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Bildnachweis: ©sebra – stock.adobe.com, Grönig & Kollegen AG.

Corona hat auf viele Bereiche negative Auswirkungen: auf den Alltag oder die Bewegungsfreiheit aber auch den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Doch: Es sind auch positive Effekte zu erkennen. Im Bereich der Unternehmenskäufe gilt das auf jeden Fall. Wie sehen diese Effekte aus und was bedeuten sie für die Firmen, die in den Fokus der Investoren geraten?

Mehr Unternehmenszukäufe trotz oder wegen Corona

Experten sind der Auffassung, dass etwa 25% aller Unternehmen durch die Pandemie und die mit ihr einhergehenden Schutzmaßnahmen geschwächt worden sind. Gleichzeitig sorgt die Zinspolitik der EZB für Negativzinsen. Diese sind letztlich mit dafür verantwortlich, dass Investoren ihr Geld lieber anlegen, als es bei der Bank zu ‚parken‘.

Eine Möglichkeit der Geldanlage ist der Kauf von Unternehmen. Man spricht hier von einem Anlagedruck, dem die Unternehmen ausgesetzt sind. Denn für Kapital, das nicht angelegt wird, müssen Strafzinsen gezahlt werden, was finanziellen Verlust bedeutet. Bei den Kaufinteressenten handelt es sich meist um institutionelle Investoren oder um Anlage-Strategen, die auf antizyklische Investitionen spezialisiert sind.

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Dass Investoren Unternehmen aufkaufen, ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings hat die Corona-Pandemie zumindest zeitweise dafür gesorgt, dass sich geplante Übernahmen von zum Verkauf stehenden Unternehmen aufgrund Corona-bedingter Probleme verschoben haben. Durch die sich verbessernde Pandemiesituation rechnen Fachleute damit, dass zum Jahresende eine große M&A-Welle starten wird.

Im Augenblick sind es hauptsächlich Corona-resistente Unternehmen, die Unternehmenszukäufe tätigen beziehungsweise verkauft werden. Gegen Ende des Jahres werden Unternehmen zum Kauf und Verkauf interessant, welche die Auswirkungen der Pandemie überstanden haben. Viele Investoren werden die Realisierung ihrer oft noch vor Corona geplanten Zukäufe nachholen.

Situation auf Verkäufer-Seite

Bedingt durch die aktuelle Krise sind zahllose Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten. Zwar hat der Staat milliardenschwere Hilfspakete geschnürt, diese konnten aber die Verluste oft nur in sehr begrenztem Umfang abfedern. Um den rettenden Hafen zu erreichen, haben Unternehmen versucht, ihr Kapital durch den Verkauf von Unternehmensanteilen aufzustocken. Unternehmen, die durch ihre Ausrichtung krisensicher sind, waren und sind weiterhin gut zu verkaufen.

Andere von der Pandemie betroffene Unternehmen waren allerdings gezwungen, den geplanten Verkauf auf Eis zu legen, da nicht absehbar war, ob sie die Krise tatsächlich überstehen würden. Ein insolventes Unternehmen ist nicht unbedingt ein Kaufobjekt mit Zukunftsperspektive. Hier wird es verstärkt zu sogenannten Asset Deals, also Notverkäufen kommen, bei denen die gebotenen Kaufpreise wesentlich niedriger sind. Es ist zu erwarten, dass sich der bisherige Verkäufermarkt in einen Käufermarkt verwandeln wird.

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Von diesem Wandel sind vermutlich vor allem Unternehmen betroffen, die mit existenzbedrohenden Widrigkeiten zu kämpfen hatten, etwa Maschinenbauunternehmen, Hotelketten, Airlines oder Zulieferer für die Automobilbranche. Unternehmen, die branchenbedingt weniger von der Pandemie getroffen wurden, z.B. IT-Unternehmen, Konzerne in den Bereichen Medizintechnik oder Konsumgüter, profitieren dagegen vom entstehenden Käufermarkt. Sie hatten und haben nicht unter dem Wegbrechen von Aufträgen oder Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Sie unterliegen durch ihre gute, wirtschaftliche Situation und der damit verbundenen, positiven Perspektive nicht dem Kaufpreisdruck von Seiten der Kaufinteressenten.

Unternehmensanleihen profitieren vom Negativzins

Für Investoren ebenso interessant wie Unternehmenszukäufe sind Unternehmensanleihen. Eine solche Anleihe ist im Grunde ein zeitlich begrenzter Kredit, für den das Unternehmen dem Investor einen bestimmten Zinssatz zahlt. Je dringender das Unternehmen das Geld benötigt, desto höher ist der Zinssatz, den es dem Anleger anbietet. Auswirkungen hat zudem der Negativzins der EZB. Er führt dazu, dass Unternehmensanleihen von Unternehmen mit schlechter Bonität eine höhere Rendite erzielen, was viele Investoren zusätzlich motiviert, in solche Unternehmen zu investieren. Aufgeschoben bedeutet im Volksmund nicht aufgehoben, daher wird davon auszugehen sein, dass bei einem voraussehbaren Ende der anhaltenden Krise eine M&A-Welle auf die Wirtschaft zukommen wird.

Reiner Grönig

Zum Autor:
Reiner Grönig ist langjähriger Experte für finanzielle Unternehmensberatung, M&A und Unternehmensnachfolge. Nachdem er über 18 Jahre lang Leiter diverser Marktregionen und Filialen der Deutschen Bank war, übernahm er für ein Jahrzehnt die Position als Managing Director und Head of Business Produkte Deutschland in der Zentrale der Deutschen Bank. Seit er 2010 die UnternehmensBörse Grönig & Kollegen AG gründete, ist er dort als alleiniger Vorstand tätig. Bisher konnte Grönig mit seinem Team bereits über 100 erfolgreiche Transkationen umsetzen und sorgte für eine erfolgreiche Positionierung und Etablierung des Unternehmens im M&A-Segment mit Fokus auf Deutsche KMUs und Familienunternehmen.