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Im Zuge des Pariser Klimaabkommens hat sich die EU ehrgeizige Klima- und Energieziele gesteckt, die es bis 2030 zu erreichen gilt. Dazu gehört die Verringerung der CO2-Emissionen um mindestens 40%, gemessen an den Werten von 1990. Bei der Bewältigung dieser Aufgabe haben die Finanzwirtschaft und die Kapitalmärkte durch die Lenkung der weltweiten Kapitalströme eine Schlüsselposition inne. Um die Klimaziele zu finanzieren, wird die EU – laut Berechnungen der Europäischen Investment Bank – jährlich 180 Bio. EUR benötigen. Die Mobilisierung privaten Kapitals für nachhaltige Investitionen ist hierbei essenziell. Von Jens Hecht und Alina Konyen

Der Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ der EU-Kommission soll die europäische Finanzwirtschaft stärker auf die Finanzierung eines längerfristigen, nachhaltigen Wachstums ausrichten. Dies erfordert auch weitgehende gesetzliche Maßnahmen in Bezug auf Berichterstattung, Bilanzierung, Regulierung und Unternehmensführung.

Noch ist der Begriff „Sustainable Finance“ nicht einheitlich definiert. Zur Vermeidung von „Greenwashing“ sind Marktstandards notwendig. Der Aktionsplan beinhaltet daher die Entwicklung einer Taxonomie, die eine einheitliche Klassifizierung von wirtschaftlich nachhaltigen Investitionen schaffen und den Anlegern klare Kriterien für die Bewertung nachhaltiger Investitionen geben soll. Erste Ergebnisse zu einer Taxonomie für „grüne Finanzprodukte“ werden in Kürze erwartet.

Sustainable-Finance-Taxonomie – zugrunde liegende Umweltziele

1. Minderung des Klimawandels
2. Anpassung an den Klimawandel
3. Nachhaltige Nutzung sowie Schutz von Wasser und Meeresressourcen
4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling
5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
6. Schutz gesunder Ökosysteme
(Quelle: http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-3730_en.htm)

Um als „grün“ klassifiziert zu werden, müssen die Produkte mindestens zu einem der sechs Umweltziele erheblich beitragen. Ferner dürfen sie nicht in einem schweren Konflikt mit einem der anderen Umweltziele stehen. Zusätzlich sind die zwei anderen ESG-Aspekte – „Soziales“ und „Governance“ – zu beachten.

Klimawandelbedingte Risiken gefährden Stabilität des Finanzsystems

Der Wechsel von einer kohlenstoffintensiven zu einer emissionsarmen Wirtschaft ist in Bezug auf den Klimawandel Grundvoraussetzung und dessen Notwendigkeit allgemeiner Konsens. Aus dem vereinbarten Temperaturziel ergibt sich ein CO2-Budget. Dieses gibt an, wie viel CO2 in die Atmosphäre gelangen darf, bis die emittierte Menge zu einem Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad führen würde.

Laut den Berechnungen der Internationalen Energieagentur lässt dieses Temperaturziel 80% aller bekannten fossilen Brennstoffreserven ungenutzt – man spricht von einer „CO2-Blase“. Vermögenswerte im Umfang von weltweit 22 Bio. USD dürften nicht genutzt werden und wären somit wertlos. Diese „Stranded Assets“ gefährden aufgrund ihrer Größe die Stabilität des gesamten Finanzsystems. So hat die Finanzwirtschaft genau wie die Realwirtschaft ein eigenes Interesse daran, den Nachhaltigkeitsgedanken in ihre Strategie aufzunehmen.

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