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Die Landschaft für Geschäftsberichte-Preisverleihungen scheint speziell seit der Auszeit des bis dahin renommierten ‚Baetge-Awards‘ im Umbruch. Stimmt die Ausrichtung nunmehr überhaupt noch? – Wir sprachen mit Alexander Wilberg von Kirchhoff Consult.

GoingPublic Magazin: Herr Wilberg, bei den Geschäftsberichts-(GB-)Wettbewerben sind immer weniger Unternehmen zu sehen. Was sind die Gründe dafür?

Wilberg: Wir erleben in Deutschland schon seit einigen Jahren den Trend, dass Unternehmen sich nicht mehr besonders viel Mühe mit ihren Geschäftsberichten geben. Im DAX30 publiziert mittlerweile mehr als die Hälfte der Firmen nur noch reine Finanzberichte, die oft nicht nur gestalterisch, sondern auch inhaltlich ausgesprochen bescheiden daherkommen. Mit solchen Berichten ist natürlich im wahrsten Sinne des Wortes kein Preis zu gewinnen. Ein anderer Grund sind sicherlich die Kosten.  

Was hat sich aus Ihrer Sicht bei diesen Wettbewerben in den vergangenen Jahren verändert?

Die Konkurrenzen, in denen sich fachkundige Juroren intensiv mit Berichten auseinandergesetzt haben, sind mittlerweile praktisch ausgestorben. Die heutige Wettbewerbslandschaft wird dominiert vom „Pay-for-Participation-Prinzip“: Mehr Teilnehmer bedeutet für die Veranstalter eine höhere Marge. Und im Gegenzug wird praktisch jeder zahlende Kunde mit einer Auszeichnung bedacht.

„Eine informative und offene IR-Arbeit entsteht aus dem gut gesteuerten Zusammenspiel zahlreicher Instrumente und Kommunikationsaktivitäten.“
Kritisiert werden zudem die fehlende Transparenz der Bewertungskriterien sowie fragwürdige oder gar falsche Ergebnisse. Sind Ihnen konkrete Fälle bekannt?

Ich bitte um Verständnis, dass ich an dieser Stelle keinen Wettbewerb explizit an den Pranger stellen werde. Wir haben es aber erlebt, dass Punktzahlen schlicht und ergreifend falsch addiert wurden und unser Kunde dadurch im publizierten Ranking deutlich schlechter abschnitt. Da bringt es auch relativ wenig, wenn der Veranstalter das Ranking auf seiner Website Wochen später heimlich, still und leise korrigiert. Der Imageschaden für das Unternehmen – auch in der Innenwirkung – ist längst entstanden.

Allgemein wird der Preis bei einem GB-Wettbewerb immer mit einer informativen und
Alexander Wilberg, Kirchhoff Consult
Alexander Wilberg, Kirchhoff Consult
offenen IR-Arbeit gleichgesetzt. Ist denn ein solcher Automatismus in der Regel tatsächlich zutreffend?

Generell darf ein solcher Schluss nicht gezogen werden. Eine informative und offene IR-Arbeit entsteht aus dem gut gesteuerten Zusammenspiel zahlreicher Instrumente und Kommunikationsaktivitäten. Der Geschäftsbericht kann als Flaggschiffpublikation einen relevanten Beitrag dazu leisten – aber er ist letzten Endes immer Teil eines Gesamtgefüges, das funktioniert oder eben auch nicht.

Was bedeutet es für Anleger, wenn sich ein börsennotiertes Unternehmen bei einem deutschen GB-Wettbewerb erfolgreich schlägt?

Anleger können daraus schließen, dass das Unternehmen in seiner Investor Relations einen gewissen Anspruch an Transparenz und Substanz hat. Anlageentscheidungen sollten danach aber nicht getroffen werden. Ich kann auch sehr gut über eine schlechte Geschäftsentwicklung und trübe Perspektiven berichten.

Gilt das auch für Preise bei den internationalen Wettbewerben?

Da wäre ich persönlich mit Rückschlüssen auf Transparenz und Substanz vorsichtiger.

Herr Wilberg, vielen Dank, dass Sie uns Rede und Antwort gestanden haben!

Das Interview führte Thomas Müncher.

Alexander Wilberg ist CFA sowie Partner der Kirchhoff Consult AG.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de