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„Wir streben auch eine spätere Einbeziehung in Frankfurt an“

GoingPublic im Gespräch mit Dr. Uwe Ganzer, Finanzvorstand der onoff AG, über den diese Woche im m:access ‚nachgeholten‘ Börsengang: Wie sehen nunmehr die weiteren Pläne aus?

GoingPublic: Herr Dr. Ganzer, statt eines IPOs im Frankfurter SCALE im Februar kam die onoff AG in dieser Woche via Listing im Münchner m:access an die Börse. Wie kam es zu dem ‚Positionswechsel‘?
Ganzer: Nun, in der Tat war dies ja nicht der ursprüngliche Plan von vor einem halben Jahr. Aber wir mussten feststellen, dass der Markt – zumindest zu Beginn dieses Jahres und auch jetzt wirkt das Jahr 2018 noch nach – einfach noch nicht aufnahmebereit für einen SmallCap-Börsenneuling war. Mit Biegen und Brechen wollten wir aber wiederum nichts erzwingen. Es wäre der Firma und ihren bisherigen Eigentümern auch nicht gerecht geworden, die Bewertung so weit abzusenken, bis es denn vielleicht mal irgendwann gereicht hätte für potenzielle Investoren.

Dr. Uwe Ganzer

Der erste Gedanke war sicherlich eine einfache Verschiebung in den späteren Jahresverlauf, oder?
Natürlich. Nachdem sich der Pulverdampf etwas verzogen hatte, waren wir uns jedoch einig, dass Investoren so rasch nicht wieder aufnahmebereit und zu überzeugen gewesen wären. Ein wichtiges Motiv hinter dem Börsengang der onoff AG war aber auch, für bestehende Mitarbeiter und für neue Talente am Markt sichtbar zu sein. Der Kompromiss war deshalb, erst einmal die Börsennotierung sicherzustellen. Zumal wir ja den gebilligten Wertpapierprospekt schon hatten. Mitte des Jahres ändert sich das Prospektrecht etwas, so dass die bereits investierte Arbeit zu einem Gutteil umsonst gewesen wäre, hätten wir auf Unbestimmt zugewartet.

Und da fiel Ihre Wahl auf den Münchner m:access. Warum?

Der Frankfurter SCALE hat gewisse Auflagen u.a. an das zu platzierende Eigenkapital, auch den Streubesitz. Das war uns wie geschildert aktuell nicht möglich. Insofern haben wir uns die Regionalbörsen angeschaut und kamen so auf den m:access. Dies soll keinerlei Votum gegen andere Börsen sein, sondern vielmehr für diejenige, für die wir uns im Konsens mit unserer begleitenden Bank mwb entschieden haben.

Bleibt Frankfurt ein Thema?

Der m:access und die Einbeziehung der onoff-Aktien in den Börsenhandel war unser erster Schritt. Es soll nicht der letzte gewesen sein. Heute gehe ich davon aus, dass wir auch eine spätere Einbeziehung in Frankfurt anstreben – dann sicherlich mit einem zu überarbeitenden Wertpapierprospekt.

Beim Börsenvorhaben im Februar hoben Sie hervor, dass sich der Börsengang der onoff AG auch und gerade an Privatanleger wende – gerade bei Small Caps ist der prozentuale Anteil an Privaten in aller Regel höher als bei einem Milliardenvolumen.
Aber ja, das sehen wir auch weiterhin so. Es war deshalb ärgerlich, dass unser Börsenanlauf im Februar in einigen Medien etwas verunglimpft wurde. Allerdings nur in solchen, die mit uns gar nicht gesprochen hatten. Auf Privatanleger hatte dies jedoch Wirkung. Das Argument, die Altaktionäre der onoff AG hätten beim IPO-Versuch im Februar Kasse machen wollen, war völlig haltlos. Es ist eine marktübliche Maßnahme, dass Altaktionäre ebenfalls Aktien zur Verfügung stellen, um die Anforderungen an den Streubesitz zu erfüllen.

Wie erreichen Sie jetzt einen gewissen Streubesitz?
Unsere Mitarbeiter sind die ersten, denen wir als Unternehmen Aktien zukommen lassen. Das war ja wie erwähnt eines der Motive für den Börsengang: Mitarbeiter binden, Talente gewinnen. Übrigens erlegen wir unseren Mitarbeitern dabei auch keine Haltegebot auf, d.h. wer möchte, könnte seine Aktien gleich über die Börse verkaufen. Natürlich hoffen wir, dass der überwiegende Teil, am liebsten natürlich alle, diese Mitarbeiteraktien als längerfristige Bindung an die onoff AG verstehen. Jedenfalls ist die Börsenauflage sicher gestellt, dass mindestens 50 unabhängige Personen Aktien an der AG halten.

Wie ist der Zuspruch von institutionellen Adressen?
Mit 35 Mio. EUR ist unsere Marktkapitalisierung noch relativ überschaubar. Institutionelle Adressen investieren meist Beträge im niedrigen Millionenbereich – das wären bei uns ja gleich 10% oder mehr am Unternehmen. Es scheint einfacher, bei solchen Adressen um 10 oder 20 Mio. EUR Tickets nachzufragen als um einige Hunderttausend oder 1 Mio. EUR. Also müssen wir an unserer Marktkapitalisierung arbeiten: Das tun wir am besten, indem wir weiter erfolgreich wirtschaften.

GoingPublic: Herr Dr. Ganzer, ganz herzlichen Dank, dass Sie uns in der Woche Ihres Börsendebüts nochmals Rede und Antwort standen.

Interview: Svenja Liebig/Falko Bozicevic

 

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de