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Am Hauptsitz der Hess AG in Villingen-Schwenningen; Foto: Manuel2000.com, Wikimedia Commons

 

Lukrative Marktlücke konsequent besetzt
Wer kennt sie nicht, die nachlässig gestalteten Leuchten, die die Einfahrtsstraßen der Städte dieser Welt und oft auch deren Plätze verunstalten? Hier hat Hess eine Marktlücke erkannt und konsequent besetzt: Design-Leuchten, die trendige Locations in hippen Vierteln ebenso aufwerten wie den historischen Marktplatz in der bayerischen Provinz. Auf das Lampendesign abgestimmte Stadtmöbel und Begrünungssysteme runden das Angebot ab. Nach eigener Darstellung ist Hess „damit der einzige Leuchtenhersteller, der Landschaftsarchitekten und Architekten bei der gesamtheitlichen Gestaltung von Plätzen, Grünanlagen oder ganzen Stadtquartieren unterstützt“.

Die Hess AG setzt bei ihren Neuentwicklungen auf den Einsatz von LED-Technologie. Neben technischen Vorteilen bei der Lichtgebung inklusive der Möglichkeit des Farbwechsels – dies kommt insbesondere bei der Gestaltung von Fassaden zum Tragen – ermöglicht LED-Technologie erheblich günstigere Betriebskosten durch deutlich minimierten Stromverbrauch.

 

Neu Beleuchtung auf dem Zinendorfplatz in Königsfeld; Foto: Hess AG

Anfänge als Gießerei
Das Unternehmen ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine gewisse Flexibilität und unternehmerisches Handeln nach Identifizierung von Chancen zu ökonomischen Erfolgen führen. Denn gegründet wurde Hess 1947 als Eisen- und Metallgießerei. Im Sandgussverfahren wurden Teile für die umliegende Industrie, zum Beispiel die damals florierende Uhrenindustrie, geliefert. Eigene Produkte entstanden erst in den 70er-Jahren, als Jürgen G. Hess, der das Unternehmen in zweiter Generation führte, historische Straßenleuchten produzierte, die dem Nostalgieempfinden jener Zeit Rechnung trugen. Der Unternehmer baute eine eigene Entwicklungsabteilung für Lichttechnik auf und setzte früh auf stromsparende LED-Leuchten. Seit 2007 leitet in dritter Generation Christoph Hess das Unternehmen. Die Fokussierung auf LED-Leuchten wurde weiter verstärkt. Durch die Übernahme der emdelight GmbH wurde zudem die Kreativabteilung ausgebaut.

In der Nähe von Dresden, im sächsischen Löbau, hat die Hess AG im Jahr 2000 ein Werk gegründet. Seither sind die Produktionsstätten dort kontinuierlich ausgebaut worden. Bereits 1997 war die Werksgründung in Gaffney (USA, South Carolina) erfolgt. Von dort wird der gesamte amerikanische Kontinent bedient.

Profitables Geschäftsfeld
Im Geschäftsjahr 2011 erzielte die Hess AG einen Umsatz von 68,1 Mio. EUR, dies entspricht einer Steigerung von 22% gegenüber Vorjahr. Das EBIT 2011 belief sich auf 5,57 Mio. EUR (+51,2%), die EBIT-Marge erhöhte sich damit auf 8,2%. Die Eigenkapitalquote lag zum Geschäftsjahresende 2011 bei 22%. Das Unternehmen beschäftigte zum Jahresende 330 Mitarbeiter. Hess weist ein dynamisches Umsatz- und Ertragswachstum in den vergangenen Jahren auf. Gründe dafür sind eine starke Marktstellung mit etablierten Marken („.hess“, „Vulkan“, „emdelight“), die erfolgreiche Produktentwicklung, das internationale Vertriebsnetz sowie ein deutlich wachsender LED-Markt.

Angesichts des rasanten Wachstums stellt sich natürlich die Frage nach der weiteren Finanzierung. Ob bei Hess schon einmal über ein IPO nachgedacht wurde, zumal bereits die Rechtsform der Aktiengesellschaft gewählt worden ist, beantwortet Christoph Hess so: „Hess wächst stark und schließt daher grundsätzlich keine Finanzierungsform aus.“ Das bisherige Wachstum wurde mit einem Finanzierungsmix bewältigt: klassische Bankfinanzierung, Mezzanine-Instrumente, Sale-und-Lease-Back-Verfahren.

Die Außenleuchten am EM-Stadion in Doetsk stommen von Hess. Foto: Hess AG

Ende 2011 erfolgte eine Kapitalerhöhung: Holland Private Equity (HPE) investierte für eine Minderheitsbeteiligung rund 6,3 Mio. EUR in die Hess AG. Damit, so Christoph Hess, sei die „solide Basis für weiteres Wachstum gelegt sowie die Finanzierung der emdelight-Übernahme“ gesichert worden. HPE ist eine 2008 gegründete Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Amsterdam, die sich auf Later-Stage-Finanzierungen von mittelständischen Familienunternehmen spezialisiert hat. Auf der HPE-Website wird ein IPO als nächster logischer Schritt nach einer Finanzierung dargestellt. „Eine Anleihefinanzierung ist derzeit nicht geplant“, ließ das Unternehmen dazu wissen.

Fazit
Die Hess AG verfügt über eine starke Marktstellung und durch das Komplettangebot inklusive Möblierung und Planung Alleinstellungsmerkmale. Durch die Übernahme der emdelight, die sich unter anderem auf Fassadengestaltung per Licht und die Beleuchtung auf privaten Flächen wie Einkaufscentern spezialisiert hat, ist die Erweiterung der Kundenbasis in Richtung Immobilienwirtschaft geglückt. Alles in allem liegt eine sehr stimmige Equity Story vor. Der Markt ist riesig und eröffnet glänzende Wachstumsperspektiven, zumal im Bereich LED-Technologie besonderer Mehrwert für Kunden durch Stromeinsparungen geschaffen wird.

 

Kurzprofil Hess AG


Gründungsjahr: 1947
Branche: Lichtsysteme + Möblierung für öffentliche Räume
Unternehmenssitz: Villingen-Schwenningen
Mitarbeiter 2011: 330
Konzernumsatz 2011: 68,1 Mio. EUR
Gewinn: 5,57 Mio. EUR (EBIT)