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Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Prof. h.c. Ludwig Georg Braun möchte man damit ein Statement zum Qualitätsbewusstsein und der Modernität vermitteln. Werte, die im Gesundheitssegment, in dem das Unternehmen tätig ist, sicher nicht schaden können. B. Braun fertigt mit über 35.000 Mitarbeitern weltweit Produkte für Krankenhäuser, Apotheken oder Ärzte und trägt mit seinen Dienstleistungen dazu bei, die Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen zu optimieren. Auch über die letzten Jahre hinweg ist das Unternehmen sowohl über Akquisitionen, aber auch organisch gewachsen. 78% der Umsätze von über 3,6 Mrd. Euro werden im Ausland erwirtschaftet. Das Unternehmen ist – obwohl eine Aktiengesellschaft – ausschließlich in Familienbesitz und wird mittlerweile in fünfter Generation geführt.

Von der Apotheke zum Großkonzern
Mit dem Erwerb der Rosenapotheke 1839 in Melsungen durch Julius Wilhelm Braun begann die Geschichte des Unternehmens. Dessen Sohn Bernhard startete mit der Produktion pharmazeutischer Produkte; seitdem wurde das noch kleine Unternehmen als B. Braun bezeichnet. 1914 begann man mit der Produktion von Blutdruckmessgeräten. Die erste Eröffnung einer ausländischen Produktionsstätte folgte 1925 in Mailand. Zum hundertjährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 1939 waren es 500 Mitarbeiter, 1958 bereits doppelt so viele. 1975 erwarb das wenige Jahre zuvor in eine AG umgewandelte Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an der im 19. Jahrhundert in Tuttlingen gegründeten Aesculap AG & Co KG, die 1998 als Sparte „Aesculap“ (chirurgische Systeme) in B. Braun eingegliedert wurde. Weitere Sparten befassen sich mit Konzepten für Kliniken („Hospital Care“, ca. 50% des Gesamtumsatzes), ganzheitlicher Patientenversorgung („Out Patient Market“) und Medizintechnik.

Internationale Expansion
Seit den 70er Jahren wuchs B. Braun durch nationale und internationale Akquisitionen, aber auch durch Gründung internationaler Produktionsstandorte. 1973 eröffnete man einen Produktionsstandort in Malaysia, 1979 erfolgte die Gründung der B. Braun of America, und 1997 erfolgte mit dem Erwerb der kalifornischen McGaw, Inc. die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte. Auch auf nationaler Seite blieb man nicht untätig, wovon mittlerweile mehr als zehn verschiedene deutsche Standorte zeugen. Heute verfügt B. Braun über Tochterunternehmen in mehr als 50 Ländern; von mittlerweile ca. 38.000 Mitarbeitern sind 10.000 in Deutschland tätig, wobei die Umsatzerlöse zu fast 80% aus dem Ausland kommen. Zu diesem Netzwerk gehören Vertriebsgesellschaften, reine Produktionsgesellschaften und organisatorische Einheiten.

Transparenz als Maxime
Der Slogan des Unternehmens „Sharing Expertise“ ist Programm. Im Vergleich zu vielen anderen Familienunternehmen gibt sich B. Braun – wohl auch aufgrund der AG-Struktur – vergleichsweise offen, woran auch Ludwig Georg Braun, der das Unternehmen seit über 30 Jahren führt, seinen Anteil hat. Braun, der zwischen 2001 und März 2009 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags war, betont, dass diese Transparenz, die ja auch Transparenz von Wissen bedeute, ausdrücklich erwünscht sei. Analog dazu soll die futuristische Architektur des 2001 eröffneten Unternehmenssitzes in Melsungen sowohl Modernität, Qualität als auch Offenheit symbolisieren. Passend dazu wurden alternative Bürokonzepte eingeführt, die zu mobilen Arbeitsplätzen der Mitarbeiter führten – kein Mitarbeiter sollte mehrere Tage am gleichen Platz arbeiten, aber auch unnötige Hierarchien sollten dadurch abgebaut werden. Möglich wird dies durch eine ausgefeilte IT, da man bei B. Braun schon seit Jahren weitgehend auf Papier verzichten kann – und so ein Mitarbeiter nur mit dem Nötigsten versehen auch den Platz wechseln kann. Dahinter steht auch eine Beschleunigung der Prozessabläufe, was in einem Geschäft, das entscheidend durch logistische Abläufe und den Begriff „time to market“ geprägt ist, entsprechend wichtig genommen werden muss. Wie die Wachstumsraten der letzten Jahre zeigen (Umsatz 2006: 3,32 Mrd. Euro, Umsatz 2008: 3,79 Mrd. Euro), hat dies durchaus zum Erfolg des nordhessischen Unternehmens beigetragen. Dennoch waren auch bei B. Braun kostensparende Maßnahmen erforderlich. Am Melsunger Hauptsitz schloss B. Braun 2005 einen Standortsicherungsvertrag, dem fast alle Beschäftigten zustimmten und der bis über das Jahr 2014 verlängert werden soll. Hätten sich die Beschäftigten damit nicht zu zusätzlicher Arbeit ohne Lohnausgleich verpflichtet, wäre ein neues Werk in Spanien und nicht in Nordhessen errichtet worden.

Fazit
Bestimmte Eigenheiten, die bei familiengeführten Unternehmen häufig anzutreffen sind, wie interne Nachfolgestreitigkeiten oder Verschwiegenheit nach außen, scheinen bei B. Braun Melsungen nicht existent zu sein. Ein potenzieller Nachfolger des langjährigen Unternehmenslenkers Ludwig Georg Braun müsse nicht notgedrungen aus der Familie kommen, so der ehemalige Präsident des DIHK in einem Interview. Offensichtlich verbindet B. Braun die Vorteile einer AG mit der langfristigen Ausrichtung eines Familienunternehmens. Mit der weltweiten Ausrichtung auf das Gesundheitswesen ist man zudem in einem krisensicheren, allerdings auch wettbewerbsintensiven Wachstumsmarkt tätig, in dem sich das Unternehmen immer wieder als flexibel und scharf kalkulierend zeigen muss – was in Melsungen bislang auch gelungen ist. Ludwig Georg Braun ist daher auch für die Zukunft optimistisch: B. Braun müsse „die Kapazitäten deutlich erweitern, um auch in Zukunft ähnlich starke Wachstumsraten wie zuletzt erreichen zu können“, so der Unternehmenslenker auf der Website.

Von Jörg Müller

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 1/2010

 

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