Teil aufgrund geringerer Nachfrage in Europa, aber auch wegen der Aufwertung der chinesischen Währung RMB. Diese Entwicklungen können für die chinesische Cleantech-Szene Gefahren bergen. Kurzfristige Auswirkungen beziehen sich hauptsächlich auf sinkende Exporte im Bereich Erneuerbare Energien, wie in den Bereichen Wind und Solar. Die Nachfrage bei den erneuerbaren Energien ist abhängig von Staatsprogrammen und Subventionen, wie z.B. Einspeisetarifen, welche in vielen für China wichtigen Absatzländern mit Budgetproblemen zu kämpfen haben. Darunter fallen schuldengeplagte Länder wie Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. In den Vereinigten Staaten bestehen ebenfalls hohe Staatsbudget-Defizite, was die Aufrechterhaltung von Cleantech-Förderprogrammen nicht erleichtert.

Verstärkte Cleantech-Förderprogramme

Als Antwort auf die derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen und ihre Auswirkungen auf die Cleantech-Szene hat die chinesische Regierung 2011 ihre bereits ambitionierten Ziele zur Entwicklung der erneuerbaren Energien durch den 12. Fünfjahresplan nochmals angehoben. So sind im Bereich Windkraft bis zum Jahre 2015 nun kumuliert 100 GW an installierter Gesamtkapazität geplant. Während der Fokus bis 2020 hauptsächlich auf der Entwicklung von Onshore-Windkraft liegen wird, sollen nach 2020 On- und Offshore-Windressourcen gleichermaßen ausgebaut werden. Als Antwort auf Probleme in der Vergangenheit mit Netzanschlüssen und geringen Windkraft-Kapazitätsfaktoren hat China ein Elektrizitätserzeugungsziel i.H.v. jährlich 190 Terawattstunden bis 2015 eingeführt.

Ähnlich ambitioniert sind die neu gesteckten Ziele für den Ausbau der Solarenergie. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission Chinas (NDRC) hat ihre landesweiten Solarentwicklungsziele bis 2015 auf 15 GW insgesamt installierte Kapazität erhöht, auch um potenzieller Nachfrageschwäche aus Europa zu begegnen. Das neue Ausbauziel beinhaltet 10 GW für Groß-Solar-PV-Anlagen, 1 GW für Concentrated Solar Power (CSP) und 4 GW für dezentrale PV-Anlagen. Für 2020 ist das landesweite Ziel 50 GW Kapazität.

Herausforderung Finanzierung

Durch die hohen Kosten für Erneuerbare-Energien-Projekte sind Finanzierungsquellen zum Flaschenhals geworden. Schuldenfinanzierung wie Bankkredite oder Schuldverschreibungen stellen derzeit die Hauptquellen für die Finanzierung von Wind- und Solarkraft dar, wenngleich günstige Finanzierungsbedingungen nur staatseigenen oder Großbetrieben zur Verfügung stehen. Direkte Regierungsförderung für Wind- und Solarkraft schließt Steuergutschriften, Einspeisevergütungen, bevorzugte Landnutzungsrichtlinien und Niedrigzins-Kredite ein. Nichtsdestotrotz sind die derzeitigen Erneuerbare-Energien-Tarifzuschläge nicht ausreichend, um Projekte der erneuerbar Energien rentabel zu betreiben.

Chinas Solar-PV-Industrie

Solarproduzenten sehen sich unsicheren Zeiten gegenüber: Während globale Solar-PV-Märkte weiter wachsen werden, haben rapide fallende Preise, instabile Subventionierungsstrukturen und Modul-Überversorgung zu fallenden Margen über die ganze Wertschöpfungskette geführt. Chinesische Billigproduzenten bauen ihre Produktionskapazitäten auf neue Rekordmaße aus, womit sie Preise und Margen weiter verringern. Mit zunehmendem Wettbewerb aus dem Heimatmarkt hat sich gleichzeitig der Druck auf Profite und Marktanteile verstärkt. Kurzfristig wird die Zahl der Produzenten in China nicht abnehmen, wenngleich es mittelfristig wohl zu Konsolidierungsprozessen kommen wird. Produzenten, die bereits jetzt Kostenvorteile besitzen, werden dadurch voraussichtlich weiter in Größe und Marktanteil wachsen.

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