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Der Softwarekonzern SAP bleibt sich auch zum Jubiläum treu und setzt statt Gratifikationen auf Mitarbeiterbeteiligung. Vor allem die fehlende Halteverpflichtung hebt das ­Programm heraus.

Mitarbeiterbeteiligung gehört bei SAP gewissermaßen zur DNA; sie ist fester Bestandteil der Unter­nehmenskultur. SAP führte aktien­basierte Beteiligungsprogramme bereits als relativ junges Unternehmen ein. Zum ersten Programm waren ­weniger als 2.000 Mitarbeiter teilnahme­berechtigt – weil SAP seinerzeit nicht mehr Mitarbeiter zählte. Heute arbeiten mehr als 100.000 ­Beschäftigte für SAP. Damit hat der Softwarespezialist eine beeindruckende globale Erfolgsgeschichte geschrieben.

Vereinheitlichung der Programme geglückt

In den Jahrzehnten des Wachstums wurde­ eine ganze Reihe von unterschiedlichen Programmen aufgelegt. Hinzu kamen laufende Programme bei akquirierten Unternehmen, die es ebenfalls in den Regelungsrahmen einzubinden galt. Als Lösung entpuppte sich die Idee, alle ­bestehenden Mitarbeiterbeteiligungsprogramme auf den Prüfstand zu stellen. Im Ergebnis führte dies zum neuen Plan „Own SAP“, der im Oktober 2016 für ­damals mehr als 73.000 anspruchsberech­tigte Mitarbeiter in 55 Ländern eingeführt wurde. Mittlerweile gilt das Award Winning-Programm als führend.

SAP Kurzprofil

Eines der Ziele des Plans bestand ­darin, Own SAP für Mitarbeiter attraktiv zu gestalten und die mit dem Investitionsrisiko verbundenen Hindernisse zu minimieren. Dabei wurde insbesondere auf die klare Verständlichkeit des Angebots geachtet, welches nun im siebten konsekutiven Jahr erfolgte. ­Jeder SAP-­Mitarbeiter kann maximal 10% seines monatlichen Grundeinkommens investieren. SAP beteiligt sich mit weiteren 40% des Eigenbeitrags und fügt – außer bei Teilnehmern aus dem Senior Mana­gement – einen zusätzlichen Kauf­zuschuss von 20 EUR hinzu. Der maximale SAP-Zuschuss ist jedoch begrenzt auf 6.000 EUR pro Kalenderjahr. Nach Einbehalt der Mitarbeitereigeninvestition über die Lohnabrechnung werden die Aktien monatlich direkt am Markt durch einen externen Planprovider erworben und den Mitarbeitern unmittelbar frei zur Disposition gestellt.

Zum Jubiläum Erhöhung auf 80% Prämie

Anlässlich des 50. Geburtstags des Softwarekonzerns erhielten die Beschäftigten in diesem Jahr einen 80%igen Zuschuss zum Eigeninvestment für den Kauf von Aktien des Unternehmens, befristet auf drei Monate. Wenn Beschäftigte beispielsweise Aktien im Wert von 1.000 EUR kaufen, bekommen sie damit weitere SAP-­Aktien im Wert von 800 EUR dazu. Bedingung für die günstigen Konditionen: Die Mitarbeitenden müssen zum Kaufzeitpunkt mindestens zwei Monate beim Softwarekonzern angestellt gewesen sein und die Planbedingungen erfüllen. Über die Aktien können sie direkt nach dem Kauf selbst verfügen und diese – sofern sie das möchten – auch weiterverkaufen.

Quelle: guidants.com

Die Tradition der Aktienbeteiligungsprogramme für Mitarbeitende blieb auch während der Coronapandemie intakt. So gab es bei SAP statt Coronabonuszahlungen für die Belegschaft eine temporäre Ausweitung des Beteiligungsprogramms. Während Prämien Einmalzahlungen sind, bietet das Aktienbeteiligungsprogramm Own SAP eine langfristige Teilhabe am Erfolg und gleichzeitig Vorteile wie eine Prämie, so die Sichtweise des Unternehmens. Und auch die Beschäftigten sind überzeugt: Mehr als 95% der SAP-Belegschaft in Deutschland machen beim Aktienbeteiligungsprogramm mit. Die Zahlen sprechen für sich: Wurden 2019 noch 5,2 Mio. Aktien von den Mitarbeitern gekauft, erhöhte sich dies auf 5,5 Mio. im Jahr 2020 und 5,7 Mio. anno 2021. Für das laufende Jahr sind noch keine Zahlen kommuniziert, es ist aber wahrscheinlich, dass eine erneute Steigerung verbucht wurde – nicht ­zuletzt dank des attraktiven Jubiläumszuschlags.

