Der Aktienkurs hat sich zwischen 2011 und 2017 mehr als vervierfacht, doch 2018 wurde der Vertrieb von Insulinpumpen des US-Herstellers Insulet eingestellt, da kein Konsens über die Konditionen bei der Vertragsverlängerung erreicht werden konnte. Die Aktie stürzte ab: Eine Halbierung war die Folge. Unterdessen hatte Ypsomed die eigene „YpsoPump“ entwickelt und inzwischen am Markt eingeführt. Aufgrund der Beendigung der Zusammenarbeit mit Insulet steht Ypsomed eine Zahlung von rund 50 Mio. USD zu, über die nun allerdings erst wieder gestritten wird. Im Geschäftsjahr 2018/19 ging der Umsatz dementsprechend geringfügig auf 454 Mio. CHF zurück, doch EBIT und Reingewinn stiegen. Das Wachstum in den fortgeführten Bereichen kletterte um 24%. Die Nettogewinnmarge beträgt stattliche 13,3%. Für das laufende Geschäftsjahr ist zwar ein temporärer Umsatz- und Gewinnrückgang zu erwarten, doch der ist technischer Natur. Die langfristigen Wachstumsperspektiven sind intakt und durch die starke Nachfrage bei den innovativen Lösungen auch fundiert.

Chance vier – nachhaltige(re) Öl- und Gasinvestments

Öl und Gas sind zunehmend in der Kritik und bei Anlegern immer weniger en vogue. Doch ohne Brenn- und Treibstoffe geht es so schnell auch nicht. Worauf es aus Anlegersicht ankommt, ist die nachhaltige Ausrichtung der Unternehmen. Da spielt OMV, der international tätige österreichische Öl- und Gaskonzern, eine wichtige Rolle. Auf das weniger schädliche Gas entfallen bereits 50% des Geschäftsvolumens, und der Anteil soll noch weiter steigen. Mit einem Jahresumsatz von 22,9 Mrd. EUR und einem Gewinn von 1,4 Mrd. EUR ist OMV nicht nur eines der bedeutendsten Unternehmen Österreichs, sondern auch der einzige Vertreter Österreichs im Dow Jones Sustainability Index. OMV ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich: Unter anderem wird in einer Pilotanlage in Schwechat bei Wien Plastik wieder in synthetisches Öl zurückverwandelt, und das bei absolut konkurrenzfähigen Kosten von nur 30 USD je Barrel. Eine veritable Lösung für das weiter oben angesprochene globale Plastikmüllproblem! Mit einem KGV von acht und einer Dividendenrendite nahe 5% überwiegen bei der Aktie die Chancen deutlich die Risiken.

Fazit

Die nach der Finanzkrise 2008/09 etablierte Niedrigzinspolitik ist ohne historischen Vorgänger, wodurch alle Prognosen zu den Kapital- und Finanzmärkten analytisches Neuland darstellen. Richtig ist, dass wir nach kräftiger Erholung („Recovery“) ca. 2010 bis 2012 in die längste zusammenhängende globale Wachstumsphase ohne Unterbrechung eingeschert sind – bis inkl. der heutigen Tage. Störfaktoren wie Trump (seit 2016), ein möglicher BrExit (seit 2017) und die Spaltung Europas sowie ferner der Einfluss neuer, revolutionärer Technologien stehen auf der anderen Seite der Gleichung, unter den verdächtigen Unwägbarkeiten. Etwas Vorsicht bei Investitionen scheint sicherlich angebracht: Spätzykliker und antizyklische Unternehmen verdienen jetzt einen näheren Blick. Unsere Übersicht sollte nur exemplarischer Natur sein und bei der eigenen Suche einige Impulse liefern – da findet sich schnell noch eine deutlich längere Zusammenstellung.

Dieser Artikel ist eine Vorabveröffentlichung aus unserem Magazin. Die neue Ausgabe erscheint am 3. August

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