Das Oberlandesgericht Frankfurt hat mit heute zugestelltem Beschluss in dem Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) gegen die Steinhoff International Holdings den Kläger bestimmt. Damit startet das Musterverfahren gegen das börsennotierte Unternehmen wegen des Vowurfs der möglichen Bilanzfälschung nun offiziell.

In dem Musterverfahren wird geklärt, ob sich Steinhoff gegenüber Investoren wegen der Verletzung von Ad-hoc-Pflichten schadensersatzpflichtig gemacht hat. Der Vorwurf der Kläger lautet, dass Steinhoff es pflichtwidrig unterlassen habe, den Kapitalmarkt über Bilanzmanipulationen im Umfang von mehreren Milliarden Euro zu informieren.

Das OLG Frankfurt hat zugleich bereits einen Termin zur mündlichen Verhandlung auf Mittwoch, den 18. Dezember 2019, bestimmt. Bis dahin erhalten sämtliche Beteiligten des Musterverfahrens Gelegenheit, dem Gericht zur Sache schriftlich vorzutragen. „Wir verfügen bereits über genügend Beweise und werden Steinhoff eine Vielzahl von schwerwiegenden Verstößen gegen das Kapitalmarktrecht nachweisen“, betont Maximilian Weiss, Rechtsanwalt der TILP-Gruppe.

Mit der  Bestimmung des Musterklägers hat nun auch das eigentliche Musterverfahren begonnen. Zugleich wurde hiermit eine Frist von sechs Monaten in Gang gesetzt. Innerhalb dieser Frist können Investoren ihre Ansprüche zum Musterverfahren kostengünstig anmelden. Durch die Anmeldung wird die Verjährung gehemmt und der Anmelder profitiert darüber hinaus faktisch vom Ausgang des Musterverfahrens. Nach dem Ablauf dieser Frist ist eine Anspruchsanmeldung nicht mehr möglich.

Für Investoren, die auch die sehr günstigen Kosten einer Anmeldung scheuen, kann TILP einen Prozessfinanzierer vermitteln.

Der Steinhoff-Konzern gilt bereits seit längerem als relativ undurchschaubar. Die Konzernstruktur besteht aus einem Konglomerat von Investmentfirmen und Zwischengesellschaften, der operative Hauptsitz ist in Südafrika, der Rechtssitz in Amsterdam. Seit Dezember 2015 ist das Unternehmen an der Börse gelistet – notiert aber nur noch knapp über der Nulllinie. Bereits vor dem Börsendebüt gab es zudem Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Oldenburg, die bis heute gegen vier Führungskräfte, darunter auch Markus Jooste, wegen möglicher Bilanzfälschung ermittelt.

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Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de