Laut aktueller Studie von Kirchhoff Consult war 2019 das schwächste Jahr für Börsengänge seit zehn Jahren. Demnach reduzierte sich die Zahl der IPOs im Börsensegment Prime Standard im Vergleich zum Vorjahr von 16 auf drei und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 2009.

Zugleich sank das Emissionsvolumen um fast 70% auf rund 3,6 Mrd. EUR – im vergangenen Jahr waren es noch mehr als 11 Mrd. EUR.

Börsengänge im Prime Standard 2019. Quelle: Kirchhoff Consult AG.
Börsengänge im Prime Standard 2019. Quelle: Kirchhoff Consult AG.

Grund für die enorme Abschwächung des IPO-Markts: u.a. makroökonomische Unberechenbarkeiten –  den Aktienmärkten an sich schadete diese Entwicklung allerdings weniger. „Die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten wogen für viele IPO-Kandidaten schwerer als die sehr gute Entwicklung am Aktienmarkt. Die weiterhin lockere Geldpolitik der Notenbanken und die zunehmend positiven Signale im Handelsstreit stimmen uns aber zuversichtlich, dass 2020 wieder mehr Unternehmen an die Börse gehen werden“, betont Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und CEO der Kirchhoff Consult AG.

Zudem entwickelten sich die Kurse der Börsenneulinge in den USA Lyft und Uber schwach und der potenzielle Multi-Milliarden-IPO von WeWork scheiterte. Investoren wurden in der Folge skeptischer.

DAX-Entwicklung positiv – trotz wirtschaftspolitischer Unsicherheiten

Demgegenüber entwickelte sich der deutsche Aktienmarkt insgesamt sehr positiv. Der DAX verbuchte ein deutliches Plus von rund 25%, vor allem dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, so lautet das Resümee der Studie. In diesem Umfeld gelang dem Softwareunternehmen TeamViewer mit einem Emissionsvolumen von knapp 2 Mrd. EUR der größte Tech-IPO in Deutschland seit dem Jahr 2000. Der Nutzfahrzeughersteller Traton legte ebenfalls ein milliardenschweres Börsendebüt hin. Zusammen machten diese beiden Börsengänge rund 95% des gesamten Emissionsvolumens in 2019 aus.

Im Bereich der Small- und Midcap-Gesellschaften gab es mit der Global Fashion Group hingegen nur einen Neuzugang. Das Börsensegment Scale verzeichnete 2019 keinen Börsengang.

Optimistischer Blick auf 2020

Die Kandidaten-Pipeline ist aufgrund der IPO-Absagen und -Verschiebungen in den vergangenen Monaten mit attraktiven Börsenkandidaten prall gefüllt. Laut offiziellen Informationen und Marktgerüchten gibt es derzeit rund 100 Unternehmen, die einen Börsengang anstreben könnten. Darunter befinden sich auch potenzielle IPOs mit einem Emissionsvolumen in Milliardenhöhe wie die ThyssenKrupp-Aufzugssparte und Siemens Energy. Hinzu kommen weitere Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Exyte (Anlagenbauer), DiaMonTech (Medizintechnik), Congatec (Computer-Technologie) und Hymer (Wohnmobile).

Bei geringerer Volatilität und geringeren Risiken könnte sich das IPO-Fenster laut Kirchhoff Consult 2020 wieder öffnen. Die Geldpolitik der Notenbank wirke dabei unterstützend, und auch die Weltwirtschaft zeige sich – trotz geringerer Wachstumsraten in einigen wichtigen Ländern – robust.

Vor diesem Hintergrund erwartet Kirchhoff Consult eine Erholung des IPO-Marktes im Jahr 2020, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Börsengänge als auch auf das Emissionsvolumen. Diese Einschätzung gilt auch für den Markt für neue Mittelstandsanleihen.

„Es sind zahlreiche attraktive Unternehmen bereit für die Börse. Wir erwarten daher eine deutliche Erholung am IPO-Markt und rechnen mit mindestens zehn Neuemissionen im Prime Standard sowie einer Wiederbelebung des Scale-Segments. Der Bond-Markt dürfte sich mit mindestens 25 neuen Mittelstandsanleihen ebenfalls positiv entwickeln“, erklärt Jens Hecht, Vorstand der Kirchhoff Consult AG.

Lesen Sie mehr zum IPO-Jahr 2019 sowie Prognosen für 2020 in unserer Dezember-Ausgabe, die Mitte des Monats erscheint – zum Vorabdruck geht’s hier.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.