Steckbrief Mitarbeiterbeteiligungsprogramm

Weiteres Programm: Move SAP

Neben Own SAP existiert ein zweites Programm, das zur Incentivierung ins­besondere erfolgskritischer Mitarbeiter genutzt wird: Move SAP. „Einer unserer Wege, den Erfolg mit jenen Mitarbeitern zu teilen, die entscheidend sind, die ­Mission von SAP zu erfüllen, ist, sie mit Move SAP zu begeistern, zu incentivieren und sie zu halten“, heißt es dazu von SAP. Dieses Programm ist nicht frei verfügbar, sondern die Teilnehmer werden von ­Managern dazu eingeladen. Zudem ist der Wert an die Erreichung bestimmter Leistungsbedingungen geknüpft. Dieses Programm arbeitet mit Restricted Stock Units (RSUs). Die erste Leistungsperiode der ersten Tranche endet nach insgesamt sechs Monaten (zwei Quartalen) nach ­Zuteilung und beträgt ein ­Sechstel des Zuteilungsbetrags. Die Leistungsperioden der verbleibenden Tranchen enden in der Folge quartalsweise jeweils zum zehnten des letzten Monats des jeweiligen Quartals („Vesting“) und betragen ­jeweils ein Zwölftel des Zuteilungsbetrags. Neu eingeführt wurde jetzt unter anderem eine zusätzliche Option, so dass die Mitarbeiter entscheiden können, ob sie Aktien ins Depot gebucht bekommen oder ob nach Ablauf der Vestingperiode die Aktien über den Plan­administrator verkauft und die Verkaufs­erlöse via Gehalts­abrechnung ausbezahlt werden. Mitarbeiter können außerdem Teile der erzielten Verkaufserlöse steuerfrei in die mitarbeiterfinanzierte Altersversorgung (MAV) bzw. das Arbeits­zeitkonto (AZK) umwandeln lassen. Damit ist SAP das erste Unternehmen im Dax40, das über ein Programm mit dieser Kombination verfügt. Mit MoveSAP wurde ein wegweisendes Ziel, ausgegeben von Chetna Singh (SVP, Global Head of Total Rewards), umgesetzt: “At SAP, we increasingly aspire to make equity an important element of the way we recognize ­individual achievements and provide opportunities for our employees to ­benefit from our collective success.” Für das Senior Management werden zusätzlich Performance Share Units (PSUs) ­angeboten. Die Performanceperiode be­­trägt hier in der ­Regel zwölf Monate, es erfolgt eine ­Adjustierung je nach Ziel­erreichung. Nach Ende der jeweiligen Leistungs­periode werden sowohl RSUs als auch PSUs in Form der zu über­tragenden ­Aktien durch den Planadministrator in die individuellen Depots der jeweiligen Mitarbeiter eingebucht und unterliegen keiner weiteren Haltefrist.

FAZIT

SAP zählt auf vielerlei Arten zu den deutschen Vorzeigeunternehmen. Die lange Geschichte aktienbasierter Mitarbeiterbeteiligungsprogramme dürfte daran ­einen gewichtigen Anteil haben.

Autor/Autorin

Stefan Preuß
Redaktionsleiter at GoingPublic Media AG | Website

Stefan Preuß arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Redakteur im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur sammelte zudem Erfahrung als Investor Relations Manager. Der Redaktion der GoingPublic Media AG gehört er als ständiger Mitarbeiter mit den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen an. Er betreut als Redaktionsleiter die jährlichen Spezialausgaben "Mitarbeiterbeteiligung" sowie "M&A Insurance".