Die Bilanz des weltweiten IPO-Markts 2016 zeigt im zweiten Jahr in Folge einen Rückgang der Primärmarktaktivität. Seit Jahresbeginn fanden weltweit 1055 Börsengänge statt, bei denen insgesamt 132,5 Mrd. USD erlöst wurden – im Vorjahr waren im gleichen Zeitraum noch 1.258 Börsengänge mit einem Volumen von 197 Mrd. EUR gezählt worden.

Dr. Martin Steinbach, Leiter IPO and Listing Services, EY
Dr. Martin Steinbach, Leiter IPO and Listing Services, EY

So liegt die Zahl der Börsengänge in diesem Jahr um 16% %niedriger als im Vergleichszeitraum 2015, jedoch über dem Niveau von 2013 und damit im langfristigen Durchschnitt. Unerwartete geopolitische Ereignisse, der Brexit und die US-Wahl haben für Unsicherheiten in den Märkten geführt und bis zuletzt die weltweiten IPO-Aktivitäten deutlich gebremst. Die gute  Nachricht: Das vierte Quartal zeigte nach einem sehr schwachen Start durch die unerwartet hohen Ölpreisbewegungen zum Jahresauftakt zum dritten Mal in Folge mit 334 IPOs einen Anstieg gegenüber dem Vorquartal um 25 %, was positiv für 2017 stimmt.

Strukturwandel im weltweiten Primärmarkt
In allen wichtigen IPO-Märkten mit Ausnahme von Indien wagten weniger Börsenneulinge den Sprung aufs Parkett als im Vorjahr – auch in China, das sich in den letzten Jahren  zu einem Hauptmotor des weltweiten IPO-Marktes entwickelte. So stiegen die Anteile des Asia-Pacific Raums und EMEIA (Europe, Middle East, India, Africa) kontinuierlich zu Lasten des amerikanischen Kontinents. Im Gesamtjahr 2016 waren in China (Volksrepublik China, Hongkong und Macao) 331 Börsengänge gezählt worden, dies entspricht einem Rückgang von 6 %. Europa liegt auf Platz zwei in der IPO Börsenliga mit 174 Transaktionen (-36%) und einem Volumen von gut 32 Mrd. US$. Am stärksten betroffen von dem Rückgang ist der US-Markt mit nur noch 112 Börsengängen auf Platz 3 der weltweiten Primärmärkte, einem Minus von 36% gegenüber dem Vorjahr. Das Emissionsvolumen sank sogar um 37% auf 21,3 Mrd. US$. Herausragender Markt in 2016 mit Wachstum ist Indien. Hier stieg die Zahl der Börsengänge auf 83 (+38%), das Emissionsvolumen stieg sogar um 79% auf 3,8 Mrd. US$.


Transaktionen, Börsenplätze, Exit Aktivität und Sektoren

Der größte Börsengang des Jahres war die Erstnotiz der Postal Savings Bank of China, die 7,6 Mrd. US$ einbrachte. Auf dem zweiten Platz folgt der IPO der deutschen Innogy mit einem Emissionserlös von 5,2 Mrd.US$. Gemessen an der Zahl der Erstnotierungen liegt im Jahr 2016 bislang die Hongkonger Börse mit 115 IPOs an erster Stelle, gefolgt von den chinesischen Börsen Shenzhen (114 IPOs) und Shanghai (98), während Hong Kong auch den ersten Platz mit einem Emissionsvolumen von rund 25 Mrd. US$ einnimmt. Der Investorenappetit nach Sektoren blieb im Ranking weitestgehend gleich. Jedoch legten Technologie, Industrials und Healthcare in der Gunst der Investoren 2016 zu. Die Cross Border Aktivität sank auf einen Tiefstand von lediglich 6% aller Börsengänge. Finanzinvestoren hielten sich als Quelle von IPO zurück. So ging die IPO Exit-Aktivität auf einen Anteil von 13% aller IPOs zurück, der Anteil am IPO Volumen sank auf 26%.

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