Die Umschichtung des Anlagevermögens hat begonnen

Nachhaltigkeit wird „Mainstream“: Institutionelle, aber auch private Anleger fragen nach der Verknüpfung ihrer investierten Anlagewerte mit Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsthemen (ESG). 2006 wurden die UN Principles for Responsible Investments (PRI) ins Leben gerufen – mit der Unterzeichnung verpflichten sich Investoren, die ESG-Prinzipien zu beachten. Die Zahl der Unterzeichner der PRI ist bereits von ursprünglich 100 auf über 2.000 angestiegen; ihr zu verwaltendes Vermögen beläuft sich auf über 70 Bio. USD.

Nahezu alle großen Vermögensverwalter machen ihr Engagement für nachhaltige Anlagen öffentlich bekannt. So sprach Larry Fink, CEO von BlackRock (verwaltetes Vermögen: 6,5 Bio. USD), in seinem jährlichen „Letter to CEOs“ über die Notwendigkeit der Unternehmen, neben ihrem Geschäft auch einen gesellschaftlichen „Purpose“ (deutsch: Sinn/Zweck) zu erfüllen, um langfristig für Anleger interessant zu sein. Seine These: Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden alle Investoren den Wert eines Unternehmens an seinem Einfluss auf ESG-Kriterien messen.

Entwicklung zahlreicher Sustainable-Finance-Produkte

Die Finanzwirtschaft entwickelt neue „Sustainable-Finance-Produkte“ und Dienstleistungen. Dieser Markt ist noch ein Nischenmarkt, er bietet jedoch sowohl für Eigenkapitalinstrumente als auch für Schuldtitel eine Reihe an alternativen Kapitalpools. Dazu zählen Green Bonds und Green Lendings ebenso wie erfolgsabhängige Produkte, etwa Social Impact Bonds (SIB), Social Impact Incentives (SIINC) und Social Success Notes (SSN). Green Bonds sind dabei das Finanzierungsinstrument, welches am schnellsten in den Mainstream eintreten wird: Im Jahr 2013 betrug das Emissionsvolumen für Green Bonds noch 11 Mrd. USD, 2018 bereits 167 Mrd. USD. Noch ist der Finanzsektor der größte Emittent von Green Bonds – aber auch Unternehmen emittieren öfter grüne Anleihen. 2017 hat innogy die erste deutsche grüne Unternehmensanleihe in Benchmarkgröße mit einem Volumen von 850 Mio. EUR begeben.

Die stärkere Fokussierung auf die Einhaltung der Sustainable-Finance-Standards ist vor allem für kapitalmarktorientierte Unternehmen eine Chance, neue Investoren anzusprechen und neue Kapitalquellen zu erschließen. Das stellt die Investor-Relations-Abteilungen vor neue Herausforderungen und bedeutet eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen – insbesondere in den Bereichen Corporate Social Responsibility und ESG-Berichterstattung. Die Definition einer Taxonomie wird nachhaltige Finanzprodukte transparenter machen und ihnen deutlich mehr Gewicht verleihen.

Titelfoto: adrian_ilie825 – stock.adobe.com

 

Über den Autor

Jens Hecht & Alina Konyen

Jens Hecht, CFA, ist Managing Partner der Kirchhoff Consult AG und berät mittelständische Unternehmen in den Bereichen Investor Relations, Kapitalmarkttransaktionen und Finanzberichterstattung.
Alina Konyen ist Beraterin bei der Kirchhoff Consult AG und berät Unternehmen in allen Fragen der Investor Relations und Finanz-PR.